
Big Oil kassiert ab: Rekordförderung bei halbierten Investitionen

Die größten Ölkonzerne der Welt fördern so viel wie nie – und investieren dabei so wenig wie lange nicht. Eine am 9. September veröffentlichte Benchmarking-Studie der Prüfgesellschaft EY zeigt, dass die Kapitalausgaben der 30 größten börsennotierten US-Förderunternehmen im Jahr 2025 um 49 Prozent eingebrochen sind. Trotzdem kletterte die Ölproduktion dieser Gruppe auf ein Allzeithoch, die Umsätze legten um sieben Prozent zu.
Weniger bohren, mehr ausschĂĽtten
ExxonMobil, Chevron, BP, Shell und TotalEnergies haben in den vergangenen fünf Jahren zusammen jährlich über 100 Milliarden Dollar an ihre Aktionäre zurückgegeben – via Dividenden und Aktienrückkäufe. Das entspricht Berichten zufolge rund 80 Prozent ihrer Gewinne.
Die Explorationsausgaben sanken derweil um elf Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar. Das sind gerade einmal drei Prozent der gesamten Investitionen. Auch die Übernahmeaktivität brach um 70 Prozent ein. Die Ära der Mega-Deals scheint vorerst vorbei.
Ein EY-Verantwortlicher beschrieb den Spagat der Branche so:
„Producers are engaged in a balancing act between production goals, shareholder returns, and long-term portfolio resilience as they make investment decisions."
Der Trick heißt Technik – und Vorratsabbau
Möglich macht das ein technologischer Sprung. Horizontalbohrungen von bis zu fünf Kilometern Länge, die gleichzeitige Fertigstellung mehrerer Bohrlöcher, KI-gestützte Seismik und vorausschauende Wartung senken die Kosten drastisch. Statt milliardenschwerer Offshore-Abenteuer setzen die Konzerne auf kurzzyklisches US-Schieferöl.
Besonders lukrativ: bereits gebohrte, aber noch nicht fertiggestellte Löcher, im Branchenjargon DUC genannt. Ihre Fertigstellung kostet fünf bis sechs Millionen Dollar – ein komplett neues Bohrloch schlägt mit acht bis zehn Millionen zu Buche. Nur: Dieser Vorrat schmilzt. Laut Angaben der US-Energiebehörde EIA war der DUC-Bestand im Mai auf rund 4.972 Bohrlöcher gefallen, den niedrigsten Stand seit Beginn der Erfassung im Jahr 2013 – und damit den 14. Monat in Folge rückläufig.
Wenn die Reserven nicht mehr nachwachsen
Die Quittung steht schon in den Bilanzen. Die Reserven-Ersatzrate fiel erstmals seit 2021 unter die Marke von 100 Prozent. Im Klartext: Die Konzerne holen mehr Öl aus dem Boden, als sie an neuen nachgewiesenen Reserven hinzugewinnen. Beim Erdgas sieht es besser aus – dort erreichten die Reserven laut Studie ein Fünf-Jahres-Hoch, getrieben von Exporten, Industriebedarf und dem gewaltigen Stromhunger neuer KI-Rechenzentren.
Wie lange das gutgeht, ist die entscheidende Frage. Effizienzgewinne sind endlich, Bohrlöcher irgendwann abgearbeitet. Die US-Produktion dürfte 2026 zwar einen Rekord von durchschnittlich 13,8 Millionen Barrel pro Tag erreichen, doch das Wachstumstempo lässt spürbar nach.
Das Risiko trägt am Ende der Verbraucher
Aus Sicht unserer Redaktion ist das Kalkül nachvollziehbar – und riskant zugleich. Kurzfristige Aktionärsrenditen werden gegen langfristige Versorgungssicherheit getauscht. In einer Welt mit Spannungen am Persischen Golf und rund um die Straße von Hormus ist das ein gewagtes Spiel. Beobachter verweisen darauf, dass die Ölpreise bereits deutlich angezogen haben.
Für deutsche Haushalte und Betriebe, die ohnehin unter Energiekosten und einer klimapolitisch getriebenen Abgabenlast ächzen, wäre die nächste Angebotskrise ein schwerer Schlag. Wer sein Vermögen gegen Energiepreisschocks und Geldentwertung absichern will, findet in physischen Edelmetallen seit Jahrhunderten eine bewährte Beimischung – als Ergänzung, nicht als Ersatz eines breit gestreuten Portfolios.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
- Themen:
- #Energie
- #Aktien
- #Ăśbernahmen-Fussion
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik





















