
Gaspreis explodiert: Wie Merz' Entlastungsversprechen an der Realität der Weltmärkte zerschellt

Es ist das alte Spiel: Die Politik verspricht dem Bürger Entlastung, und die Wirklichkeit macht der Regierung einen fetten Strich durch die Rechnung. Der europäische Gaspreis ist auf den höchsten Stand seit dem Beginn des Iran-Kriegs geklettert. Der für den Kontinent maßgebliche Terminkontrakt TTF wurde am Mittwochabend bei rund 62 Euro je Megawattstunde gehandelt – ein Anstieg von satten 94 Prozent gegenüber dem Niveau vor den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran. Kaum hat die Große Koalition ihre wohlklingenden Entlastungsversprechen unter das Volk gebracht, drohen diese schon nach wenigen Monaten im Nichts zu verpuffen.
Ein Versprechen, das schneller schmilzt als Butter in der Sonne
Union und SPD hatten sinkende Energiekosten zu einem ihrer zentralen wirtschaftspolitischen Versprechen erklärt – ein Versprechen, das sich nun als Luftschloss zu entpuppen droht. Seit Jahresbeginn entfällt zwar die Gasspeicherumlage für Verbraucher, und die verbliebenen Kosten übernehme, wie es so schön heißt, der Bund. Doch wer ist eigentlich „der Bund“? Nichts anderes als der Steuer- und Abgabenzahler, der am Ende jede politische Wohltat aus der eigenen Tasche finanziert. Zusätzlich bezuschusse der Staat die Stromnetzentgelte mit 6,5 Milliarden Euro.
Ein Modellhaushalt mit einem Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden und einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden solle dadurch nach Berechnungen der Bundesregierung bis zu 160 Euro im Jahr sparen. Klingt gut? Rechnen wir nach.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Großhandelspreis um rund 30 Euro je Megawattstunde gestiegen. Würde dieser Aufschlag vollständig weitergegeben, entspräche das für einen Durchschnittshaushalt rechnerisch Mehrkosten von etwa 600 Euro im Jahr.
Man muss kein Mathematik-Genie sein, um das Fiasko zu erkennen: 160 Euro Entlastung stehen bis zu 600 Euro Mehrkosten gegenüber. Die vollmundig gefeierte Wohltat der Politik verwandelt sich in eine dreifache Belastung.
Wenn die Weltmärkte zittern, friert Deutschland
Auslöser des jüngsten Preissprungs seien neue Ausfälle auf dem internationalen Flüssiggasmarkt. QatarEnergy habe die Erklärung höherer Gewalt für Lieferungen an mehrere asiatische Abnehmer bis September verlängert. Weitere Ausfälle bis Oktober gelten als möglich. Katar liefert normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Flüssiggases – fällt diese Menge weg, spürt es am Ende auch der deutsche Verbraucher an der Heizung.
Hinzu kommen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die mit einer Blockade der Meerenge Bab al-Mandab drohten und laut Berichten zwei saudische Öltanker im Roten Meer angriffen. Europa konkurriert dabei vor allem mit asiatischen Abnehmern um die verfügbaren Mengen. Und genau hier zeigt sich die ganze Tragik einer verfehlten Energiepolitik: Deutschland hat sich durch den überhasteten Ausstieg aus verlässlichen Energiequellen in eine Abhängigkeit manövriert, die es dem Spiel ferner Krisenherde ausliefert.
Halbleere Speicher – hausgemacht und ideologisch bedingt
Besonders brisant: Die deutschen Gasspeicher waren zuletzt nur zu rund 46 Prozent gefüllt. Bis Anfang November sollen die meisten Speicher einen Füllstand von 80 Prozent erreichen. Das bedeutet, dass in den kommenden Monaten gewaltige Mengen Gas eingekauft werden müssen – ausgerechnet jetzt, zu drastisch erhöhten Preisen.
Und wer trägt die Verantwortung für diesen misslichen Zustand? Die gesetzlichen Füllstandsvorgaben seien bereits im April 2025 abgesenkt worden. Der niedrige Stand ist also keineswegs allein dem Iran-Krieg geschuldet, sondern das Ergebnis politisch gelockerter Vorgaben und wirtschaftlicher Entscheidungen. Man hat sehenden Auges das Sicherheitsnetz gelockert – und wundert sich nun, dass der Absturz droht.
Die Strompreissenkung: eine weitere gebrochene Zusage
Auch beim Strom sieht die Bilanz mager aus. Union und SPD hatten eine Senkung um mindestens fünf Cent je Kilowattstunde angekündigt. Doch die Stromsteuer wurde für private Haushalte eben nicht auf das europäische Mindestmaß gesenkt. Die tatsächlich beschlossenen Maßnahmen bringen laut Regierung eine Entlastung von bis zu drei Cent je Kilowattstunde. Aus fünf werden drei – so rechnet man in Berlin.
Eine strategische Reserve, die zu spät kommt
Als Antwort auf die Versorgungsrisiken plane die Bundesregierung nun eine strategische Gasreserve von rund 24 Terawattstunden, was knapp zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität entspreche. Ein Kabinettsbeschluss stehe noch aus. Für den kommenden Winter hilft dieser Plan freilich überhaupt nicht: Die Befüllung solle erst im Sommer 2027 beginnen. Und finanziert werden solle das Ganze – wie könnte es anders sein – über eine neue Umlage für Gaskunden. Der Bürger zahlt, immer wieder, immer mehr.
Eine zusätzliche Entlastung angesichts des neuen Preissprungs hat die Bundesregierung bislang nicht angekündigt. Kein Wunder – der Bundestag befindet sich bis Anfang September in der parlamentarischen Sommerpause. Während die Bürger vor steigenden Rechnungen bangen, macht Berlin erst einmal Ferien.
Fazit: Wenn Papiergeld und Politik versagen, zählt echter Wert
Die Episode zeigt einmal mehr, wie fragil politische Versprechen in einer von Krisen geschüttelten Welt sind. Was heute als Entlastung gefeiert wird, ist morgen von den Realitäten der Weltmärkte überholt. Der Bürger bleibt der Leidtragende – ob durch höhere Energiepreise, neue Umlagen oder eine schleichende Geldentwertung, die all diese Staatsausgaben letztlich befeuert.
In Zeiten, in denen sich das Vertrauen in politische Zusagen und in die Stabilität des Geldwerts als brüchig erweist, gewinnt die Frage nach echter Vermögenssicherung an Bedeutung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie ihren Wert bewahren, wenn Regierungen ihre Versprechen brechen und Papierwährungen an Kaufkraft verlieren. Als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie einen soliden Anker gegen die Unwägbarkeiten inflationärer Politik bieten.
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