
Der große Ausverkauf: Wie China sich Deutschlands letzte Industrie-Kronjuwelen einverleibt

Es vollzieht sich gerade ein Vorgang, den man in seiner Tragweite kaum überschätzen kann: Deutschland verliert seine industrielle Seele – und die politische Klasse in Berlin scheint es entweder nicht zu bemerken oder es nicht zu interessieren. Nach Solar, nach Robotik, nach Maschinenbau steht nun das Filetstück auf dem chinesischen Speiseplan: die deutsche Automobilindustrie. Was hier passiert, ist keine harmlose Globalisierung mehr. Es ist ein systematischer, von langer Hand vorbereiteter Übernahmevorgang.
Die Beute: Münchens beste Köpfe
Der Smartphone-Riese Xiaomi aus Peking hat im April 2026 in München ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Elektroautos eröffnet. Wer die Personalliste dieses Zentrums studiert, dem dürfte schwindelig werden. Rudolf Dittrich, fünfzehn Jahre bei BMW, leitet die Einrichtung. Claus-Dieter Groll, Fahrdynamik-Experte für nahezu jede relevante BMW-Baureihe, ist mit an Bord. Fabian Schmölz-Obermeier, jener Mann, der hinter dem Porsche 992 und dem Lamborghini Temerario stand, verantwortet das Exterior-Design. Jean-Arthur Madelaine, einst bei Mercedes-Benz für die Vision GT zuständig, dirigiert das gesamte Designkonzept.
Das ist kein gewöhnliches Headhunting mehr. Das ist eine gezielte Demontage deutscher Ingenieurskunst. Jahrzehntelang investierten deutsche Steuerzahler, Familienbetriebe und Konzerne in die Ausbildung dieser Spitzenkräfte – nun werden sie für den nächsten Wachstumsmarkt eingekauft, der ironischerweise Deutschland selbst sein wird. Ab 2027 will Xiaomi mit dem YU7 GT auf den europäischen Markt drängen: 1003 PS, 300 km/h Spitzengeschwindigkeit, entwickelt in München von ehemaligen deutschen Premium-Ingenieuren.
BYD, Geely, Changan – die Liste der Überläufer
Auch BYD, der weltweit größte E-Autohersteller, geht denselben Weg, nur etwas leiser. Wolfgang Egger, einst Chefdesigner bei Audi, leitet seit 2017 das globale Design des chinesischen Konzerns. Klaus Zyciora, früherer VW-Designchef, ist heute Vizepräsident bei Changan Automobiles. Stefan Sielaff, ebenfalls ehemaliger Audi- und VW-Mann, arbeitet inzwischen für Geely. Er ließ sich gegenüber der FAZ bereits 2024 mit einem Satz vernehmen, der wie ein Grabstein über der deutschen Autoindustrie wirke: „Vorsprung durch Technik" finde nun in China statt, deutsche Autobauer würden keine Rolle mehr spielen.
Nun kommen auch noch die Fabriken
Doch es bleibt nicht beim Personal. Mittlerweile geht es um die Substanz selbst – die Werke, die Hallen, die Bänder. Die Gläserne Manufaktur in Dresden hat Ende 2025 die PKW-Produktion eingestellt. Das VW-Werk in Osnabrück steht ab Spätsommer 2027 ohne Modell da. VW-Chef Oliver Blume bezeichnete es als „clevere Lösung", ungenutzte Kapazitäten an chinesische Partner abzugeben. Clever? Man möchte fragen: Für wen eigentlich?
Berichten zufolge verhandle BYD über eine Teilübernahme der Dresdner Manufaktur. Xpeng führe laut Financial Times Gespräche mit VW über den Erwerb eines europäischen Werks, intern sei Osnabrück bereits Thema. MG Motor wird ebenfalls als Interessent gehandelt. BYD-Vizepräsidentin Stella Li bestätigte am 20. Mai 2026, dass ihr Konzern sämtliche verfügbaren Standorte in Europa prüfe – Deutschland, Italien, Frankreich.
Das Brüsseler Eigentor
Der eigentliche Treiber ist eine groteske Fehlkonstruktion der EU-Politik. Brüssel erhebt 17 Prozent Ausgleichszoll auf in China produzierte E-Autos. Wer aber in Deutschland produziert, umgeht diesen Zoll – und darf sich obendrein mit dem Siegel „Made in Germany" schmücken. Volkswagen verkauft folglich seinen Standortvorteil, weil es sich das eigene Kerngeschäft nicht mehr leisten kann. Ein Schildbürgerstreich epochalen Ausmaßes: Erst zwingt man die deutschen Hersteller mit ideologischer Brachialgewalt in eine Elektromobilität, in der sie den Chinesen technologisch unterlegen sind. Dann versucht man, sie mit Zöllen zu schützen. Und am Ende kaufen die Chinesen mit ihren prall gefüllten Kriegskassen einfach die Werke der angeschlagenen Konkurrenz auf.
