
Angriff auf den Banken-Club: ICE bringt Gold-Futures nach London!

Der US-Börsenbetreiber Intercontinental Exchange (ICE) hat in dieser Woche neue Gold-Futures in London gestartet. Die täglich laufenden Kontrakte über 100 Unzen sollen Bewegung in den größten Edelmetallmarkt der Welt bringen, den bisher eine Handvoll Großbanken unter sich ausmacht. Dazu kommen Tages-Futures auf Silber, Platin und Palladium.
Das Timing könnte kaum spannender sein. Gold kostete am Terminmarkt zuletzt rund 4.713 US-Dollar je Unze, ein Plus von fast vier Prozent an einem einzigen Tag. Silber legte um mehr als sieben Prozent auf gut 75 Dollar zu.
Ein Markt, der hinter verschlossenen Türen läuft
London ist das Herz des globalen Goldhandels. Laut Medienberichten werden dort täglich außerbörsliche Goldgeschäfte im Wert von fast 190 Milliarden Dollar abgewickelt. In den Tresoren der Stadt lagert Metall für rund 1,4 Billionen Dollar.
Der Handel läuft aber kaum über eine Börse. Er findet vor allem zwischen Banken und Brokern statt, als Spotgeschäft oder über bilaterale Terminverträge. Zu den dominierenden Akteuren zählen JPMorgan Chase und HSBC. Kritiker bemängeln seit Jahren, das System sei wenig transparent und für Neueinsteiger nur schwer zugänglich. Ganz anders sieht es in New York und Shanghai aus: Dort sind börsengehandelte Gold-Futures seit Langem etabliert.
So funktionieren die neuen Kontrakte
Die ICE-Futures orientieren sich an den großen 100-Unzen-Barren, auf denen der Londoner Spothandel aufbaut. Wie berichtet wird, beziehen sie sich preislich auf die täglichen Londoner Auktionen. Diese Auktionen legt ICE selbst fest, und dort entsteht der weltweit beachtete Referenzpreis für Gold. Die Laufzeiten reichen von einem Tag bis zu sechs Monaten. Abgerechnet wird über den Londoner Clearing-Arm des Konzerns.
Ein Manager von ICE Futures Europe sagte laut Medienberichten, Derivatemärkte seien grundsätzlich dazu da, den physischen Markt zu stützen. Dieser Satz verdient Beachtung, denn am Ende hängt jeder Terminkontrakt an echtem Metall.
Ein Friedhof gescheiterter Versuche
Ob der Vorstoß diesmal klappt? Die Geschichte macht wenig Hoffnung:
- Mitte der 1980er-Jahre: Der London Gold Futures Market setzte sich nicht durch.
- 2016: ICE startete schon einmal passende Futures. Sie blieben ohne nennenswerte Resonanz.
- 2017: Die London Metal Exchange brachte Goldkontrakte an den Start, unterstützt unter anderem von Goldman Sachs und Société Générale. Nach einem starken Beginn sanken die Umsätze stetig. 2022 war Schluss.
- 2020: Auch ein CME-Kontrakt für Londoner 100-Unzen-Barren konnte sich nicht etablieren.
Seit 2022 hat London keinen eigenen Gold-Future mehr. Dabei hatte der Branchenverband LBMA Medienberichten zufolge erst im vergangenen Jahr gefordert, den Terminhandel nach Großbritannien zurückzuholen.
Warum gerade jetzt?
Der Druck wächst. Nach den Zollankündigungen aus Washington im April 2025 entwickelten sich die Preise in New York und London zeitweise deutlich auseinander. Die New Yorker Futures notierten über dem Londoner Spotpreis. Damit wurde für alle sichtbar, wie empfindlich die Verbindung zwischen Papier- und Barrenmarkt ist.
Gleichzeitig baut der Rivale CME seine Stellung aus. Seine New Yorker Gold-Futures kamen im ersten Halbjahr berichtsgemäß auf rund 125 Milliarden Dollar Tagesumsatz. Seit Juli lassen sich kleinere Kontrakte dort sogar rund um die Uhr handeln.
Unser Fazit: Papier ist geduldig, Barren nicht
Mehr Wettbewerb und mehr Transparenz in einem Markt, den wenige Großbanken prägen, wären grundsätzlich zu begrüßen. Eines zeigt der Wettlauf der Börsen aber auch: Terminkontrakte sind Versprechen auf Gold, kein Gold. Wer sein Vermögen gegen Inflation, Schuldenberge und geopolitische Schocks absichern will, setzt besser auf das, was man tatsächlich in der Hand hält. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio eine sinnvolle Ergänzung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.

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