
Asphalt-Schock: Iran-Krieg lässt deutsche Straßenbaukosten explodieren

Was passiert, wenn geopolitische Konflikte auf eine ohnehin am Boden liegende Branche treffen? Man bekommt einen perfekten Sturm – und genau dieser fegt gerade über den deutschen Straßenbau hinweg. Die militärische Eskalation im Iran hat die globalen Ölpreise auf ein Vier-Jahres-Hoch katapultiert, und die Schockwellen erreichen nun mit voller Wucht die deutschen Baustellen.
Bitumen – der stille Kostentreiber
Seit den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran Ende Februar sind die Rohölpreise massiv gestiegen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte zeitweise auf rund 115 Dollar – ein Plus von mehr als zehn Prozent. Doch es ist nicht nur der Sprit an der Tankstelle, der den Bürgern das Portemonnaie leert. Das Kohlenwasserstoff-Gemisch Bitumen, unverzichtbarer Grundstoff für jeden Quadratmeter Asphalt in diesem Land, wird ebenfalls drastisch teurer.
Marco Bokies, Geschäftsführer des Deutschen Asphaltverbandes, schlug bereits Alarm: Die ersten Raffinerien hätten die Bitumenpreise für Bauunternehmen um satte 20 Prozent angehoben – und das dürfte erst der Anfang sein. Bitumen mache zwar mengenmäßig nur einen kleinen Teil des Asphalts aus, sei jedoch dessen teuerster Bestandteil. Rund die Hälfte des Asphaltpreises entfalle auf dieses Ölprodukt. Eine Verteuerung von Bitumen um 20 Prozent bedeute folglich einen Anstieg der Asphaltkosten um etwa zehn Prozent. Klingt nach wenig? Im Straßenbau, wo die Materialkosten rund ein Viertel der Gesamtkosten ausmachen, summiert sich das zu gewaltigen Beträgen.
Eine Branche, die bereits auf den Knien liegt
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Die deutsche Baubranche ringt seit Jahren um neue Aufträge. Nachdem die Bundesregierung im vergangenen Sommer über den Haushalt gestritten hatte, stoppte die Autobahn GmbH sämtliche Ausschreibungen. Das Ergebnis war verheerend: 2025 wurden so wenige Straßen gebaut wie vor der Wiedervereinigung 1989. Ein beschämendes Zeugnis für ein Land, das einst für seine Infrastruktur weltweit bewundert wurde.
Eigentlich sollte das viel beschworene 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur Linderung bringen. Doch was nützen Milliarden auf dem Papier, wenn die Realität der Weltpolitik jeden Kostenplan zur Makulatur macht? Friedrich Merz hatte den Deutschen versprochen, mit diesem gigantischen Schuldenpaket – das letztlich nichts anderes ist als eine Hypothek auf die Zukunft kommender Generationen – die marode Infrastruktur zu sanieren. Nun droht der Iran-Krieg, diese ohnehin fragwürdige Rechnung endgültig zunichtezumachen.
Bauverbände fordern Preisgleitklauseln
Die Bauverbände bringen sich bereits in Stellung. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, forderte eine Anpassung der Verträge. Die Unternehmen könnten die wirtschaftlichen Risiken internationaler Konflikte nicht alleine tragen. Neben den Bitumen-Mehrkosten müssten auch die gestiegenen Dieselkosten berücksichtigt werden. Müller hoffe beim Bundesverkehrsministerium auf die Bereitschaft, bewährte Instrumente wieder einzuführen – ähnlich wie zu Zeiten der Corona-Pandemie und nach Beginn des Ukraine-Kriegs, als Preisklauseln an die variierenden Erzeugerpreise der Rohstoffe gekoppelt wurden.
Die Straße von Hormus – Nadelöhr der Weltwirtschaft
Die Ursache der Preisexplosion liegt tausende Kilometer entfernt, doch ihre Wirkung ist unmittelbar spürbar. Die iranischen Revolutionsgarden haben die Straße von Hormus gesperrt – jene Meerenge, durch die normalerweise rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls transportiert werden. Darüber hinaus habe der Iran Öl- und Gasanlagen in Katar, Saudi-Arabien und Kuwait angegriffen. Auch der europäische Gasmarkt geriet massiv unter Druck: Der Referenzindex TTF legte zeitweise um 35 Prozent zu.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte ein Moratorium für Angriffe auf zivile Infrastrukturen, insbesondere im Energiebereich. Eine Entspannung der Lage sei derzeit nicht absehbar. Und genau das ist das eigentliche Problem: Deutschland hat sich über Jahrzehnte in eine fatale Energieabhängigkeit manövriert, die das Land bei jeder geopolitischen Krise verwundbar macht. Wer seine Energieversorgung ideologiegetrieben umbaut, Kernkraftwerke abschaltet und sich gleichzeitig von fossilen Importen abhängig macht, der darf sich nicht wundern, wenn ein Krieg am Persischen Golf die heimischen Straßenbauprojekte lahmlegt.
Klarheit erst im April
Wie stark die Preise für den Straßenbau letztlich steigen werden, ist bislang nicht absehbar. Klarheit soll der Erzeugerpreisindex bringen, den das Statistische Bundesamt Anfang April veröffentlicht. Im Januar – also noch vor dem Angriff auf den Iran – lag der Index für Bitumen auf dem Niveau von 2021 und damit deutlich unter dem Durchschnittswert für 2025. Diese Zeiten dürften endgültig vorbei sein.
Die Lage offenbart einmal mehr die strukturelle Schwäche der deutschen Wirtschaftspolitik. Statt in Zeiten relativer Stabilität Reserven aufzubauen und die Infrastruktur konsequent zu modernisieren, wurde jahrelang Geld in ideologische Projekte gepumpt. Nun, da die geopolitische Realität mit voller Wucht zuschlägt, fehlen die Puffer. Der deutsche Bürger wird die Zeche zahlen – an der Tankstelle, bei den Heizkosten und künftig auch auf jeder Straße, die in diesem Land noch gebaut oder saniert wird. Wenn sie denn überhaupt noch gebaut wird.
In Zeiten derartiger geopolitischer Unsicherheiten und explodierender Rohstoffpreise zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Instrument der Vermögenssicherung. Gold und Silber haben sich historisch in Krisenzeiten als verlässlicher Wertspeicher bewährt und können als sinnvolle Beimischung eines breit gestreuten Anlageportfolios dienen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Informationen entstehen, übernehmen wir keine Haftung.

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