
Beben an der Weser: SPD stürzt in Bremen ab – AfD überholt die Grünen

Bremen galt jahrzehntelang als sichere Bank der Sozialdemokraten. Jetzt bricht auch dieses Bollwerk: Eine aktuelle Umfrage des Instituts INSA sieht die SPD im kleinsten Bundesland bei nur noch 20 Prozent – ein historischer Tiefstwert. Die AfD landet mit 17 Prozent erstmals auf Platz drei und schiebt sich damit vor Grüne und Linke.
Zwei Volksparteien im freien Fall
Auch die CDU hat wenig Grund zum Jubeln. Mit 21 Prozent liegt sie zwar hauchdünn vorn, markiert damit aber selbst einen Tiefstand. Dahinter folgen die Grünen mit 15 und die Linke mit 14 Prozent. Die FDP käme auf vier Prozent – und wäre draußen.
Die Fallhöhe ist gewaltig. Bei der Bürgerschaftswahl 2023 holte die SPD noch fast 30 Prozent, die CDU über 26. Rechnet man die INSA-Zahlen gegen das damalige Ergebnis, verlieren die Sozialdemokraten rund zehn Punkte, die Union gut fünf. Zwei ehemalige Volksparteien, die zusammen kaum noch das schaffen, was die SPD allein einmal war.
Die Partei, die 2023 gar nicht antreten durfte
Besonders bemerkenswert: Die AfD war bei der letzten Bürgerschaftswahl im Land Bremen gar nicht auf dem Stimmzettel – wegen interner Streitigkeiten um konkurrierende Listen. Aus dem Nichts auf 17 Prozent, das ist mehr als ein Achtungserfolg. Gegenüber einer Erhebung des ARD-Instituts Infratest dimap vom März legt die Partei um zwei Punkte zu.
Bremen ist damit kein Sonderfall mehr, sondern Symptom. Wer geglaubt hat, das Phänomen sei auf Ostdeutschland begrenzt, bekommt an der Weser die Quittung für diese Fehleinschätzung.
Bundesweit noch bitterer: 12 Prozent
Die Bremer Zahlen sind kein regionaler Ausrutscher. Bundesweit rutschte die SPD zuletzt bei Ipsos auf 12 Prozent – der schlechteste jemals von diesem Institut gemessene Wert. Erstmals liegt sie damit hinter der Linkspartei.
Union und SPD kämen zusammen auf gerade einmal 33 Prozent. Die Koalition, die im Mai 2025 mit dem Versprechen antrat, Deutschland aus der Krise zu führen, hätte damit keine Mehrheit mehr. Ein Regierungsbündnis, das nach gut einem Jahr ein Drittel der Wähler hinter sich weiß – und Milliardenschulden über ein Sondervermögen bewegt, das kommende Generationen abbezahlen dürfen.
In der SPD brodelt es
Intern wächst der Druck auf die Führung. Mehrere Parteigruppen fordern Medienberichten zufolge einen Wechsel an der Spitze; zuletzt verlangte die SPD-Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt eine zeitnahe Neubesetzung. Deren Vorsitzender Orkan Özdemir wurde in einem Nachrichtenmagazin drastisch:
„Ich sehe eine Partei, die stirbt.“
Konkret verlangt die Gruppe einen Sonderparteitag nach den Herbstwahlen, auf dem über die Zukunft von Bärbel Bas und Lars Klingbeil entschieden werden solle. Man brauche einen wiederbelebenden Prozess, bei dem auch neue Gesichter eine Rolle spielen könnten, so Özdemir.
Personaldebatte statt Politikwechsel?
Aus Sicht unserer Redaktion greift die Debatte zu kurz. Wer glaubt, ein neues Führungsduo repariere den Vertrauensverlust, verwechselt Symptom und Ursache. Nicht die Gesichter treiben die Wähler weg – es sind Migrationspolitik, Steuerlast, Bürokratie und eine Energiepolitik, die den Standort teuer macht.
Bis zur nächsten Bürgerschaftswahl im Mai 2027 bleibt Zeit. Ob sie zum Umsteuern genutzt wird oder nur für Personalrochaden, entscheidet über mehr als ein kleines Bundesland.

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