
Zu schwer fürs Parkdeck: Supermarkt-Kette sperrt E-Autos aus

In Belgien dürfen Fahrer von Elektroautos bei 18 Filialen der Handelskette Carrefour nicht mehr auf das Parkdeck über dem Markt. Sie müssen ebenerdig vor dem Gebäude stehen bleiben. Betroffen sind Medienberichten zufolge vor allem dicht bebaute Standorte im Großraum Brüssel, darunter Kraainem, Auderghem und Evere.
Zwei Argumente – und beide haben es in sich
Die Begründung des Konzerns klingt nüchtern und ist doch politisch hochexplosiv. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber belgischen Medien, die Gebäudestrukturen seien nicht zwingend auf die Zusatzlast dieser neuen Fahrzeuge ausgelegt. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern.
Der zweite Grund: Feuer. Brennende Lithium-Ionen-Batterien lassen sich nur schwer herunterkühlen, oft muss das komplette Fahrzeug in einen wassergefüllten Container getaucht werden. Auf einem Hausdach ist das schlicht unmöglich. Ein Einsatz auf dem Dach sei für die Rettungskräfte schwieriger als am Boden, so der Sprecher laut den Berichten.
Die Statik lügt nicht – die Regel aber schon ein bisschen
Viele dieser Parkdecks stammen aus den 1980er-Jahren, gebaut für Kleinwagen mit knapp 800 Kilogramm. Heute wiegt ein Stromer im europäischen Schnitt zwischen 1.500 und 1.800 Kilo, die Batterie allein bringt je nach Modell 250 bis 600 Kilogramm auf die Waage. Ein neuer Benziner liegt laut den zitierten Daten der französischen Umweltagentur Ademe bei rund 1.150 Kilo.
Nur: Die Regel bestraft die Antriebsart, nicht das Gewicht. Ein Dacia Spring wiegt leer 970 Kilogramm, ein Fiat 500e 1.250, eine Tesla Model 3 mit Heckantrieb 1.772 Kilo. Ein BMW X5 xDrive40d dagegen kommt auf 2.430 Kilogramm – und darf weiter aufs Dach.
Sinngemäß fragte der Chef des Branchenverbands EV Belgium in einem belgischen Autoportal, ob das eigentliche Problem wirklich das Gewicht der Elektroautos sei – oder nicht vielmehr Parkhäuser, die für einen Fahrzeugbestand geplant wurden, den es so längst nicht mehr gebe.
Ein Muster, das sich weltweit wiederholt
Der belgische Fall ist kein Einzelfall, sondern Teil eines internationalen Trends wachsender Vorsicht:
- Seoul untersagte nach einem Großbrand in einer Tiefgarage in Incheon, bei dem rund 140 Autos beschädigt wurden, das Abstellen von E-Fahrzeugen mit mehr als 90 Prozent Ladestand.
- Griechenland verlangt seit 2024 auf Fähren einen maximalen Ladestand von 40 Prozent; eine norwegische Reederei verbannte elektrifizierte Fahrzeuge ganz von ihren Schiffen.
- Der britische Parkhausverband warnte bereits 2022 vor der Statik alter Parkbauten aus den 60er- und 70er-Jahren.
Historisch erinnert das an die 1990er: Damals wurden Autogas-Fahrzeuge aus Tiefgaragen verbannt, bis technische Nachrüstpflichten das Risiko entschärften.
Wenn Politik Technik verordnet, zahlt am Ende der Bürger
Aus Sicht unserer Redaktion legt der Vorgang eine unbequeme Wahrheit offen: Brüssel und Berlin haben den Umstieg auf Batterieautos politisch durchgedrückt – die dazugehörige Infrastruktur aber niemandem bezahlt. Nachrüstungen an den betroffenen Parkdecks sind laut den Berichten bislang nicht geplant.
Für Autofahrer heißt das: erst Kaufanreize, dann Fahrverbote im Kleinformat. Wer heute ein E-Auto besitzt, erlebt, wie schnell aus staatlich gefördertem Fortschritt ein Alltagsproblem werden kann. Eine Technologiewende per Dekret ist eben kein Ersatz für tragfähige Fundamente – im Wortsinn.
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