
Angriff auf Journalisten: Nietzard relativiert – und will Gratis-Kaffee

Jette Nietzard, bis Oktober 2025 Vorsitzende der Grünen Jugend, hat sich in einem Podcast-Auftritt zu den gewaltsamen Angriffen auf Journalisten am Rande des AfD-Bundesparteitags in Erfurt geäußert. Ihre Reaktion auf die Prügelattacke: „Naja Aktivisten wurden da auch zusammengetreten von Menschen in Uniform“. Die Aussage fiel im Gespräch mit dem Podcast „based“.
Was in Erfurt wirklich geschah
Rückblick: Am ersten Juli-Wochenende 2026 tagte die AfD in Erfurt, mehr als 40.000 Menschen demonstrierten dagegen. Am Rande der Proteste wurden nach Polizeiangaben drei Reporter des Portals „Apollo News“ in der Nähe des Benaryplatzes von mehreren Personen bedrängt, beleidigt sowie durch Schläge und Tritte verletzt.
Die Thüringer Polizei ermittelt Medienberichten zufolge in 74 Fällen von Straftaten rund um das Wochenende, gegen insgesamt 35 Beschuldigte. Ein 21-Jähriger sei als mutmaßlicher Beteiligter an dem Angriff auf die drei Reporter identifiziert worden. In einem weiteren Fall soll ein Pressevertreter geschlagen und ihm das Mobiltelefon geraubt worden sein. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
„Wer vom Staat geschützt wird – und wer nicht“
Auf Nachfrage schob Nietzard nach, sie wisse nicht genau, was in Erfurt passiert sei, hoffe aber, dass Menschen im Justizsystem die passende Strafe erhielten. Dann folgte der Satz, an dem sich Kritiker reiben: „Gerade sehen wir aber auch, wer vom Staat geschützt wird, und wer nicht“.
„Naja Aktivisten wurden da auch zusammengetreten von Menschen in Uniform“
Aus Sicht unserer Redaktion ist das eine bemerkenswerte Konstruktion: Ein Angriff auf Journalisten wird gedanklich neben Polizeieinsätze gestellt – als ließen sich Straftaten miteinander verrechnen. Presserechtlich und strafrechtlich gilt das Gegenteil. Pressefreiheit ist kein Rabattheft, das nur bei politisch genehmen Redaktionen eingelöst wird. Bemerkenswert auch: Selbst zahlreiche linke und öffentlich-rechtliche Medien betonten nach den Vorfällen, dass Pressefreiheit ausdrücklich auch für rechte Publikationen gelte.
Widerstand nach Artikel 20 – und die Frage nach der Waffe
Im weiteren Gespräch bekräftigte Nietzard ihren Kampf gegen einen aus ihrer Sicht wachsenden „Faschismus“. Für den Fall einer Regierungsübernahme der AfD habe sie bereits früher „laut darüber nachgedacht“, ob Widerstand nach Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz nötig sei.
Auf die Frage des Interviewers, wann man denn konkret „zur Waffe“ greifen müsse, antwortete sie ausweichend: „Das weiß ich nicht“. Man müsse aber Antworten finden – sonst stehe man „am Ende wieder da wie 1933“. Ein Vergleich, der die aktuelle Bundesrepublik mit dem Ende der Weimarer Republik gleichsetzt und damit den Rechtsstaat, in dem Nietzard sich frei äußern kann, erstaunlich klein macht.
Frühstück in der U-Bahn gegen Rechtsextremismus
Und dann kam der Vorschlag, der in den sozialen Netzwerken für Spott sorgte: Der Staat solle kostenloses Frühstück in der U-Bahn ausgeben. „Was für Promo wäre es für Deutschland, wenn einfach jeder morgens in der U-Bahn einen Kaffee kriegen würde“, so Nietzard. Ihre Prognose: „Ich sag euch, dann hat die AfD keine Stimme mehr“.
Wer bezahlt den Gratis-Kaffee? Die Antwort blieb offen. Nietzard war im Oktober 2025 nicht erneut für den Vorsitz der Grünen Jugend angetreten; Funktionäre aus mehreren Landesverbänden hatten ihr laut Medienberichten Machtmissbrauch vorgeworfen.

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