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Kettner Edelmetalle
23.07.2026
16:30 Uhr

Feuer am Golf: Wenn eine Meerenge die Weltwirtschaft in Geiselhaft nimmt

Feuer am Golf: Wenn eine Meerenge die Weltwirtschaft in Geiselhaft nimmt

Es sind Bilder, die man aus den düstersten Prognosen der letzten Jahrzehnte kennt – und plötzlich sind sie wieder erschreckend real: Öltanker unter Beschuss, brennende Schiffsrümpfe im Roten Meer, Sirenen über den Golfstaaten. Der Iran-Krieg hat eine neue, gefährliche Dimension erreicht. Und während die Politik nervös nach Worten ringt, spricht der Markt bereits eine unmissverständliche Sprache: Der Ölpreis kennt nur noch eine Richtung.

Der Ölpreis explodiert – und niemand sollte sich wundern

Fünf Handelstage in Folge kletterte der Preis für das schwarze Gold nach oben. Am Donnerstagnachmittag durchbrach das Barrel die psychologisch bedeutsame Marke von 100 US-Dollar – so teuer wie seit fast zwei Monaten nicht mehr. Brent-Rohöl notierte bei über 98 Dollar, ein sattes Plus von mehr als vier Prozent an einem einzigen Tag. Die amerikanische Referenzsorte WTI kratzte an der 90-Dollar-Grenze. Wer die Rechnung aufmacht, dem wird schwindelig: Seit Beginn der jüngsten Eskalation vor gerade einmal zwei Wochen hat sich das Öl um fast zwanzig Prozent verteuert.

Der Auslöser? Die vom Iran gepäppelten Huthi-Rebellen im Jemen machten ihre Drohung wahr und griffen zwei saudische Öltanker in der Meerenge Bab al-Mandab an – jener strategischen Nadelöhr-Passage, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Energiehandels läuft. Einer der Tanker war Berichten zufolge mit Rohöl für Indien beladen, der andere transportierte Öl nach China. Man beschuldigte die Schiffe, eine zuvor verhängte Seeblockade verletzt zu haben. Die Amerikaner formulierten es trockener: Die Huthis seien dem Iran schlicht auf den Leim gegangen.

„Vollständiger Ausfall“ – wenn Ökonomen den Ernstfall durchspielen

Besonders alarmierend sind die Warnungen erfahrener Marktbeobachter. Der Chefökonom der Netfonds AG, Folker Hellmeyer, beschrieb in seiner Analyse eine Gemengelage, die einem den Atem stocken lässt: Die Rentenmärkte spitzten sich zu, in zahlreichen Staatsanleihemärkten näherten sich die Renditen mehrjährigen Höchstständen. Eine weitere Eskalation am Golf, so seine Befürchtung, könne „zum vollständigen Ausfall der Region führen“ – wenn nämlich sowohl im Iran als auch in den Golfstaaten die Infrastruktur großflächig zerstört werde.

„Fakt ist und bleibt, dass dieser US-Angriffskrieg die Welt massiv gefährdet und US-Verbündete schwer belastet oder sogar existenziell belasten kann. Wie attraktiv ist das?“

Die Weltbank rechnet vor, dass der Iran-Krieg das globale Wirtschaftswachstum um bis zu 1,3 Prozent einbrechen lassen könne. Die Folge wäre eine erneute Inflationswelle – und darauf womöglich Zinserhöhungen, die alle treffen würden, die brav sparen und arbeiten. Pikant: Laut Hellmeyer habe der amerikanische Kriegsminister Hegseth bei der Verabschiedung des US-Verteidigungshaushalts kleinlaut einräumen müssen, dass die vollmundigen Erfolgsmeldungen zum Iran-Krieg schlicht unwahr gewesen seien. Auch Präsident Trump sei bei Fox News zurückgerudert. Man fragt sich unweigerlich: Wie oft muss die Öffentlichkeit noch belogen werden, bevor jemand die Verantwortung übernimmt?

Eine neue Front – und Europa schaut zu

Die geografische Ausbreitung des Konflikts ist erschreckend. Jordanien und Kuwait wehrten iranische Angriffe auf ihr Staatsgebiet ab. Die jordanische Armee will drei Raketen und sechs Drohnen abgeschossen haben. In Bahrain heulten die Luftschutzsirenen über der Hauptstadt Manama. Die iranischen Revolutionsgarden reklamierten Attacken auf US-Stützpunkte für sich – ob getroffen wurde, ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Die US-Streitkräfte hätten zudem in der zwölften Nacht in Folge Ziele im Iran attackiert.

Und Europa? Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nannte den Angriff „nicht hinnehmbar“ und „illegal“, sprach von einer „gefährlichen Eskalation“. Große Worte, wie man sie aus Brüssel gewohnt ist. Die EU-Marinemission Eunavfor Aspides sei „fest entschlossen“, die Freiheit der Schifffahrt zu schützen. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, ob solche Beteuerungen mehr sind als diplomatisches Beiwerk – während deutsche Verbraucher schon die nächsten Preisexplosionen an der Tankstelle und auf der Gasrechnung fürchten müssen. Fünfmal so teuer wie zu russischen Zeiten kostet mittlerweile das norwegische Gas. Ein Trauerspiel, das die energiepolitischen Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre gnadenlos offenlegt.

Was bleibt, wenn Papiergeld und Aktien wanken?

In genau solchen Momenten geopolitischer Zerreißproben zeigt sich, welchen Substanzwert ein Vermögen wirklich hat. Aktienmärkte lieferten laut Hellmeyer „keine klare Linie“, der Technologiesektor stand unter Druck, selbst Bitcoin gab nach. Wer sein Erspartes ausschließlich in Papierwerten, ETFs oder digitalen Versprechen hält, spürt in Krisenzeiten schmerzhaft, wie schnell Buchgewinne verdampfen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber hingegen haben über Jahrtausende bewiesen, dass sie eben nicht auf Knopfdruck verschwinden. Sie sind kein Versprechen auf Papier, sondern greifbarer Wert – ein bewährter Anker gerade dann, wenn Kriege, Inflation und politische Fehlentscheidungen das Vertrauen in die etablierten Systeme erschüttern. Als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen behalten sie ihre Berechtigung – erst recht in Zeiten wie diesen.

Haftungsausschluss

Dieser Artikel gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der dargestellten Inhalte wird keine Haftung übernommen.

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