
Deutsche Waffenschmiede setzt auf Südkorea: Rheinmetall greift bei der Luftverteidigung nach den Sternen

Während die deutsche Politik jahrzehntelang die eigene Verteidigungsfähigkeit verkommen ließ, schmiedet Deutschlands größter Rüstungskonzern nun Allianzen am anderen Ende der Welt. Auf der renommierten Rüstungsmesse Eurosatory in Paris gab Rheinmetall eine Partnerschaft bekannt, die zeigt, wohin die Reise in einer Zeit geopolitischer Verwerfungen geht: Gemeinsam mit dem südkoreanischen Konzern LIG Defence & Aerospace aus Yongin soll ein Gemeinschaftsunternehmen entstehen – und die Düsseldorfer wollen daran die Mehrheit halten.
Wenn billige Bomben teure Raketen fressen
Der Anlass dieser Kooperation ist so nüchtern wie bedrohlich. Sogenannte Gleitbomben entfalten im Ukraine-Krieg eine verheerende Wirkung. Russische Kampfflugzeuge bringen sie bis an die Front, koppeln sie ab und lassen sie die letzte Strecke lautlos durch die Luft gleiten. Da diese Geschosse keinerlei Hitzesignatur aufweisen, sind sie für herkömmliche Flugabwehr kaum zu erfassen. Klassische Flugabwehrgeschütze? Praktisch nutzlos.
Das eigentliche Drama liegt jedoch im Kosten-Nutzen-Verhältnis. Bislang werden solche Bedrohungen mit hochpreisigen Abwehrraketen bekämpft, die nicht selten weit über eine Million Euro pro Stück kosten. Man stelle sich das ökonomische Wahnwitz vor: Eine vergleichsweise billige Gleitbombe zwingt die Verteidigung dazu, ein Vermögen in die Luft zu schießen. Genau hier setzt das geplante Joint Venture an.
„Europa tritt in eine neue Ära der Verteidigungsmodernisierung ein", erklärte LIG-D&A-Chef Ickhyun Shin.
Lenkflugkörper zum Schnäppchenpreis
Die neu zu entwickelnden Lenkflugkörper sollen laut den Angaben des Konzerns lediglich einen Betrag im hohen fünfstelligen Euro-Bereich kosten – ein Bruchteil dessen, was die bisher notgedrungen eingesetzten großen Raketen verschlingen. Damit ließe sich das Verhältnis von Aufwand und Wirkung zumindest halbwegs ins Lot bringen. Eine pragmatische Antwort auf eine bittere militärische Realität, die uns die Ostfront täglich vor Augen führt.
Ungleiche Partner, aber starkes Portfolio
Der südkoreanische Partner ist alles andere als ein Leichtgewicht. LIG D&A beschäftigte 2025 rund 6.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von umgerechnet 2,5 Milliarden Euro – ein Plus von etwa einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Die Koreaner fertigen nicht nur Raketen, sondern auch Sonare und Schiffsdrohnen, und ihre Auftragsbücher sind prall gefüllt. Zu ihren Kunden zählen unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate.
Rheinmetall selbst spielt freilich in einer anderen Liga: rund 10 Milliarden Euro Umsatz mit 34.000 Beschäftigten im Jahr 2025. Die Düsseldorfer stellen vorrangig Munition, Panzer, Artillerie und Flugabwehrgeschütze her, bauen aber zunehmend ihr Geschäft mit Drohnen und Satelliten aus. Rheinmetall-Manager Oliver Dürr sprach von einem „hervorragend ergänzenden Portfolio an bodengestützten Luftverteidigungslösungen".
Ein bezeichnendes Bild deutscher Verteidigungspolitik
Man sollte sich vor Augen führen, was diese Kooperation eigentlich offenbart. Deutschland, einst Land der Ingenieurskunst, muss heute mit fernöstlichen Partnern zusammenarbeiten, um die eigene Luftverteidigung auf ein bezahlbares Fundament zu stellen. Jahrzehnte der vernachlässigten Bundeswehr, kaputtgesparter Beschaffung und ideologischer Verklärung pazifistischer Träumereien haben ihre Spuren hinterlassen. Erst der brutale Weckruf aus dem Osten zwingt zum Handeln – und nun gilt es, verlorene Zeit aufzuholen.
Dass ausgerechnet die freie Wirtschaft hier die Initiative ergreift, während die Politik sich in Sondervermögen-Rhetorik verliert, ist symptomatisch. Die beiden Firmen wollen künftig in Europa gemeinsam forschen, entwickeln, produzieren und verkaufen. Ein Schritt, der mehr über den Zustand unserer Sicherheitsarchitektur aussagt, als so mancher Politiker zugeben möchte.
Was bleibt für den Anleger?
Rüstungsaktien erleben seit Beginn des Ukraine-Krieges einen beispiellosen Höhenflug. Doch wer in einer Welt voller geopolitischer Spannungen, Inflation und politischer Unsicherheit auf echte Substanz setzen möchte, sollte den Blick auf zeitlose Werte richten. Physisches Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie in Krisenzeiten als sicherer Hafen dienen – unabhängig von Konjunkturzyklen, Regierungslaunen oder dem Auf und Ab einzelner Branchen. Eine wohlüberlegte Beimischung von Edelmetallen kann ein breit gestreutes Portfolio stabilisieren und vor den Unwägbarkeiten unserer Zeit schützen.
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