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Kettner Edelmetalle
15.12.2025
15:10 Uhr

BASF-Standortvereinbarung: Kündigungsschutz bis 2028 – doch zu welchem Preis?

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat sich mit den Arbeitnehmervertretern auf eine neue Standortvereinbarung für das Stammwerk in Ludwigshafen geeinigt. Bis Ende 2028 sollen betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sein. Was auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht für die mehr als 30.000 Beschäftigten klingt, offenbart bei genauerem Hinsehen die tiefgreifende Krise der deutschen Chemieindustrie.

Drei Jahre Sicherheit – mit Hintertür

Die Vereinbarung tritt am 1. Januar 2026 in Kraft und läuft zunächst bis zum 31. Dezember 2028. Eine Verlängerung um weitere zwei Jahre sei möglich, allerdings nur unter einer entscheidenden Bedingung: Die vereinbarten Ziele zur Wiederherstellung der Profitabilität müssen erreicht werden. Der Betriebsrat sprach von einem „harten Ringen" in den monatelangen Verhandlungen. Man darf sich fragen, wie hart die Einschnitte sein werden, die den Beschäftigten im Gegenzug abverlangt werden.

Vorstandsmitglied Katja Scharpwinkel bezeichnete die Vereinbarung als „klares Bekenntnis zum Stammwerk Ludwigshafen". Doch wie viel ist ein solches Bekenntnis wert, wenn gleichzeitig Geschäftsbereiche verkauft werden sollen und das Agrargeschäft 2027 an die Börse gebracht wird? Wenn erstmals seit 2010 die Dividende für Aktionäre gekürzt werden muss?

Milliarden für China – Sparmaßnahmen in Deutschland

Besonders pikant erscheint der Zeitpunkt dieser Vereinbarung vor dem Hintergrund der massiven Investitionen in China. Im kommenden Jahr will BASF dort einen neuen Verbundstandort offiziell eröffnen. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 8,7 Milliarden Euro – und das Projekt liegt sogar unter Budget. Während in Ludwigshafen um jeden Arbeitsplatz gerungen wird, fließen Milliarden in die Volksrepublik.

Zwar kündigte BASF an, jährlich rund zwei Milliarden Euro in den Standort Ludwigshafen zu investieren, um die Infrastruktur zu modernisieren. Doch angesichts der Dimension der China-Investitionen wirkt dies fast wie ein Trostpflaster für den deutschen Standort.

Chemieindustrie in der Dauerkrise

Die Lage der deutschen Chemieindustrie ist alarmierend. Gewerkschafter warnen bereits, dass es Teile der Branche ohne „Notarzt-Management" schlicht nicht mehr geben werde. Die Anlagen seien historisch schlecht ausgelastet, eine Trendwende nicht in Sicht. Die hohen Energiekosten, die überbordende Bürokratie und die ideologisch getriebene Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre haben ihre Spuren hinterlassen.

„Wenn wir ins Jahr 2026 starten, haben wir die Köpfe wieder frei für die großen strukturellen Herausforderungen, an denen wir arbeiten müssen."

Mit diesen Worten kommentierte Betriebsratschef Sinischa Horvat die Einigung. Freie Köpfe werden tatsächlich dringend benötigt – denn die strukturellen Probleme des Industriestandorts Deutschland lassen sich nicht mit Standortvereinbarungen lösen. Es braucht eine grundlegende Kurskorrektur in der Wirtschaftspolitik, niedrigere Energiepreise und weniger bürokratische Fesseln. Ob die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hier die notwendigen Weichen stellt, bleibt abzuwarten.

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