Solar: Die Warnung, die niemand hören wollte
Wer wissen will, wie diese Geschichte enden könnte, muss nur zwanzig Jahre zurückblicken. Um die Jahrtausendwende war Deutschland Weltmarktführer in der Solartechnologie. Q-Cells aus Sachsen-Anhalt war zeitweise der größte Solarzellenhersteller des Planeten. Rund 130.000 Menschen arbeiteten bei SolarWorld, Solon, Conergy und Konsorten. Dann kam China – mit Staatssubventionen, Vorzugskrediten der Staatsbanken und gigantischen Produktionskapazitäten. Die Modulpreise stürzten ab, chinesische Module waren zeitweise 30 bis 40 Prozent günstiger.
Das Ergebnis ist bekannt: 2011 Solon insolvent, 2012 Q-Cells, 2013 Conergy, 2017 SolarWorld. Ende einer Industrie. Die EU reagierte 2013 zaghaft mit Anti-Dumping-Zöllen, schaffte sie 2018 wieder ab. Heute ist Deutschland bei Solarmodulen fast vollständig von China abhängig. Die hier erfundene Technologie produziert nun in Shanghai und Chengdu. Der Photovoltaik-Zubau erreicht zwar Rekordwerte – aber die Wertschöpfung findet anderswo statt. Genauer: in Peking.
Kuka, Krauss-Maffei, Franka Emika – die Robotik-Tragödie
2016 verschluckte der chinesische Hausgerätekonzern Midea den Augsburger Roboterhersteller Kuka für 4,5 Milliarden Euro. Kuka war kein beliebiges Unternehmen, sondern hatte 1973 den ersten Industrieroboter mit sechs elektromechanisch angetriebenen Achsen entwickelt – ein Gründervater der modernen Fabrikautomatisierung. Die politische Debatte war damals laut, die Warnungen vor dem Abfluss von Schlüsseltechnologien zahlreich. Genehmigt wurde der Deal trotzdem.
Es war kein Einzelfall. Krauss-Maffei ging 2016 an den chinesischen Staatskonzern ChemChina. Franka Emika, eine Münchener Cobot-Schmiede aus der DLR-Familie, wurde nach der Insolvenz 2023 von Agile Robots geschluckt – einem deutsch-chinesischen Konstrukt mit Foxconn- und Sequoia-China-Beteiligung. Heute entfallen rund 70 Prozent aller weltweit installierten Industrieroboter auf China. Bei KI-Patentanmeldungen führt Peking die globalen Rankings unangefochten an.
Wer regiert eigentlich für wen?
Das eigentlich Erschütternde ist nicht der chinesische Ehrgeiz – den darf man als Nation, die ihre Interessen ernst nimmt, sogar bewundern. Das Erschütternde ist die Gleichgültigkeit der eigenen Politik. Während die Bundesregierung 500 Milliarden Euro neue Schulden für Klima- und Infrastrukturprojekte aufnimmt, während sich der politische Diskurs in Gender-Debatten, Heizungsgesetzen und ideologischen Verbotsfantasien erschöpft, wird die industrielle Basis dieses Landes Stück für Stück verkauft. Es braucht eine Politik, die wieder für Deutschland und nicht gegen Deutschland regiert. Eine wachsende Mehrheit der Bürger sieht das längst so.
Was bleibt: Sachwerte als letzte Verteidigungslinie
Wenn ein Land seine industrielle Substanz verliert, verliert es auch die Grundlage seines Wohlstands und damit den Wert seiner Währung. Geschichte und Gegenwart zeigen: In Phasen industrieller Erosion und währungspolitischer Unsicherheit bewähren sich physische Edelmetalle als verlässliche Vermögensanker. Gold und Silber sind nicht abhängig von Werkshallen, die nach China verkauft werden, nicht von Ingenieuren, die abgeworben werden, nicht von politischen Fehlentscheidungen in Berlin oder Brüssel. Sie sind, was sie immer waren: physisches Vermögen, das jenseits staatlicher Beliebigkeit Bestand hat.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die geäußerten Einschätzungen geben die Meinung der Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte sich vor einer Investition eigenständig informieren oder fachkundigen Rat einholen.

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