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15.03.2026
09:12 Uhr

Hessen wählt: Kommunalwahl als Stimmungsbarometer für die neue Große Koalition

Hessen wählt: Kommunalwahl als Stimmungsbarometer für die neue Große Koalition

An diesem Sonntag sind rund 4,7 Millionen Bürger in Hessen aufgerufen, über die politische Zukunft ihrer Gemeinden, Landkreise und Ortsbeiräte zu entscheiden. Was auf den ersten Blick wie eine rein lokalpolitische Angelegenheit wirkt, dürfte sich als handfester Gradmesser für die bundespolitische Stimmungslage entpuppen – und das nur wenige Monate nach dem Antritt der Großen Koalition unter Friedrich Merz.

CDU als klarer Favorit – doch die AfD lauert

Seit 8 Uhr morgens stehen die Wahllokale in 421 Städten und Gemeinden sowie 21 Landkreisen offen. Von der Finanzmetropole Frankfurt am Main bis zur Landeshauptstadt Wiesbaden – überall wird abgestimmt. In der seit 2026 wieder kreisfreien Stadt Hanau steht zudem eine Oberbürgermeisterwahl an, etwaige Stichwahlen sollen am 29. März folgen.

Bei den letzten Kommunalwahlen 2021 dominierte die CDU mit 28,5 Prozent das Feld, gefolgt von der SPD mit 24 Prozent und den Grünen mit 18,4 Prozent. Die AfD kam damals auf bescheidene 6,9 Prozent. Doch die Zeiten haben sich geändert – und zwar dramatisch.

Der jüngste „Hessentrend" des Instituts Infratest dimap zeichnet ein völlig anderes Bild: Die CDU unter Ministerpräsident Boris Rhein liegt zwar weiterhin vorn mit 32 Prozent, doch die AfD hat sich auf 20 Prozent nahezu verdreifacht. Die SPD ist auf magere 16 Prozent abgerutscht, die Grünen dümpeln bei 14 Prozent. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um eine landespolitische Umfrage – doch die Tendenz ist unmissverständlich.

Ein Wahlsystem, das Bürgernähe verspricht

Das hessische Kommunalwahlrecht gehört zu den komplexesten in der Republik. Wähler können nicht nur ganze Listen ankreuzen, sondern einzelne Kandidaten streichen, Stimmen auf bevorzugte Bewerber häufeln – das sogenannte Kumulieren – oder ihre Stimmen gar auf Kandidaten verschiedener Listen verteilen, was als Panaschieren bekannt ist. Ein System, das dem mündigen Bürger maximale Gestaltungsfreiheit einräumt. Ob diese Freiheit allerdings auch genutzt wird, steht auf einem anderen Blatt.

Bemerkenswert ist, dass Hessen neben Bayern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen zu den wenigen Bundesländern gehört, die das Wahlalter bei Kommunalwahlen auf 18 Jahre belassen. Andernorts dürfen bereits 16-Jährige ihre Stimme abgeben. Man mag darüber streiten, ob es klug ist, Jugendliche, die noch nicht einmal einen Mietvertrag unterschreiben dürfen, über die Zusammensetzung kommunaler Parlamente entscheiden zu lassen. Hessen jedenfalls hält an der Volljährigkeit als Voraussetzung fest – ein Standpunkt, der durchaus Respekt verdient.

Weniger Wahlberechtigte, mehr EU-Bürger

Interessant ist auch die demografische Zusammensetzung der Wählerschaft. Gegenüber 2021 gibt es rund hunderttausend Wahlberechtigte weniger. Von den verbliebenen 4,7 Millionen sind etwa 4,2 Millionen Deutsche und rund 430.000 EU-Ausländer mit entsprechendem Wohnsitz. Die größte Altersgruppe stellen mit 39,2 Prozent die über 60-Jährigen – eine Generation, die noch weiß, was solide Haushaltspolitik und gesellschaftlicher Zusammenhalt bedeuten.

Kommunalwahl als Seismograph für Berlin

Man sollte sich nicht täuschen lassen: Kommunalwahlen sind längst keine rein lokalen Ereignisse mehr. Sie sind Stimmungstests – für die Landespolitik, aber vor allem für Berlin. Die Große Koalition unter Friedrich Merz steht erst am Anfang, und schon jetzt brodelt es gewaltig. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die Infrastruktur retten soll, aber Generationen in die Schuldenfalle treiben wird, die weiterhin unkontrollierte Migration, die steigende Kriminalität auf Deutschlands Straßen – all das wird die Wähler an den Urnen beschäftigen, auch wenn auf dem Stimmzettel nur kommunale Kandidaten stehen.

Dass die AfD in den Umfragen auf 20 Prozent geklettert ist, sollte den etablierten Parteien zu denken geben. Es ist der unmissverständliche Ausdruck einer Bevölkerung, die sich von der herrschenden Politik nicht mehr vertreten fühlt. Ob die CDU ihren Vorsprung halten kann oder ob die Wähler ein noch deutlicheres Signal senden werden, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen. Denn ein landesweites Ergebnis könnte – wie bei vergleichbaren Wahlen in Bayern – mehrere Tage auf sich warten lassen.

Eines steht fest: Hessen wählt, und Deutschland schaut zu. Die Frage ist nur, ob die Regierenden in Berlin auch wirklich hinsehen wollen.

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