
Hausärzte wehren sich gegen digitale Bevormundung durch Krankenkassen
Die Pläne der Krankenkassen, Patienten künftig durch digitale Ersteinschätzungen zu lotsen, stoßen auf massiven Widerstand bei den deutschen Hausärzten. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier, hat den Vorschlägen der Kassen eine klare Absage erteilt und warnt vor einer Entmenschlichung der medizinischen Versorgung.
Primärarztsystem: Licht und Schatten
Grundsätzlich begrüßt der Hausärzteverband das von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geplante Primärarztsystem. Beier bezeichnete den Startschuss für die Umsetzung als positives Signal und attestierte der Reform ein "enormes Potenzial". Doch die Freude über die grundsätzliche Richtung wird durch die Begehrlichkeiten der Krankenkassen erheblich getrübt.
In den vergangenen Wochen sei immer deutlicher geworden, wie weit die Vorstellungen der Krankenkassen von der eigentlichen Idee eines Primärarztsystems abweichen würden, so Beier gegenüber der "Rheinischen Post". Die Kassen drängen offenbar darauf, eine verpflichtende digitale Ersteinschätzung als erste Anlaufstelle für Patienten zu etablieren – ein Ansatz, den der Hausärzteverband kategorisch ablehnt.
Callcenter statt Hausarzt? Nicht mit uns!
Die Kritik des Verbandsvorsitzenden fällt unmissverständlich aus: "Steuerung nach Schema F hat nichts mit einem Primärarztsystem zu tun." Beier warnt eindringlich davor, dass durch eine verpflichtende digitale Ersteinschätzung weder das Gesundheitssystem entlastet noch die Patienten besser versorgt würden. Eine bemerkenswerte Einschätzung, die den Digitalisierungseifer mancher Gesundheitspolitiker in Frage stellt.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den hausärztlichen Praxen würden bis zu 90 Prozent aller gesundheitlichen Probleme gelöst, betont Beier. Diese Leistung könne kein Callcenter dieser Welt erbringen. Der Erstkontakt über die vertraute Hausarztpraxis müsse in der ambulanten Versorgung der "Goldstandard" bleiben.
Die Gefahr der Entpersonalisierung
Was hier auf dem Spiel steht, ist nichts Geringeres als die bewährte Arzt-Patienten-Beziehung. Ein Primärarztsystem lebe von einer starken, verlässlichen Hausarzt-Patienten-Bindung, mahnt Beier. Wer diese gewachsenen Strukturen durch anonyme digitale Systeme ersetzen will, verkennt die Realität der medizinischen Grundversorgung.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Krankenkassen unter dem Deckmantel der Digitalisierung vor allem Kosten sparen wollen – auf Kosten der Versorgungsqualität. Dass ausgerechnet jene Institutionen, die seit Jahren die Honorare der Hausärzte drücken und bürokratische Hürden aufbauen, nun auch noch die Patientensteuerung an sich reißen wollen, zeugt von einer bedenklichen Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen.
Die neue Bundesregierung unter Kanzler Merz wäre gut beraten, den Warnungen der Hausärzte Gehör zu schenken. Denn eines ist klar: Ohne eine starke hausärztliche Versorgung wird jede Gesundheitsreform scheitern – egal wie viele digitale Spielereien man ihr überstülpt.

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