
Zinsen rauf, Gold trotzdem gefragt: 31 Milliarden fluten Gold-ETFs!

Die Zinsen steigen, der Dollar wird stärker, und trotzdem kaufen Anleger weltweit Gold wie selten zuvor. Laut dem jüngsten Monatsbericht des World Gold Council (WGC) flossen allein im September 67,3 Tonnen Gold im Wert von knapp 10 Milliarden US-Dollar in goldgedeckte Fonds. Damit kam das dritte Quartal auf Zuflüsse von 31 Milliarden Dollar. So viel gab es in einem dritten Quartal noch nie.
Eigentlich spricht das gegen jede Lehrbuchregel. Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Die Fed zieht an, die Anleger lassen nicht los
Im September hob die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins um 25 Basispunkte an. Sie deutete außerdem an, dass weitere Erhöhungen folgen könnten. Renditen und Dollar zogen daraufhin an. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, ist das normalerweise schlecht, denn wer Gold hält, verzichtet auf Zinserträge. Fachleute sprechen von höheren Opportunitätskosten.
Der Goldpreis gab zwar nach, die Käufer blieben aber. Die WGC-Analysten nennen dafür mehrere Gründe: hartnäckige Inflation, teure Energie, Sorgen über überhitzte Aktienbewertungen, vor allem bei KI-Titeln, und mehr Unruhe am Anleihemarkt. Viele Investoren hätten den Preisrückgang offenbar genutzt, um strategische Positionen aufzubauen oder zu halten.
Nordamerika dreht ins Plus
Besonders auffällig ist die Wende in Nordamerika. Nach kräftigen Abflüssen im ersten Halbjahr verbuchten die dortigen Fonds im dritten Quartal ihre ersten Quartalszuflüsse des Jahres 2026: 11,7 Milliarden Dollar, das entspricht 81,3 Tonnen. Seit Jahresbeginn steht die Region damit bei 4,1 Milliarden Dollar im Plus. Im September kamen knapp 4 Milliarden Dollar hinzu, davon 3,8 Milliarden auf US-Fonds und 206 Millionen auf kanadische Produkte.
Großbritannien: Ein Warnsignal für Schuldenstaaten
Europa holte im September 21,7 Tonnen im Wert von 3,6 Milliarden Dollar. Den größten Anteil hatten britische Fonds. Großbritannien erlebte sein stärkstes Quartal überhaupt und verhalf damit ganz Europa zum Rekord. In 12 von 13 Wochen bis zum 25. September flossen Gelder zu. Eine so stetige Serie gab es seit 2022 nicht mehr.
Laut WGC fiel das zeitlich mit einer steigenden Laufzeitprämie bei britischen Staatsanleihen zusammen. Darin zeigten sich womöglich Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen. Anleger verlangen von London also einen Aufschlag, weil sie dem Schuldenkurs nicht trauen. In Berlin sollte man das genau beobachten. Dort finanziert die Große Koalition ihre Politik mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen, obwohl Friedrich Merz im Wahlkampf versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen.
Asien kauft weiter
Asien war schon das ganze Jahr eine Stütze der Nachfrage und legte im September den dritten Monat in Folge zu. China lag vorn, gestützt durch schwache heimische Aktien und fallende Anleiherenditen. Auch Indien, Japan, Südkorea und Singapur meldeten Zuflüsse. Medienberichten zufolge kaufte Chinas Zentralbank im September zudem 21 Tonnen Gold. Das wäre der größte Monatskauf seit drei Jahren.
Ein Warnsignal am Anleihemarkt
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt deutlich über 5 Prozent. Die Märkte erwarten inzwischen weniger Zinserhöhungen, und zwar nicht nur von der Fed, sondern auch von der Bank of England und der EZB. Bleiben die Renditen trotzdem hoch, schauen Investoren nach Ansicht der WGC-Analysten weniger auf die Leitzinsen und mehr auf tieferliegende Haushaltsrisiken. Das könne die Goldnachfrage weiter stützen.
Ein Unterschied bleibt dabei wichtig: ETF-Anteile sind Wertpapiere. Wer physische Barren oder Münzen besitzt, hält das Metall selbst und ist nicht von einem Fondsanbieter abhängig. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen kann physisches Gold eine sinnvolle Absicherung sein, gerade wenn Staaten immer mehr Schulden machen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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