
Der Absturz des Mitte-Musterknaben: Wie Daniel Günthers Kuschelkurs mit den Linken zum politischen Bumerang wird
Es sind Zahlen, die einem CDU-Ministerpräsidenten den Schlaf rauben dürften. Zwölf Prozentpunkte hat Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther seit Anfang 2025 in den Umfragen des Meinungsforschungsinstituts INSA verloren. Der Mann, der bei der Landtagswahl im Mai 2022 mit strahlenden 43 Prozent an der absoluten Mehrheit kratzte, dümpelt heute bei mageren 27 Prozent. Ein Absturz mit Ansage – zumindest für jene, die den politischen Kompass Günthers schon länger mit Argwohn beobachten.
Kubickis schonungslose Abrechnung
Der frisch gewählte FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki nahm kein Blatt vor den Mund. Auf der Plattform X formulierte er seine Diagnose mit chirurgischer Präzision:
„Lieber Daniel, hör die Signale! Ein CDU-Ministerpräsident, der sich den Linken öffnet, hat nichts mehr zu gewinnen. Er ist politisch am Ende.“
Man muss Kubickis Diktion nicht in allem teilen, doch die Botschaft trifft einen wunden Punkt. Der Liberale, der sich bei der Wahl zum FDP-Vorsitz gegen die betont linksliberale Marie-Agnes Strack-Zimmermann durchsetzte, steht für eine Rückbesinnung auf bürgerlich-wirtschaftsliberale Werte. Und genau aus dieser Warte betrachtet, wirkt Günthers Weichspül-Kurs wie ein Lehrstück dafür, wie man Stammwähler vergrault.
Wenn die CDU sich selbst verleugnet
Was war der Auslöser für Kubickis Frontalangriff? Günther hatte doch tatsächlich behauptet, man könne AfD und Linkspartei „nicht in einen Topf schmeißen“, da die AfD die „deutlich größere Gefahr“ sei. Eine bemerkenswerte Aussage aus dem Munde eines Christdemokraten – ausgerechnet jene Partei, deren geistige Wurzeln bis in den Sozialismus reichen, soll das kleinere Übel sein? Man reibt sich verwundert die Augen.
Dabei offenbart sich hier das ganze Dilemma der selbstgebauten Brandmauer. Durch die kategorische Verweigerung jeder Zusammenarbeit mit der AfD – mit der die Union in zentralen Fragen inhaltlich durchaus Schnittmengen aufweist – manövrieren sich einzelne Landesverbände in absurde Abhängigkeiten. In Thüringen und Sachsen sind CDU-geführte Regierungen bereits auf die Duldung durch ausgerechnet die Linkspartei angewiesen. Die Konservativen als Bittsteller bei den Erben der SED – welch bittere Ironie der Geschichte.
Der Aufstand in den eigenen Reihen
Der Unmut brodelt längst nicht mehr nur an den Rändern. Immer mehr Stimmen aus der Union werfen der Parteiführung vor, durch eine übertriebene Abgrenzung nach rechts die eigene Wählerschaft zu verprellen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Räuscher aus Sachsen-Anhalt brachte es unlängst auf den Punkt: Wenn es nach ihm und seiner Fraktion ginge, wäre die Brandmauer längst Geschichte.
Günther hingegen preist seit Jahren unbeirrt seinen Kurs der sogenannten „politischen Mitte“ als Erfolgsrezept an. Doch die Realität in Gestalt der Umfragewerte erteilt dieser These nun eine schallende Ohrfeige. Wer als bürgerliche Partei versucht, es allen recht zu machen und sich dabei nach links anbiedert, verliert am Ende jene Wähler, die einst auf klare Kante gesetzt hatten. Das Günther-Modell, so scheint es, entpuppt sich als Sackgasse.
Eine Lehre, die über Schleswig-Holstein hinausreicht
Der Fall Günther ist symptomatisch für eine Volkspartei, die ihre Identität sucht und dabei orientierungslos zwischen den Stühlen zu sitzen droht. Wer seine Wähler auf Dauer für dumm verkauft und den eigenen Markenkern verwässert, darf sich über schwindende Zustimmung nicht wundern. Die Bürger spüren instinktiv, wenn Politiker gegen ihre Überzeugungen agieren – und quittieren dies an der Wahlurne.
Ob Daniel Günther die Signale hört, wie es Kubicki fordert? Die Zeit wird es zeigen. Fest steht: In einer politischen Landschaft, in der Beliebigkeit als Tugend verkauft wird, sehnen sich viele Menschen wieder nach Klarheit, nach Prinzipientreue und nach Politikern, die für ihre Überzeugungen einstehen. Wer diese Sehnsucht ignoriert, wird über kurz oder lang von der Wählerschaft aussortiert. Das ist keine Prophezeiung – das ist der eiserne Gesetzmäßigkeit demokratischer Selbstreinigung.

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