
BSW am Scheideweg: Gründungsmitglied Nastić kehrt Wagenknecht-Partei den Rücken – und reicht der AfD die Hand
Es brodelt gewaltig im Bündnis Sahra Wagenknecht. Was sich seit Monaten hinter den Kulissen der noch jungen Partei zusammenbraute, ist nun mit einem lauten Knall an die Öffentlichkeit gedrungen: Żaklin Nastić, Gründungsmitglied mit der symbolträchtigen Mitgliedsnummer elf und bis zuletzt Vorstandsmitglied, hat am Dienstag ihren Austritt aus dem BSW erklärt. Doch es ist nicht der Abgang selbst, der aufhorchen lässt – es ist die schonungslose Abrechnung, die ihn begleitet.
Ein Hofstaat statt einer Partei
In ihrem Austrittsschreiben, das über die Ostdeutsche Allgemeine den Weg in die Öffentlichkeit fand, spart die 46-Jährige nicht mit Kritik an der amtierenden Parteivorsitzenden Amira Mohamed Ali. Von „innerparteilichem Nepotismus" ist die Rede, von einem „Hofstaat" statt einem echten Bündnis. Mohamed Ali sei eine „grandiose Strippenzieherin – mit der Lizenz zur Einlasskontrolle", die nur ihr genehme Mitglieder aufgenommen habe, um den Parteiapparat unter ihre Kontrolle zu bringen. Worte, die an Schärfe kaum zu überbieten sind – und die ein vernichtendes Bild der internen Zustände zeichnen.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eine Partei, die vor etwas mehr als zwei Jahren mit dem Versprechen angetreten war, die verkrusteten Strukturen der deutschen Parteienlandschaft aufzubrechen, reproduziert offenbar genau jene Machtmechanismen, die sie zu bekämpfen vorgab. Welch bittere Ironie.
Die Brandmauer bröckelt – von links
Was Nastićs Austrittsschreiben jedoch wirklich brisant macht, sind nicht die innerparteilichen Vorwürfe. Es sind die bemerkenswert positiven Worte über die AfD, die in der politischen Landschaft wie eine Bombe einschlagen dürften. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete, die ihre parlamentarische Karriere 2017 für die Linkspartei begonnen hatte, schreibt offen davon, dass an den „Stammtischen eine neue Hoffnung" auf eine Zusammenarbeit zwischen BSW und AfD aufgekeimt sei.
Namentlich hebt sie AfD-Chef Tino Chrupalla und Alexander Gauland hervor, die in Fragen der Friedenspolitik „ähnlich wie Sahra Wagenknecht" argumentiert hätten. Beide seien von „denselben medialen Mächten angefeindet" worden. Eine Feststellung, die man als stille Anerkennung einer gemeinsamen Außenseiterrolle im politischen Betrieb lesen darf – und die das Narrativ der angeblich unüberbrückbaren ideologischen Gräben zwischen den Parteien gehörig ins Wanken bringt.
Chrupalla als Entzauberer des BSW?
Besonders pikant: Nastić vermutet, dass die BSW-Führung gerade deshalb auf Distanz zur AfD gegangen sei, weil deren Politiker „die eigenen Schwächen entzaubern könnten in Sachen Außenpolitik". Ein Eingeständnis, das es in sich hat. Denn tatsächlich war es Chrupalla, der den Abzug amerikanischer Soldaten aus Deutschland forderte – während das BSW, so Nastić, in dieser Frage nur „herumeierte".
Man erinnere sich: In Brandenburg bestand Wagenknecht auf einer Koalition mit der SPD, die mittlerweile krachend gescheitert ist. Stattdessen entstanden Regierungsbündnisse mit jenen Kräften, die Nastić als „extremistische Aufrüster in SPD und CDU" bezeichnet – während mit der „doch eher gemäßigten AfD nicht einmal verhandelt" worden sei. Eine Ohrfeige für die politische Klasse, die ihre künstlichen Brandmauern eisern verteidigt, während das Land vor realen Problemen steht.
Ein Symptom des politischen Umbruchs
Der Austritt Nastićs ist weit mehr als eine innerparteiliche Personalie. Er offenbart die tiefe Zerrissenheit einer Partei, die zwischen Anspruch und Wirklichkeit zerrieben wird. Und er zeigt etwas, das die etablierten Kräfte in Berlin seit Jahren zu ignorieren versuchen: Die ideologischen Trennlinien in der deutschen Politik verschieben sich. Wenn eine ehemalige Linken-Politikerin und BSW-Gründungsmitglied öffentlich den AfD-Vorsitzenden lobt, dann ist das kein Betriebsunfall – dann ist das ein Seismograph für tektonische Verschiebungen im politischen Gefüge.
Nastić fordert in ihrem Abschiedsbrief „eine breite Friedensbewegung" ohne „Kontaktsperren und Brandmauern", die „mit ehrlichem Herzen" für Frieden, gute Arbeit, Rechtsstaat und Meinungsfreiheit eintrete. Ob man ihre politischen Positionen im Einzelnen teilt oder nicht – die Forderung nach einem Ende der künstlichen Ausgrenzung demokratisch gewählter Parteien dürfte bei Millionen von Bürgern auf offene Ohren stoßen. Denn die sogenannte Brandmauer war von Anfang an kein Schutzwall der Demokratie, sondern ein Instrument der Machterhaltung jener Kräfte, die den politischen Wettbewerb fürchten wie der Teufel das Weihwasser.
Für das BSW, das bei der Bundestagswahl 2025 bereits empfindliche Verluste hinnehmen musste, kommt dieser öffentlichkeitswirksame Abgang zur denkbar ungünstigsten Zeit. Die Frage, die sich nun stellt, ist nicht, ob weitere Austritte folgen werden – sondern wann.

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