
Freibad für alle? Berliner „Volksbad“ sperrt am Freitag nach Hautfarbe

Berlin-Mitte, vor der Volksbühne: Seit dem 7. August plätschert dort ein 25 Meter langes Pop-up-Schwimmbecken – kostenlos, ohne Ausweiskontrolle, für alle. So jedenfalls das Versprechen. Doch für diesen Freitag, den 14. August, kündigt die Programmvorschau des Theaters von 12 bis 18 Uhr einen Badebetrieb an, der laut Ankündigung „exklusiv für Schwarze Communities“ geöffnet sei.
300.000 Euro für ein Becken – und ein Zeitfenster mit Zutrittsregel
Das „Volksbad“ läuft nach Angaben des Theaters bis zum 1. Oktober. Medienberichten zufolge kostet das Projekt rund 300.000 Euro, davon etwa 90.000 Euro für das Becken selbst und rund 210.000 Euro für Personal und Betrieb – finanziert aus dem Etat des Hauses, das wiederum aus öffentlichen Mitteln lebt.
Intendant Matthias Lilienthal hatte das Bad als „das neue Wunder von Mitte“ angekündigt: ein Ort, der Menschen unabhängig von Herkunft und Einkommen zusammenbringen solle, „gratis und ohne Ausweispflicht“. Am Freitagnachmittag gilt das offenbar nicht für jeden.
Wer schwimmen will, muss zur „Community“ gehören
Nutzer des Zeitfensters ist dem Bericht zufolge der Verein „Each One Teach One“ (EOTO). In der Ankündigung heißt es, man bitte darum, „diese kollektive Selbstbezeichnung und die damit verbundenen Räume zu respektieren“. Auf der Anmeldeplattform würden „alle jungen Schwarzen, Afrikanischen und Afro-diasporischen Menschen zwischen 15 - 27“ eingeladen. Für alle anderen bleibt das Becken bis 18 Uhr offenbar tabu.
EOTO beruft sich, so die Darstellung des Berichts, auf die „Critical Race Theory“ – eine in den 1970er Jahren in den USA entstandene akademische Strömung, deren Kernthese eine globale Struktur weißer Vorherrschaft behauptet. Daraus abgeleitet werden „Empowerment“-Formate, in denen Betroffene unter sich bleiben sollen.
Millionen aus Steuertöpfen
Die Finanzierung ist stattlich: Allein in diesem Jahr sollen dem Bericht zufolge mindestens 425.000 Euro aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Familienministeriums an den Verein geflossen sein. Im Frühjahr sei zudem ein „Black Communities Center“ mit 10,5 Millionen Euro überwiegend aus Mitteln der Berliner Senatsverwaltung eröffnet worden.
Auch personell gibt es Überschneidungen: Als Programmverantwortliche des „Volksbads“ wird auf der Theater-Website Anna Yeboah geführt, die zuvor das Projekt „Dekoloniale“ koordinierte – getragen unter anderem von EOTO. Aus Sicht unserer Redaktion drängt sich angesichts dieser personellen Verflechtungen die Frage auf, ob bei der Vergabe öffentlicher Mittel an solche Netzwerke ausreichende Transparenz und Kontrolle bestehen – eine Frage, die aus unserer Sicht bislang unbeantwortet ist.
Was bleibt: ein Bad, das trennt statt zu verbinden
Aus Sicht unserer Redaktion ist das mehr als eine Fußnote des Kulturbetriebs. In einer Stadt, in der Eintrittspreise steigen, Bäder zeitweise von Polizeipräsenz und Ausweiskontrollen geprägt sind und Familien zunehmend aufs Schwimmbad verzichten, wirkt ein steuerfinanzierter Pool, der nach Hautfarbe sortiert, wie ein Bumerang.
Wer Diskriminierung bekämpfen will, sollte selbst niemanden nach dem Aussehen aussortieren – das ist keine steile These, sondern Grundschullogik. Ob es sich am 14. August um einen Einzelfall handelt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Eine Antwort auf die Frage, wer solche Regeln genehmigt hat und wer dafür politisch geradesteht, steht bislang aus.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.
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