
Afrikas vergessene Söhne: Wie Ghanaer als Kanonenfutter in den Ukraine-Krieg gelockt werden
Während die westliche Welt gebannt auf Waffenlieferungen, Friedensverhandlungen und geopolitische Schachzüge blickt, offenbart sich eine düstere Schattenseite des Ukraine-Konflikts, die kaum jemand auf dem Radar hat: Mindestens 55 ghanaische Staatsbürger haben in diesem Krieg ihr Leben verloren. Zwei weitere befinden sich in Kriegsgefangenschaft. Was klingt wie eine Randnotiz, ist in Wahrheit ein Skandal von erschütterndem Ausmaß.
Ghanas Außenminister schlägt Alarm
Es war der ghanaische Außenminister Samuel Okudzeto Ablakwa, der diese „deprimierenden und beängstigenden" Zahlen bei einem Besuch in Kiew öffentlich machte. Die Informationen seien ihm bei Gesprächen mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha übermittelt worden. Damit handelt es sich um die höchste offiziell bestätigte Opferzahl eines einzelnen afrikanischen Landes in diesem Konflikt. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: 55 Tote aus einem Land, das mit diesem Krieg rein gar nichts zu tun hat.
Ablakwa fand deutliche Worte. „Das sind nicht bloße Statistiken; es sind viel zu früh beendete Leben von Ghanaern und zerstörte Familien", schrieb er in den sozialen Medien. Ghana könne nicht wegschauen, wenn seine jungen Menschen als „menschliche Schutzschilde in einem Konflikt benutzt werden, der Ghana nichts angeht". Selten hat ein afrikanischer Politiker die zynische Realität moderner Stellvertreterkriege so unverblümt benannt.
Falsche Jobangebote als tödliche Falle
Doch wie gelangen junge Ghanaer überhaupt an die Front eines europäischen Krieges? Ukrainische Geheimdienstinformationen deuten darauf hin, dass seit 2022 rund 272 Ghanaer in den Krieg gelockt wurden – wohlgemerkt: gelockt, nicht freiwillig entsandt. Die Methoden der Rekrutierungsnetzwerke sind dabei so perfide wie vorhersehbar. Mehrfach gab es Berichte über falsche Jobangebote, mit denen junge Afrikaner unter Vorspiegelung falscher Tatsachen angeworben wurden. Wer in einem Land ohne nennenswerte wirtschaftliche Perspektiven lebt, wird zum leichten Opfer solcher Machenschaften.
Das Problem beschränkt sich keineswegs auf Ghana. Der ukrainische Außenminister erklärte, dass insgesamt mehr als 1.700 Menschen aus 36 afrikanischen Ländern unter ähnlichen Umständen rekrutiert worden seien, um auf russischer Seite zu kämpfen. Nigeria warnte kürzlich vor der Rekrutierung seiner Staatsbürger für Militäreinsätze im Ausland, Kenia sprach eine ähnliche Warnung aus. Südafrika meldete, dass mehrere seiner Bürger nach einem verzweifelten Hilferuf von der Front inzwischen auf dem Heimweg seien. Aus Kamerun berichten lokale Medien sogar von 94 getöteten Staatsbürgern – eine Zahl, die von den dortigen Behörden allerdings noch nicht offiziell bestätigt wurde.
Ein Kontinent wird ausgebeutet – und Europa schweigt
Was sich hier abzeichnet, ist nichts weniger als die systematische Ausbeutung afrikanischer Jugendlicher für einen Krieg, der nicht der ihre ist. Während europäische Regierungen Milliarden in Waffenlieferungen pumpen und sich in moralischer Überlegenheit sonnen, werden auf dem afrikanischen Kontinent junge Männer mit leeren Versprechen in den Tod geschickt. Wo bleibt der Aufschrei der internationalen Gemeinschaft? Wo bleiben die Sanktionen gegen jene, die diese menschenverachtenden Rekrutierungsnetzwerke betreiben?
Ghanas Außenminister hat immerhin ein härteres Vorgehen angekündigt. Die Regierung werde die Aufklärung der Bevölkerung verstärken und entschlossen gegen die Netzwerke vorgehen. „Wir sind entschlossen, jedes illegale Rekrutierungssystem, das in unserem Zuständigkeitsbereich aktiv ist, aufzuspüren und zu zerschlagen, einschließlich derer im Darknet", erklärte Ablakwa. Ob diese Ankündigung mehr ist als politische Rhetorik, wird sich zeigen müssen.
Der Ukraine-Krieg fordert Opfer weit über Europas Grenzen hinaus
Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass der Ukraine-Krieg längst keine rein europäische Angelegenheit mehr ist. Seine Tentakel reichen bis in die ärmsten Regionen Afrikas, wo Hoffnungslosigkeit und wirtschaftliche Not den perfekten Nährboden für skrupellose Menschenhändler bilden. Es ist eine bittere Ironie: Dieselben westlichen Nationen, die sich als Verteidiger der Menschenrechte inszenieren, schauen tatenlos zu, wie afrikanische Jugendliche als Kanonenfutter verheizt werden.
Für Deutschland sollte diese Entwicklung ein weiterer Weckruf sein. Statt immer neue Milliardenpakete für die Ukraine zu schnüren und dabei die eigene Infrastruktur verfallen zu lassen, wäre es an der Zeit, auf eine diplomatische Lösung dieses Konflikts zu drängen. Jeder Tag, den dieser Krieg andauert, kostet nicht nur ukrainische und russische Leben – er verschlingt auch die Zukunft junger Afrikaner, die nichts weiter wollten als ein besseres Leben.
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