
Bank of America warnt: Rutscht Gold jetzt unter 4.000 Dollar?

Die US-Großbank Bank of America (BofA) tritt beim Gold auf die Bremse. Ihre Rohstoffanalysten erwarten in einer am Montag veröffentlichten Studie, dass sich der Goldpreis in den kommenden drei Monaten nicht über der Marke von 4.000 Dollar je Unze halten kann. Langfristig sehen die Experten das Edelmetall aber deutlich höher. Dafür müssten allerdings einige Bedingungen erfüllt sein.
Die Zahlen hinter der Warnung
Für das vierte Quartal 2026 rechnet die Bank mit einem Durchschnittspreis von 4.000 Dollar. Schon Anfang Oktober hatten die Analysten ein mögliches Tief bei 3.750 Dollar genannt. Als Grund führten sie die hohen Energiepreise an, die die Inflationsangst weiter schüren würden.
Für 2027 rechnet dieselbe Bank dagegen mit einem Durchschnitt von 4.813 Dollar. Zuletzt kostete die Unze am Spotmarkt 4.168,90 Dollar, ein Minus von 0,59 Prozent. Gold hat ein wildes Jahr hinter sich: Medienberichten zufolge kletterte es im Januar auf ein Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar und stürzte danach um rund 30 Prozent ab. Zuletzt drückten hohe US-Anleiherenditen und ein Dollar nahe seinem 18-Monats-Hoch auf den Preis.
Sind ETF-Käufer ein Risiko?
Erstaunlich ist, wie BofA die Nachfrage nach Gold-ETFs bewertet. Sie war in den vergangenen zwei Monaten positiv, doch die Analysten sehen darin eher eine Gefahr. Sollten die Preise schwach bleiben, könnten diese Anleger ihre Positionen auflösen und den Verkaufsdruck noch verstärken. Papiergold ist eben kein Fundament.
Für schwerer hält die Bank die Schwäche am physischen Markt. Nach ihren Daten hätten Zentralbanken, China und Indien ihre Goldkäufe insgesamt zurückgefahren. Das erkläre einen guten Teil des jüngsten Gegenwinds.
Ein Widerspruch aus Peking
Ganz so eindeutig ist das Bild allerdings nicht. Laut Branchenberichten hat Chinas Zentralbank allein im September 21 Tonnen Gold gekauft, so viel wie seit drei Jahren in keinem Monat. Wer hier eine Kaufflaute erkennt, muss schon genau hinsehen.
Notenbanken: Vom Fels in der Brandung zum Wackelkandidaten?
Noch heikler ist eine andere These der Analysten. Die Zentralbanken haben den Goldmarkt jahrelang gestützt. Bis Jahresende könnten sie nach Ansicht von BofA zur Belastung werden. Weil sich der Nahost-Konflikt erneut zuspitze, bestehe das Risiko, dass einige Notenbanken wieder Gold verkaufen. Die Bank betont dabei, dass rund 90 Prozent des Wertzuwachses der Bestände auf gestiegene Preise zurückgingen und nicht auf echte Zukäufe.
Was Gold jetzt für die Wende braucht
Den Schlüssel sieht die Bank bei der US-Notenbank Fed. Gold sei zusammen mit den Aktien gestiegen, solange niemand steigende Zinsen fürchtete. Sobald die Fed auf einen harten Kurs umschwenkte, die Inflation anzog und der Dollar zulegte, sei das Metall unter Druck geraten. Einen Boden erwarten die Analysten erst, wenn die Sorgen um Inflation und den Iran-Krieg nachlassen, der Dollar nicht weiter steigt und die Fed ihre Zinserhöhungen beendet.
Noch stärker wäre aus Sicht von BofA ein anderer Auslöser: die Angst vor einer Entwertung des Dollar. Das Defizit im US-Haushalt allein habe Gold bisher selten beflügelt. Ein Szenario aber hält die Bank für brisant:
Würde das US-Finanzministerium am Anleihemarkt eingreifen, dies über kurzfristige Schulden finanzieren und die Fed die kurzfristigen Zinsen niedrig halten, würde das aller Wahrscheinlichkeit nach die Sorgen über eine Entwertung des Dollar neu entfachen – ein sehr bullishes Szenario für Gold. (sinngemäß übersetzt)
Finanzielle Repression: Die stille Enteignung der Sparer
Hinter dem sperrigen Begriff „finanzielle Repression“ steckt eine einfache Idee. Der Staat drückt die Zinsen unter die Inflationsrate und baut so seine Schulden auf Kosten der Sparer ab. Sparbuch und Lebensversicherung verlieren dabei leise an Wert. Gold kann keine Notenbank nach Belieben vermehren.
Auch Deutschland kennt das Problem. Die Merz-Regierung hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro auf den Weg gebracht, obwohl im Wahlkampf Haushaltsdisziplin versprochen worden war. Kritiker warnen, dass künftige Generationen diese Schulden über Steuern und Abgaben bezahlen müssen.
Kurzfristige Prognosen von Großbanken haben sich oft als bloße Momentaufnahme erwiesen. Wer langfristig denkt, findet in physischem Gold und Silber eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen. Diese Rolle haben die Metalle über Jahrhunderte bewiesen, ganz gleich, wie die nächsten drei Monate verlaufen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte eigene Recherchen anstellen und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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