
Bank of America muss sich vor Gericht für Epstein-Verbindungen verantworten
Ein US-Bundesrichter hat entschieden, dass die zweitgrößte amerikanische Bank nicht so einfach davonkommen wird. Die Bank of America muss sich nun einer Sammelklage stellen, die ihr vorwirft, wissentlich vom Sexhandel des verstorbenen Finanziers Jeffrey Epstein profitiert zu haben. Ein Urteil, das aufhorchen lässt – und einmal mehr die Frage aufwirft, wie tief die Verstrickungen der Finanzwelt in einen der größten Skandale der jüngeren Geschichte reichen.
Richter lässt zentrale Anklagepunkte zu
Der zuständige Richter Jed Rakoff am Bezirksgericht Manhattan entschied am Donnerstag, dass die Opfer Epsteins zwei wesentliche Klagepunkte gegen die Bank of America weiterverfolgen dürfen. Zum einen wird der Bank vorgeworfen, wissentlich von Epsteins Menschenhandel profitiert zu haben. Zum anderen soll sie die Durchsetzung des bundesweiten Gesetzes zum Schutz von Opfern des Menschenhandels behindert haben.
Vier weitere Anklagepunkte wurden hingegen abgewiesen – darunter der Vorwurf der direkten Beteiligung am Sexhandel sowie der fahrlässigen Unterlassung von Schutzmaßnahmen für die Opfer. Dennoch: Der Prozess gegen die Bank of America ist für den 11. Mai angesetzt. Die Großbank erklärte zwar, erfreut über die Einschränkung des Verfahrens zu sein, betonte aber gleichzeitig, man freue sich auf eine "vollständige Überprüfung der Fakten".
Bank of New York Mellon kommt glimpflicher davon
Anders erging es der Bank of New York Mellon, der weltweit größten Depotbank. Richter Rakoff wies sämtliche sechs Klagepunkte gegen das Institut ab. Die Bank zeigte sich erwartungsgemäß erleichtert und betonte, die Entscheidung bestätige, dass BNY "keinerlei Beteiligung an Epsteins Verbrechen" gehabt habe. Die Klägerin, eine unter dem Pseudonym "Jane Doe" auftretende Frau aus Florida, kündigte jedoch bereits an, gegen diese Entscheidung Berufung einzulegen.
Profit vor Opferschutz?
Die Vorwürfe wiegen schwer. Die Klage behauptet, beide Banken hätten trotz weitreichender Kenntnis von Epsteins Vergehen bis zu dessen Verhaftung im Juli 2019 Geschäfte mit ihm gemacht – weil ihnen das Geldverdienen wichtiger gewesen sei als der Schutz der Opfer. Ein Vorwurf, der das moralische Fundament der Finanzbranche erschüttert.
Die Klageschrift gegen die Bank of America enthält bereits öffentlich bekannte Anschuldigungen über Epsteins geschäftliche Verbindungen zu prominenten Persönlichkeiten. Im Fall der BNY wurde behauptet, die Bank habe Überweisungen in Höhe von Hunderten Millionen Dollar für Epstein abgewickelt. Beiden Instituten wird zudem vorgeworfen, verdächtige Aktivitäten nicht rechtzeitig an das US-Finanzministerium gemeldet zu haben.
Millionenschwere Vergleiche als Präzedenzfälle
Der aktuelle Fall reiht sich in eine Serie von Rechtsstreitigkeiten ein, die das Erbe des Epstein-Skandals weiterhin prägen. Bereits 2023 einigten sich JPMorgan Chase auf einen Vergleich von 290 Millionen Dollar und die Deutsche Bank auf 75 Millionen Dollar – beides ohne Schuldeingeständnis. Richter Rakoff genehmigte beide Vereinbarungen.
Jeffrey Epstein starb im August 2019 in einer Gefängniszelle in Manhattan, während er auf seinen Prozess wegen Sexhandels wartete. Der Gerichtsmediziner stufte den Tod als Selbstmord ein – eine Einschätzung, die bis heute von vielen angezweifelt wird.
Ein System unter der Lupe
Was dieser Fall einmal mehr offenbart, ist die beunruhigende Frage, wie lange Finanzinstitute wegschauen können, wenn es um zwielichtige Kunden geht. Die Gier nach Profit scheint in manchen Fällen jegliche ethische Bedenken zu überwiegen. Dass nun eine der größten Banken der Welt vor Gericht Rede und Antwort stehen muss, könnte ein wichtiges Signal sein – nicht nur für die Opfer, sondern für das gesamte Finanzsystem.
Der Prozess im Mai wird zeigen, ob die Bank of America tatsächlich wissentlich von Epsteins Verbrechen profitiert hat. Eines steht jedoch fest: Die Schatten des Epstein-Skandals reichen weit – und sie werden so schnell nicht verschwinden.

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