
Exportrekord als Fassade: Alle 30 Minuten stirbt eine Firma

Deutschland exportiert wie nie zuvor – und geht gleichzeitig durch eine Pleitewelle historischen Ausmaßes. Im Juni 2026 verschifften deutsche Unternehmen Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro ins Ausland, ein Monatsrekord. Doch im Juli meldeten laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) 1.689 Personen- und Kapitalgesellschaften Insolvenz an – 75 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019.
Zwei Statistiken, zwei Welten
Die Außenhandelszahlen des Statistischen Bundesamtes klingen nach Aufbruch: plus 0,9 Prozent gegenüber Mai, plus 6,6 Prozent zum Vorjahr, im ersten Halbjahr 3,7 Prozent über Vorjahresniveau. Auch das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zu.
Nur: Zum ersten Quartal blieben magere 0,2 Prozent übrig. Der private Konsum kam kaum vom Fleck, die Investitionen gingen sogar zurück. Wachstum auf dem Papier – Substanzverlust in der Realität.
Und die Importe wuchsen mit 8,4 Prozent noch schneller als die Ausfuhren. Der Handelsüberschuss schrumpfte binnen eines Monats von 19,3 auf 15,4 Milliarden Euro.
Die Zollpolitik hinterlässt Spuren
Besonders unangenehm: Die Exporte in die USA brachen gegenüber Mai um 14,2 Prozent ein, im ersten Halbjahr lagen sie 5,8 Prozent unter Vorjahr. Nach China ging es um 12,3 Prozent bergab. Dass Donald Trumps Zollpolitik deutsche Industrieprodukte in den Vereinigten Staaten verteuert, ist längst kein abstraktes Risiko mehr, sondern messbarer Auftragsverlust.
Die Industrie selbst liefert ohnehin kein gutes Bild ab. Die Produktion stagnierte im Monatsvergleich und lag 0,8 Prozent unter Vorjahr. Bei den energieintensiven Branchen – jenen also, die unter hohen Strompreisen besonders leiden – ging es um 1,8 Prozent abwärts. Der Auftragseingang stieg zwar um 3,1 Prozent, doch ohne Großaufträge blieb ein Minus von 0,5 Prozent.
13.000 Arbeitsplätze in einem einzigen Monat
Der Blick des IWH auf die Beschäftigten ist der eigentliche Alarmruf. Allein bei den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren im Juli mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen – 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 47 Prozent über dem Vor-Corona-Durchschnitt. Knapp 6.000 dieser Stellen entfielen auf die Industrie.
Auffällig: Bei unternehmensnahen Dienstleistungen sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern verzeichnete das Institut den höchsten je erfassten Wert. Bereits das zweite Quartal 2026 markierte Medienberichten zufolge mit knapp 5.000 Firmenpleiten den höchsten Stand seit 21 Jahren.
Der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, Steffen Müller, wird in der Mitteilung des Instituts so zitiert:
„Die lange Krise hat offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht.“
Die Marktbereinigung halte unvermindert an, auch in den Folgemonaten sei mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen. Die Frühindikatoren des Instituts, die dem Geschehen zwei bis drei Monate vorauslaufen, erreichten im Juli einen neuen Höchstwert.
Wenn Rekorde die Erosion überdecken
Aus Sicht unserer Redaktion offenbaren die Zahlen ein Grundproblem: Energiekosten, Bürokratielasten und Steuerdruck zehren die Substanz gerade kleinerer Betriebe auf, während politische Erfolgsmeldungen sich an Bruttowerten festhalten. Ein Exportrekord ersetzt keine tragfähige Standortpolitik.
Für Sparer bleibt die Botschaft nüchtern: Wer sein Vermögen breit aufstellt, streut Risiken. Physische Edelmetalle können dabei als konjunkturunabhängige Beimischung dienen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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