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Graichens spätes Geständnis: Atomstrom wäre günstiger gewesen!

Graichens spätes Geständnis: Atomstrom wäre günstiger gewesen!
Symbolbild: KI-generiert

Er gilt als einer der Architekten des deutschen Atomausstiegs. Jetzt hat Patrick Graichen, früher Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium unter Robert Habeck, öffentlich eingeräumt, dass der Weiterbetrieb der letzten Kernkraftwerke 2023 wirtschaftliche Vorteile gebracht hätte. Das sagte er bei einer energiepolitischen Konferenz der Denkfabrik R21 in Berlin. Einen Fehler will er trotzdem nicht erkennen.

Ein Satz, der nachhallt

Seine Worte waren erstaunlich deutlich. Medienberichten zufolge sagte Graichen auf dem Podium:

„Natürlich hätten wir, wenn wir 2023 die Dinger weiter hätten laufen lassen, noch mehr Strom zu relativ günstigen Grenzkosten gehabt.“

Als er gefragt wurde, ob der Ausstieg demnach falsch gewesen sei, lachte er. Alle wollten jetzt von ihm das Ja hören, entgegnete er, aber das werde er nicht geben. Ein Eingeständnis also, aber ohne Reue.

Laut einem weiteren Bericht soll im Publikum das Wort „Ideologe“ gezischt worden sein, als Graichen den Ausstieg verteidigte. Er rechne außerdem nicht damit, dass vor 2040 neue Meiler in Deutschland ans Netz gehen.

Angst vor dem Super-GAU – und was die Daten sagen

Seine Ablehnung begründet Graichen mit dem Risiko eines schweren Unfalls. Das halte er für zu hoch, die Technologie gehöre für ihn nicht in den deutschen Strommix. Der Krieg in der Ukraine habe ihn darin eher bestärkt. Mit Blick auf mögliche Angriffe auf ukrainische Kraftwerke sagte er, man wisse in einer Extremlage nie, ob noch rational gehandelt werde.

Die Statistik zeichnet allerdings ein anderes Bild. Nach Daten der Plattform Our World in Data gehört die Kernenergie zu den sichersten und saubersten Energiequellen überhaupt. Gemessen an Todesfällen pro erzeugter Strommenge liegt sie dort etwa gleichauf mit Wind und Solar und weit vor Kohle, Öl und Gas. Das Bauchgefühl und die Zahlen passen hier offenbar nicht zusammen.

Abschalten mitten in der Energiekrise

Zur Erinnerung: Am 15. April 2023 gingen Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 endgültig vom Netz. Das geschah ein gutes Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs, als Gas knapp und der Strom teuer war. Erst ein Machtwort von Kanzler Olaf Scholz hatte den Meilern ein paar Monate Aufschub verschafft.

Graichen hat diesen Kurs maßgeblich mitgeprägt. Begonnen hatte er unter dem grünen Umweltminister Jürgen Trittin, danach leitete er die Lobby-Denkfabrik Agora Energiewende. 2023 wurde er im Zuge der sogenannten Trauzeugen-Affäre in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Für eine Abkehr vom Ausstieg, so seine heutige Darstellung, hätte es einen parteiübergreifenden Konsens gebraucht, und den habe es nie gegeben.

Die Gegenstimme auf dem Podium

Die Historikerin und Kernkraftbefürworterin Anna Veronika Wendland sah das auf dem Panel anders. Sie warf den Grünen vor, 2022 die Gelegenheit verpasst zu haben, ihre Anti-Atom-Haltung angesichts der Krise zu räumen. Am Ende der Debatte stand Berichten zufolge sogar eine Wette zwischen den Kontrahenten.

Wer zahlt die Zeche?

Für Millionen Haushalte und Betriebe ist das keine theoretische Frage. Sie zahlen Strompreise, die im internationalen Vergleich zu den höchsten gehören. Gerade die energieintensive Industrie beklagt seit Jahren Standortnachteile. Wenn einer der wichtigsten Planer der Energiewende nun selbst bestätigt, dass günstiger Strom verschenkt wurde, wirkt das wie ein Offenbarungseid in Raten.

Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob Graichen irgendwann doch noch „Ja“ sagt. Sie lautet: Wie lange kann sich ein Industrieland politisch motivierte Energiepolitik noch leisten? Die schwarz-rote Bundesregierung unter Friedrich Merz hat die stillgelegten Meiler bisher nicht zurückgeholt. Für viele Bürger bleibt so ein bitterer Nachgeschmack: Die Kosten der Ideologie tragen am Ende immer die anderen.

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