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Kettner Edelmetalle
14.04.2026
10:07 Uhr

Zurück ins Mittelalter: Öffentlich-rechtlicher Sender feiert Ackergäule als Zukunft der Landwirtschaft

Zurück ins Mittelalter: Öffentlich-rechtlicher Sender feiert Ackergäule als Zukunft der Landwirtschaft

Man reibt sich verwundert die Augen, doch es ist kein Aprilscherz: Der Bayerische Rundfunk widmet in seiner Abendschau einen ernsthaften Beitrag der Frage, ob Pferde angesichts hoher Spritpreise eine „Alternative" zum Traktor in der modernen Landwirtschaft darstellen könnten. Was wie eine Satire aus der Feder eines besonders kreativen Kabarettisten klingt, ist bitterer Ernst – finanziert mit den Zwangsgebühren der deutschen Bürger.

Kaltblüter statt Diesel: Die neue Agrarrevolution?

Im Mittelpunkt des Beitrags steht der Landwirt Christoph Matthias aus dem mittelfränkischen Auernheim, der seinen Wieshof mit dem Kaltblutpferd Brego bewirtschaftet. Das Tier habe er eigens für die Feldarbeit ausgebildet. Die vermeintlichen Vorzüge werden vom BR geradezu euphorisch aufgezählt: kein Lärm, kein Dieselgeruch, kostenloser Dünger – und das Pferd könne sich sogar selbst „reproduzieren". Ein „schönes Arbeiten" sei das, wird der Landwirt zitiert. Man möchte fast meinen, die Redakteure hätten vergessen, dass wir uns im Jahr 2026 befinden und nicht im Jahr 1826.

Dass die Bodenqualität sich nach zwei Jahren Pferdearbeit verbessert habe, mag durchaus stimmen. Doch die entscheidende Frage – nämlich wie ein solcher Betrieb wirtschaftlich überleben kann – wird vom BR mit geradezu fahrlässiger Nonchalance übergangen. Der Hof funktioniere als „solidarische Landwirtschaft" mit rund 60 Mitgliedern, die regelmäßig mithelfen und donnerstags ihren Ernteanteil abholen würden. Es gebe, „was gerade reif ist". Klingt idyllisch. Klingt nach Subsistenzwirtschaft. Klingt nach allem – nur nicht nach einer ernsthaften Alternative für die Ernährung von 84 Millionen Menschen.

Die unbequemen Fragen bleiben ungestellt

Woher kommt das Einkommen der Betreiber? Wie finanziert sich der Hof langfristig? Kann ein Pferd auch nur annähernd die Produktivität eines modernen Traktors erreichen? All diese Fragen werden im Beitrag schlicht nicht beantwortet. Stattdessen schwelgt man in romantischen Bildern von blühenden Wiesen und brummenden Bienen. Der Landwirt plane gemeinsam mit seiner Partnerin, den Betrieb von drei auf zwölf Hektar zu erweitern. „Viel Idealismus und ein langfristiger Plan", heißt es wohlwollend. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher deutscher Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaftet heute rund 63 Hektar – mit Maschinen, die in wenigen Stunden schaffen, wofür ein Pferd Tage bräuchte.

Es ist bezeichnend für den Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland, dass ein solcher Beitrag ohne jede kritische Einordnung gesendet wird. Während deutsche Landwirte unter explodierenden Energiekosten, erdrückender Bürokratie und einer Agrarpolitik ächzen, die ihnen das Wirtschaften zunehmend unmöglich macht, präsentiert der BR als Lösung: das Pferd. Nicht etwa günstigere Energiepreise, nicht die Erschließung heimischer Gasreserven, nicht den Abbau regulatorischer Hürden – nein, den Ackergaul.

Symptom einer tiefgreifenden Realitätsverweigerung

Dieser Beitrag ist mehr als nur eine kuriose Randnotiz. Er ist symptomatisch für eine Geisteshaltung, die in weiten Teilen der öffentlich-rechtlichen Medienlandschaft vorherrscht: die Verklärung vorindustrieller Lebensweisen als vermeintlich nachhaltige Zukunftsvision. Während andere Nationen in Hochtechnologie, Präzisionslandwirtschaft und effiziente Energieversorgung investieren, diskutiert man hierzulande allen Ernstes, ob Pferde den Traktor ersetzen könnten.

Die deutschen Bauern, die das Land seit Generationen ernähren und deren Betriebe unter dem Druck einer ideologiegetriebenen Politik zunehmend in Existenznot geraten, dürften sich bei solchen Beiträgen verhöhnt fühlen. Was sie brauchen, sind keine romantischen Fernsehreportagen über Kaltblüter auf Drei-Hektar-Höfen, sondern eine Politik, die ihre Leistung anerkennt und ihnen die Rahmenbedingungen schafft, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch davon ist man in Berlin – und offenbar auch in den Redaktionsstuben des BR – meilenweit entfernt.

Vielleicht sollte man den Verantwortlichen beim Bayerischen Rundfunk einmal vorrechnen, was es bedeuten würde, die gesamte deutsche Landwirtschaft auf Pferdearbeit umzustellen. Deutschland müsste Millionen von Arbeitspferden züchten, Hunderttausende zusätzliche Arbeitskräfte einsetzen und die Ernteerträge würden auf einen Bruchteil des heutigen Niveaus sinken. Die Lebensmittelpreise würden explodieren, die Versorgungssicherheit wäre dahin. Aber immerhin: kein Dieselgeruch.

Für jeden Bürger, der monatlich seinen Rundfunkbeitrag von 18,36 Euro entrichtet, stellt sich angesichts solcher Beiträge einmal mehr die berechtigte Frage, wofür dieses Geld eigentlich verwendet wird. Für seriösen Journalismus, der die drängenden Probleme unserer Zeit kritisch beleuchtet? Oder für ideologisch gefärbte Wohlfühlreportagen, die den technologischen Rückschritt als erstrebenswertes Zukunftsmodell verkaufen?

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