
Ebola-Drama im Kongo: Washington zahlt – und nimmt die Welt in die Pflicht

Die USA stocken ihre Hilfe gegen die tödliche Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo um weitere 267 Millionen Dollar auf. Das teilte das US-Außenministerium am Mittwoch am Rande der UN-Generalversammlung in New York mit. Insgesamt summiert sich die amerikanische Direkthilfe damit auf 887 Millionen Dollar. Den anderen Staaten gab Washington zugleich eine unmissverständliche Botschaft mit auf den Weg.
Die zweitschwerste Ebola-Katastrophe der Geschichte
Die Zahlen sind verheerend. Laut der UN-Zählung vom 22. September hat der Ausbruch mindestens 3.700 Menschen das Leben gekostet. Schlimmer war nur die Epidemie in Westafrika von 2014 bis 2016, die mehr als 11.000 Tote forderte.
Entdeckt wurde das Virus im Mai in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo. Von dort sprang es nach Uganda über. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rief am 17. Mai eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite aus. Uganda gilt nach WHO-Angaben seit Ende August wieder als ebolafrei.
Besonders tückisch ist der Erreger: Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen handelt es sich um das Bundibugyo-Virus. Gegen diese Ebola-Variante gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Therapie. Laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC gab es bereits importierte Fälle in Europa. Ein US-Bürger wurde im Mai zur Behandlung nach Deutschland ausgeflogen, im Juni meldete Frankreich einen Fall.
Amerika zahlt – und die anderen?
Mit den neuen Millionen lösen die USA eine G7-Zusage über bis zu 500 Millionen Dollar zusätzlich ein. Doch das Außenministerium verband die Überweisung mit einer deutlichen Mahnung. Andere „leistungsfähige Nationen“ sollten die Lasten stärker teilen, um der Dringlichkeit der Lage gerecht zu werden.
Die Mahnung kommt nicht von ungefähr. Der Hilfsplan der Vereinten Nationen umfasst 2,13 Milliarden Dollar, ist aber nur zu 48 Prozent finanziert. Es fehlen rund 1,1 Milliarden Dollar. Da drängt sich eine unbequeme Frage auf: Wo bleiben die großen europäischen Geberländer, die sonst so gern die moralische Führungsrolle in der Welt für sich beanspruchen?
Weniger WHO, mehr direkte Deals
Bemerkenswert ist der Kurs, den die Trump-Regierung dabei fährt. Nach dem Austritt aus der WHO und Kürzungen bei deren Finanzierung setzt Washington auf einen sogenannten „Humanitarian Reset“. Das Geld fließt gezielter und an Bedingungen geknüpft. Seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit haben die USA laut Außenministerium bereits 3,8 Milliarden Dollar an Hilfsprogramme des UN-Nothilfebüros OCHA in 21 Schlüsselländern überwiesen.
- Dezember 2025: Erste Tranche über 2 Millionen Dollar im Rahmen des neuen Abkommens
- 14. Mai 2026: Zweite Tranche über 1,8 Milliarden Dollar, davon 350 Millionen für Kongo, Uganda und Südsudan
- Februar 2026: Fünfjähriges Gesundheitsabkommen mit dem Kongo über bis zu 900 Millionen Dollar
Mit dem letztgenannten Abkommen, das unter der „America First Global Health Strategy“ geschlossen wurde, sollen Programme gegen HIV, Tuberkulose und Malaria, die Gesundheit von Müttern und Kindern sowie die Seuchenüberwachung unterstützt werden. Kritiker hatten der Trump-Regierung vorgeworfen, sie ziehe sich aus der globalen Gesundheitspolitik zurück. Das Muster sieht eher nach einem Umbau aus: weniger Geld in multilaterale Apparate, dafür mehr direkte Kontrolle über die Verwendung der eigenen Steuergelder.
Entwarnung? Noch lange nicht
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach am 16. September von einer abnehmenden Übertragung in den am stärksten betroffenen Gebieten. Die Epidemie sei weitgehend auf den Nordosten des Kongo begrenzt. Er warnte jedoch, es gebe nicht eine einzige Epidemie zu bewältigen, sondern „viele Ausbrüche an vielen Orten“.
Für die USA selbst geben die Behörden vorerst Entwarnung. Laut der US-Seuchenschutzbehörde CDC wurde im Land bislang kein Fall im Zusammenhang mit diesem Ausbruch registriert, das Risiko für die Bevölkerung gilt als gering. Eines zeigt die Krise trotzdem: Wer im Ernstfall schnell handeln will, muss auch zahlen können. Dass Washington die Verbündeten jetzt öffentlich an ihre Pflicht erinnert, dürfte auch in Berlin gehört werden.
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