
Evonik streicht 3200 Stellen: Wie der deutsche Industriestandort vor unseren Augen verblutet

Es ist eine Meldung, die sich liest wie das nüchterne Protokoll eines schleichenden Niedergangs. Der Essener Chemiekonzern Evonik, einst Aushängeschild der deutschen Spezialchemie, kündigt an, bis zum Jahr 2029 weltweit weitere rund 3200 Arbeitsplätze zu streichen. Der Löwenanteil, nämlich 2150 Stellen, soll ausgerechnet hier in Deutschland fallen. Und als wäre das nicht genug, kommt die endgültige Schließung eines kompletten Werks hinzu. Wer angesichts solcher Zahlen noch von einem starken Wirtschaftsstandort Deutschland schwadroniert, dem ist nicht mehr zu helfen.
Witten wird dichtgemacht – ein Werk verschwindet von der Landkarte
Besonders bitter trifft es den Standort Witten. Das dortige Werk mit seinen 266 Beschäftigten soll im Jahr 2027 vollständig geschlossen werden. Der Grund: Evonik stellt sein globales Polyester-Geschäft ein. Auch am Traditionsstandort Marl fallen 45 Stellen weg, und selbst im fernen Shanghai trifft es 35 Mitarbeiter. Doch während man über chinesische Standorte achselzuckend hinweggehen mag, schmerzt der Aderlass im Herzen des einstigen Industriereviers an Rhein und Ruhr umso mehr.
Bereits bis Ende dieses Jahres baut der Konzern 2800 Stellen ab. Der nun angekündigte zusätzliche Kahlschlag, auf den sich Vorstand und Sozialpartner geeinigt haben sollen, kommt also obendrauf. Man beteuere zwar, der Abbau solle „sozialverträglich“ erfolgen – ein Wort, das in den vergangenen Jahren so abgegriffen wurde, dass es kaum noch jemanden zu trösten vermag, der seinen Arbeitsplatz verliert.
Die wahren Gründe: Energiekosten, Bürokratie und politisches Versagen
Vorstandschef Christian Kullmann begründete den Schritt mit einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Die weltpolitische Lage sei unsicher, das Wachstum anhaltend schwach, und der internationale Wettbewerb werde härter, so seine Worte. In diesem Umfeld müsse man stärker werden. Eine bemerkenswerte Logik: Man wird stärker, indem man Tausende Arbeitsplätze vernichtet?
„Die weltpolitische Lage ist unsicher und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach. Zugleich wird der internationale Wettbewerb immer härter“, sagte Vorstandschef Christian Kullmann.
Doch verschweigen wir nicht, was hinter diesen blutleeren Floskeln tatsächlich steckt. Die deutsche Chemieindustrie – ein energieintensiver Sektor wie kaum ein zweiter – ächzt unter Strom- und Gaspreisen, die im internationalen Vergleich geradezu grotesk anmuten. Wer Jahre damit verbracht hat, funktionierende Kraftwerke abzuschalten und sich einer realitätsfernen Energiepolitik zu verschreiben, der darf sich über die Folgen nicht wundern. Hinzu kommen eine erstickende Bürokratie und eine Steuerlast, die Investitionen ins Ausland geradezu provoziert.
Insolvenzen auf Rekordniveau – das große Sterben hat längst begonnen
Evonik steht keineswegs allein. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist auf den höchsten Stand seit 2014 geklettert. Über 200.000 Arbeitsplätze gelten Experten zufolge als gefährdet. Das einstige Wirtschaftswunderland, das die halbe Welt beneidete, wandelt sich Schritt für Schritt in einen Sanierungsfall. Die Gewerkschaft IGBCE reagierte erwartungsgemäß empört und sprach von einem „harten Schlag für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen“ – sie forderte, dass die vereinbarten Sozialmechanismen nun konsequent greifen müssten.
Doch ehrlich gesagt: Sozialmechanismen kurieren nur die Symptome. Die Krankheit selbst liegt tiefer. Solange die politische Führung dieses Landes die Rahmenbedingungen für produzierendes Gewerbe systematisch verschlechtert, werden wir weitere derartige Hiobsbotschaften erleben. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hatte Aufbruch versprochen – doch von einer echten Entlastung der Industrie ist bislang wenig zu spüren. Stattdessen wird ein 500-Milliarden-Sondervermögen aufgenommen, das künftige Generationen mit Zinsen und Abgaben fesselt.
Was bleibt dem Bürger? Substanz statt Versprechen
Während Konzerne schrumpfen, Werke schließen und ganze Industriezweige abwandern, stellt sich für jeden vorausschauenden Bürger die Frage nach der Sicherung des eigenen Vermögens. Wenn die wirtschaftliche Substanz eines Landes erodiert und die Schuldenberge wachsen, geraten auch Währung und Kaufkraft unter Druck. In solchen Zeiten haben physische Edelmetalle wie Gold und Silber über Jahrhunderte hinweg ihre Rolle als krisenfester Wertspeicher bewiesen. Als sinnvolle Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen können sie ein Anker der Stabilität sein – unabhängig von Vorstandsentscheidungen und politischen Fehltritten.
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die dargestellten Inhalte geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist aufgefordert, eigenständig zu recherchieren und für seine Anlage-, Steuer- oder Rechtsentscheidungen selbst Verantwortung zu übernehmen sowie gegebenenfalls einen qualifizierten Berater hinzuzuziehen.
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