
Zinswende rückwärts? Fed-Falke Kashkari fordert höhere Zinsen – und entlarvt damit das Inflationsdesaster

Es ist ein bemerkenswertes Eingeständnis, das da aus Minneapolis kommt: Neel Kashkari, Präsident der dortigen Federal Reserve Bank, hält die amerikanische Geldpolitik derzeit schlicht nicht für straff genug. In einem Fernsehinterview am Rande des Aspen Ideas Festival erklärte er, es sei an der Zeit, die Zinsen langsam wieder nach oben zu bewegen. Nicht dramatisch, nicht mit dem Vorschlaghammer – aber eben jetzt, in kleinen Schritten, bevor sich die Inflation endgültig in den Fundamenten der Volkswirtschaft festfrisst.
Drei Abweichler – ein deutliches Signal
Kashkari gehörte bei der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses zu jenen drei Stimmberechtigten, die gegen das Stillhalten votierten und stattdessen eine Anhebung um einen Viertelpunkt forderten. Neun andere sahen das anders, der Leitzins verharrt damit in der Spanne zwischen 3,5 und 3,75 Prozent. Drei Gegenstimmen – das erste Mal überhaupt unter der Ägide des amtierenden Notenbankchefs Kevin Warsh. Wer die Gepflogenheiten des Hauses kennt, weiß: In der Fed sind Dissense so selten wie ausgeglichene Haushalte in Berlin.
„Die Unternehmensgewinne durch die Decke, der Konsument hält sich, der Arbeitsmarkt hält sich" – wo, so fragte Kashkari sinngemäß, sei denn nun der Beweis, dass diese Geldpolitik überhaupt restriktiv wirke?
Die Angst vor der verfestigten Teuerung
Der Kern seines Arguments ist so simpel wie unbequem: Lieber jetzt in Trippelschritten gegensteuern, als später mit brachialer Gewalt eine bereits verankerte Inflationserwartung wieder einfangen zu müssen. Kashkari verwies auf eine Serie von Angebotsschocks, die den Verbraucher unter Druck setzten. Zwar hätten die Juni-Daten eine gewisse Entspannung gezeigt, nachdem sich die Lage im Nahen Osten vorübergehend beruhigt und der Ölpreis nachgegeben habe. Doch wohl fühle er sich damit nicht. Ob im September gehandelt werde, wollte er nicht versprechen – die kommenden Daten seien entscheidend.
Widerspruch kam prompt aus Philadelphia: Dort hält man das aktuelle Zinsniveau für „mild restriktiv" und sieht keinerlei Handlungsbedarf. Für sie sei die Entscheidung zum Abwarten nicht einmal knapp gewesen. Zwei Notenbanker, ein Datensatz, zwei diametrale Schlussfolgerungen – man muss sich fragen, wie viel Wissenschaft in dieser vermeintlichen Wissenschaft eigentlich steckt.
Was das für Sparer bedeutet
Bemerkenswert ist auch, was Kashkari über seinen Chef berichtete. Warsh, der in der Vergangenheit durchaus Sympathien für niedrigere Zinsen erkennen ließ, habe ihm gesagt, er solle tun, was er für richtig halte. Ein löblicher Satz – und doch ändert er nichts an der Grundproblematik: Eine Handvoll Funktionäre entscheidet in geschlossenen Sitzungen über den Preis des Geldes und damit über die Kaufkraft von Hunderten Millionen Menschen. Wer die Notenbanken der westlichen Welt in den vergangenen zwei Jahrzehnten beobachtet hat, weiß, wie zuverlässig deren Prognosen waren.
Für den deutschen Sparer, der ohnehin zwischen kalter Progression, Rekordabgabenlast und einem 500-Milliarden-Schuldenprogramm der Berliner Koalition zerrieben wird, ist die Botschaft aus Übersee unangenehm eindeutig: Die Inflation ist nicht besiegt. Sie ist bestenfalls vertagt. Und jede Zinsdebatte in Washington strahlt über Wechselkurse und Kapitalströme unmittelbar auf Europa aus.
Wer sein Vermögen nicht dem Geschick von Zentralbankausschüssen überlassen möchte, denkt in solchen Phasen traditionell über physische Edelmetalle nach. Gold und Silber kennen keinen Offenmarktausschuss, keine Dissensvoten und keine Sitzungsprotokolle. Sie sind das, was sie seit Jahrtausenden sind – und genau darin liegt ihr Wert als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
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