
Dollar als Waffe: Washington holt Irans Airlines vom Himmel!

Seit diesem Mittwoch, dem 23. September, gelten verschärfte US-Sanktionen gegen sämtliche iranischen Fluggesellschaften. Die Wirkung zeigte sich schon vorher: Bagdad und Maskat nehmen iranischen Angaben zufolge keine Maschinen aus der Islamischen Republik mehr auf. Washington braucht dafür keine Kampfjets. Es reicht die Drohung mit dem Dollar.
"Weltweit lahmgelegt": Bessents Kampfansage
US-Finanzminister Scott Bessent kündigte am Montag an, iranische Airlines würden ab dem 23. September "weltweit lahmgelegt". Wie das gehen soll, erklärte er gleich mit. Wer iranischen Maschinen Kerosin verkaufe, die Bodenabfertigung übernehme oder Tickets vertreibe, dem drohe der Ausschluss aus dem Dollarsystem.
Für jeden Flughafenbetreiber und jeden Treibstoffhändler kommt das einem Todesurteil gleich. Ohne Zugang zur Weltleitwährung ist internationales Geschäft praktisch unmöglich. Nach Angaben des US-Finanzministeriums richten sich die Maßnahmen gegen alle iranischen Fluggesellschaften, die bislang noch nicht auf der Sanktionsliste standen. Insgesamt 36 Airlines und Luftfahrtfirmen sind betroffen, darunter Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Türkei, Malaysia und Kasachstan.
Ein britischer Betreiber zieht die Reißleine
Besonders deutlich wird die Wirkung in Bagdad. Den dortigen Flughafen betreibe laut dem Sprecher der iranischen Zivilluftfahrt ein britisches Unternehmen. Es habe "aus Angst vor Sanktionen" bereits am Dienstag iranische Flüge eingeschränkt und gestrichen. So gibt es die staatliche Nachrichtenagentur Irna wieder. Aus irakischen Regierungskreisen hieß es, man werde sich an die US-Vorgaben halten.
Teheran will ausweichen. Die gestrichenen Verbindungen sollen nach Möglichkeit nach Nadschaf umgeleitet werden, eine heilige Stadt im Zentrum des Irak, die bei iranischen Pilgern sehr beliebt ist. Auch Omans Hauptstadt Maskat lasse iranische Flugzeuge bereits nicht mehr landen, meldete die Agentur Tasnim. Laut der Agentur Isna liefen Verhandlungen mit den omanischen Behörden.
Der Ring zieht sich zu
Georgien hat seinen Luftraum schon seit Montag für alle iranischen Flüge gesperrt. Die private Mahan Air teilte mit, sie setze auf Bitten der türkischen Behörden sämtliche Flüge in das Nachbarland aus. Die Staatslinie Iran Air hingegen erklärte, weder aus der Türkei noch aus Aserbaidschan oder dem Irak offizielle Anweisungen zur Einstellung des Flugverkehrs erhalten zu haben. Andere internationale Verbindungen, auch nach Istanbul, liefen Tasnim zufolge vorerst "wie geplant".
Wirtschaftskrieg neben dem echten Krieg
Im Iran gibt es 27 Fluggesellschaften, die meisten fliegen nur im Inland. Für die Verbindungen ins Ausland sind vor allem Iran Air und Mahan Air zuständig, sie fliegen in die Nachbarstaaten, aber auch nach Russland und China. Peking erklärte am Dienstag, es lehne "einseitige, illegale Sanktionen" ab.
Der Schritt ist Teil einer breit angelegten US-Kampagne, die Medienberichten zufolge unter dem Namen "Operation Economic Outcast" läuft und parallel zum militärischen Konflikt zwischen den USA und dem Iran geführt wird. Die iranische Luftfahrt war schon vorher stark geschwächt: Jahrelange Sanktionen machten den Kauf neuer Flugzeuge und die Beschaffung von Ersatzteilen nahezu unmöglich. Pikant ist der Zeitpunkt. Die Verschärfung fällt in die Tage der UN-Generalversammlung in New York, wo Vertreter beider Länder Berichten zufolge drei Stunden miteinander gesprochen haben.
Die eigentliche Lehre für Anleger
Die Episode zeigt, wie konsequent Washington den Dollar als politisches Druckmittel einsetzt. Wer auf ihn angewiesen ist, beugt sich, ob in Bagdad, Maskat oder Tiflis. Für Staaten und Sparer weltweit ist das eine ernüchternde Erkenntnis: Die Leitwährung ist eben nicht neutral.
Es wundert daher kaum, dass viele Notenbanken seit Jahren Gold kaufen. Physisches Edelmetall ist nicht von einem fremden Finanzministerium abhängig und lässt sich nicht per Knopfdruck sperren. In geopolitisch aufgeheizten Zeiten kann eine Beimischung von Gold und Silber in einem breit gestreuten Vermögen deshalb ein sinnvoller Baustein zur Absicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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