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Kettner Edelmetalle
07.02.2026
08:07 Uhr

Akademische Schmierenkomödie: Wie eine Berliner Privathochschule mit Politikern Etikettenschwindel betreibt

Es ist ein Schauspiel, das man sich nicht ausdenken könnte: Ein Ministerpräsident, dem soeben der Doktortitel wegen Plagiaten aberkannt wurde, prangt weiterhin stolz auf der Webseite einer Berliner Privathochschule als Teil des sogenannten „Professoriums". Die Quadriga Hochschule Berlin, gegründet von zwei PR-Unternehmern, scheint ein besonderes Faible für politische Würdenträger zu haben – und diese wiederum für die akademischen Titel, die ihnen dort so großzügig verliehen werden.

Der Fall Voigt: Vom Teilzeitprofessor zum Vollzeitproblem

Mario Voigt, der thüringische CDU-Ministerpräsident, erhielt 2017 den klangvollen Titel „Professor für Digitale Transformation und Politik" an der Quadriga Hochschule. Ein akademischer Nebenjob, der ihm zwischen 1.000 und 3.500 Euro monatlich einbrachte – wohlgemerkt zusätzlich zu seinem Abgeordnetengehalt. Hauptberuflich blieb er nämlich Landtagsabgeordneter in Erfurt, wo er offenbar genügend Zeit fand, seine politische Karriere bis ins höchste Landesamt voranzutreiben.

Dass die Technische Universität Chemnitz ihm nun wegen Plagiaten in seiner Dissertation den Doktortitel aberkannt hat, wirft ein bezeichnendes Licht auf die akademischen Standards, die in gewissen Kreisen offenbar als verhandelbar gelten. Die Hochschule reagierte prompt – zumindest kosmetisch: Das „Prof. Dr." vor Voigts Namen wurde entfernt. Doch sein Konterfei ziert nach wie vor die Galerie der Professoren auf der Hochschulwebseite.

Beurlaubt, aber nicht vergessen

Besonders pikant erscheint der Umstand, dass der Hinweis auf Voigts Beurlaubung erst im Zuge der Plagiatsaffäre auf der Webseite ergänzt wurde. Jahrelang präsentierte sich die Hochschule also mit einem Professor, der längst nicht mehr lehrte. Man fragt sich unweigerlich: Geht es hier um akademische Exzellenz oder schlicht um politische Dekoration?

Die Quadriga Hochschule selbst verteidigt ihren ehemaligen Dozenten mit den Worten, er sei „ein von den Studierenden geschätzter und bestens bewerteter Hochschullehrer" gewesen. Eine Anfrage zu seinen konkreten Lehrveranstaltungen blieb bezeichnenderweise unbeantwortet.

Kein Einzelfall: Auch Ministerin Sinemus im „Professorium"

Voigt ist keineswegs der einzige Politiker, der sich mit einem Quadriga-Professorentitel schmückt. Auch die hessische Digitalministerin Kristina Sinemus, ebenfalls CDU, wird auf der Hochschulwebseite als „Professorin für Public Affairs & politische Kommunikation" geführt. Seit 2019 ist sie Ministerin – und auch bei ihr fehlte bis vor kurzem jeder Hinweis darauf, dass ihre Professur ruht.

Es entsteht der Eindruck eines wechselseitigen Arrangements: Die Politiker erhalten akademische Weihen, die Hochschule darf sich mit prominenten Namen schmücken. Ein Geschäft, bei dem beide Seiten profitieren – nur die akademische Redlichkeit bleibt auf der Strecke.

Wissenschaftsrat mahnte bereits 2020

Der Wissenschaftsrat, der bei der staatlichen Anerkennung privater Hochschulen eine entscheidende Rolle spielt, hatte bereits 2020 Bedenken geäußert. Die Anforderung, dass mehr als die Hälfte der Professuren von Vollzeitkräften besetzt sein solle, werde „derzeit knapp erfüllt", hieß es damals. Die Empfehlung: mehr Vollzeitprofessoren einstellen. Stattdessen scheint man in Berlin lieber auf politische Teilzeitkräfte zu setzen.

Ein Symptom des Verfalls akademischer Standards

Was dieser Fall offenbart, ist weit mehr als eine Provinzposse aus der Berliner Hochschullandschaft. Er ist symptomatisch für einen schleichenden Verfall akademischer Standards in Deutschland. Wenn Professorentitel zu Visitenkarten-Accessoires für Politiker degradiert werden, wenn Plagiate in Doktorarbeiten erst nach Jahren auffliegen und selbst dann kaum Konsequenzen haben – dann muss man sich fragen, was akademische Titel in diesem Land überhaupt noch wert sind.

Die Studierenden, die sich an seriösen Universitäten jahrelang für ihre Abschlüsse abrackern, können nur mit Kopfschütteln zusehen, wie andernorts Titel verteilt werden wie Orden im Karneval. Und die Bürger, die von ihren politischen Führern Integrität und Vorbildfunktion erwarten dürfen, werden einmal mehr enttäuscht.

„Er hat mit uns abgestimmt, dass er seine Titel vorerst nicht trägt."

So lautet das dürre Statement der Quadriga Hochschule. „Vorerst" – ein Wort, das Bände spricht. Als sei der Entzug eines Doktortitels wegen wissenschaftlichen Betrugs nur eine vorübergehende Unannehmlichkeit, die man aussitzen könne wie einen lästigen Regenschauer.

Die CDU und ihre Tradition der akademischen Skandale

Von Karl-Theodor zu Guttenberg über Annette Schavan bis hin zu Mario Voigt – die Liste der CDU-Politiker, die über ihre Doktorarbeiten gestolpert sind, wird immer länger. Man könnte fast meinen, das Abschreiben gehöre zum Ausbildungsprogramm der Partei. Während normale Bürger für weit geringere Vergehen ihre berufliche Existenz verlieren würden, scheinen für die politische Klasse andere Regeln zu gelten.

Es ist höchste Zeit, dass akademische Titel wieder das bedeuten, wofür sie einst standen: den Nachweis echter wissenschaftlicher Leistung und intellektueller Redlichkeit. Solange Privathochschulen als Titelmühlen für ambitionierte Politiker fungieren können, wird der Ruf des deutschen Wissenschaftsstandorts weiter leiden.

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