
Britischer Premier pilgert nach Peking: Westliche Verbündete suchen Nähe zu China
Während die transatlantischen Beziehungen unter der kompromisslosen „America First"-Politik von US-Präsident Donald Trump zunehmend unter Druck geraten, vollzieht sich in der westlichen Diplomatie ein bemerkenswerter Kurswechsel. Der britische Premierminister Keir Starmer hat als erster britischer Regierungschef seit acht Jahren China besucht – ein Schritt, der die tektonischen Verschiebungen in der globalen Machtpolitik eindrucksvoll illustriert.
Wirtschaftliche Interessen übertrumpfen politische Bedenken
Mit einer imposanten Wirtschaftsdelegation im Gepäck reiste Starmer nach Peking, um dort mit Staatschef Xi Jinping über die Zukunft der bilateralen Beziehungen zu verhandeln. Die Ergebnisse, so der britische Premier, seien vielversprechend: Gespräche über reduzierte Zölle für schottischen Whisky, visafreies Reisen nach China und eine engere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung irregulärer Migration standen auf der Agenda. Starmer schwärmte von den „guten und starken Beziehungen" beider Länder – Worte, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären.
Die Kehrtwende kommt nicht von ungefähr. Großbritannien erhofft sich durch engere Handelsbeziehungen mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt niedrigere Preise für britische Verbraucher und neue Arbeitsplätze. Ein pragmatischer Ansatz, der freilich einen bitteren Beigeschmack hat.
Menschenrechte nur noch Fußnote?
Das britisch-chinesische Verhältnis war in den vergangenen Jahren aus gutem Grund stark abgekühlt. Die brutale Unterdrückung der Demokratiebewegung in der ehemaligen Kronkolonie Hongkong, der systematische Umgang mit der uigurischen Minderheit und zahlreiche Spionagevorwürfe hatten zu berechtigter Kritik aus London geführt. Doch nun scheinen diese Bedenken einer „respektvollen Diskussion" gewichen zu sein – so jedenfalls die diplomatische Umschreibung Starmers für das, was britische Kommentatoren als „sanfte Töne" bezeichneten.
Besonders brisant: Der Fall des inhaftierten Hongkonger Medienmoguls Jimmy Lai, der auch einen britischen Pass besitzt und dem lebenslange Haft droht, wurde zwar angesprochen, doch von konkreten Konsequenzen ist nichts bekannt. Xi Jinping seinerseits erklärte großzügig, China sei bereit, mit Großbritannien eine „langfristige und stabile umfassende strategische Partnerschaft" zu entwickeln.
Sicherheitsbedenken bleiben bestehen
Trotz des diplomatischen Tauwetters bleiben erhebliche Spannungsfelder bestehen. Die kürzlich erteilte Genehmigung für den Bau einer neuen chinesischen „Mega-Botschaft" im Londoner Bankenviertel sorgt für Unbehagen. Kritiker befürchten, das Gebäude könnte als Basis für Spionageaktivitäten und die Überwachung von im Exil lebenden Dissidenten genutzt werden – Bedenken, die angesichts der bekannten Praktiken des chinesischen Geheimdienstes keineswegs unbegründet erscheinen.
Westliche Verbündete auf Distanz zu Washington
Der britische Besuch reiht sich in eine bemerkenswerte Serie diplomatischer Annäherungen ein. Kanada, Irland, Finnland und Frankreich haben in den vergangenen Monaten ebenfalls hochrangige Delegationen nach Peking entsandt. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz plant laut Medienberichten einen Besuch in der Volksrepublik.
Die Botschaft ist unmissverständlich: Angesichts der aggressiven Zollpolitik Washingtons – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf chinesische Waren – suchen die traditionellen US-Verbündeten nach Alternativen. Die Frage, wie man sich wirtschaftlich und militärisch unabhängiger von den Vereinigten Staaten machen kann, ohne den mächtigen US-Präsidenten zu verprellen, beschäftigt derzeit viele westliche Hauptstädte.
Was dabei auf der Strecke bleibt, sind die einst hochgehaltenen Werte des Westens. Die Bereitschaft, Menschenrechtsverletzungen zugunsten wirtschaftlicher Vorteile zu relativieren, offenbart eine beunruhigende Entwicklung. Ob dieser Kurs langfristig im Interesse der westlichen Demokratien liegt, darf bezweifelt werden. Denn wer heute aus wirtschaftlichem Kalkül beide Augen zudrückt, könnte morgen feststellen, dass er sich in eine gefährliche Abhängigkeit begeben hat.

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