
Bank of England hält Zinsen hoch – Großbritannien kämpft mit Rekordinflation
Während die Europäische Zentralbank längst auf Lockerungskurs eingeschwenkt ist, stemmt sich die britische Notenbank weiter gegen den Abwärtstrend. Die Bank of England beließ ihren Leitzins am Donnerstag bei stolzen 3,75 Prozent – ein Niveau, das seinesgleichen sucht unter den führenden Industrienationen der Welt.
Eine Entscheidung auf Messers Schneide
Was auf den ersten Blick wie eine klare geldpolitische Linie aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als hochumstrittener Kompromiss. Vier der neun Währungshüter votierten für eine Zinssenkung – nur eine Stimme fehlte zur Mehrheit. Notenbankchef Andrew Bailey setzte sich mit seinem Votum für stabile Zinsen durch, gab sich aber vorsichtig optimistisch: Sollte sich die wirtschaftliche Lage wie erhofft entwickeln, könnte noch in diesem Jahr Spielraum für weitere Lockerungen entstehen.
Die Zerrissenheit im geldpolitischen Rat spiegelt das Dilemma wider, in dem sich Großbritannien befindet. Einerseits drückt die hohe Zinslast auf Wirtschaft und Verbraucher, andererseits galoppiert die Inflation dem Inselstaat davon wie ein scheues Pferd.
Inflationsschock: Großbritannien als Schlusslicht der G7
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit einer Teuerungsrate von 3,4 Prozent im Dezember liegt das Vereinigte Königreich nicht nur weit über dem Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank, sondern auch doppelt so hoch wie die Eurozone. Unter den sieben größten westlichen Industrienationen – zu denen neben Großbritannien auch Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada und die USA gehören – nimmt London damit den unrühmlichen Spitzenplatz ein.
Diese Entwicklung ist ein weiterer Beleg dafür, wie sehr der Brexit und die nachfolgende Wirtschaftspolitik das Land in Schwierigkeiten gebracht haben. Während andere Nationen ihre Inflationsprobleme zunehmend in den Griff bekommen, kämpft Großbritannien weiterhin mit den Folgen gestörter Lieferketten, eines angespannten Arbeitsmarktes und steigender Energiekosten.
Experten uneins über den weiteren Kurs
Die Analysten an den Finanzmärkten rätseln nun, wann die Bank of England den nächsten Schritt wagen wird. Die Ökonomen von Barclays rechnen bereits im März mit einer Zinssenkung, erwarten dann aber einen längeren Stopp bei 3,5 Prozent – aus berechtigter Sorge, die Inflation sonst weiter anzuheizen.
Deutlich optimistischer zeigt sich Paul Dales, Chefökonom für Großbritannien beim Analysehaus Capital Economics. Er prognostiziert, dass sich die Teuerung stärker abschwächen werde als allgemein erwartet. In diesem Szenario könnte die Notenbank ab April gleich dreimal die Zinsen senken – ein Szenario, das angesichts der aktuellen Datenlage allerdings gewagt erscheint.
Der Blick über den Ärmelkanal
Auch die amerikanische Federal Reserve hatte nach drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen zuletzt eine Pause eingelegt. Die Finanzmärkte rechnen jedoch damit, dass die Fed im Laufe des Jahres ihren Lockerungskurs fortsetzen wird. Dies könnte auch der Bank of England zusätzlichen Spielraum verschaffen – vorausgesetzt, die Inflation spielt mit.
Für Anleger, die in diesen turbulenten Zeiten nach Stabilität suchen, bleibt die Erkenntnis: Währungen und Zinspolitik unterliegen politischen Entscheidungen, die sich schnell ändern können. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Wertspeicher erwiesen und können in einem breit gestreuten Portfolio einen wichtigen Beitrag zur Vermögenssicherung leisten – unabhängig davon, welchen Kurs die Notenbanken einschlagen.

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