
Junge Union macht Ernst: Wehrpflicht soll zurückkehren, wenn Freiwilligkeit versagt
Die Nachwuchsorganisation der CDU legt den Finger in die Wunde der deutschen Verteidigungspolitik. Mit einem Antrag für den kommenden Bundesparteitag fordert die Junge Union nichts Geringeres als die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht – sollte das aktuelle Freiwilligenmodell nicht die erhofften Ergebnisse liefern. Ein überfälliger Schritt oder politischer Aktionismus?
Das Ultimatum steht: Bis 2027 muss die Bundeswehr liefern
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Zum Jahresende 2025 verfügte die Bundeswehr über gerade einmal 184.194 aktive Soldaten. Das seit Januar geltende Wehrdienstmodernisierungsgesetz soll diese Zahl auf 186.000 bis 190.000 anheben – ein Ziel, das angesichts der geopolitischen Realitäten geradezu bescheiden anmutet. Doch selbst diese moderate Steigerung scheint alles andere als gesichert.
Die Junge Union hat nun einen klaren Zeitrahmen gesetzt: Sollte das anvisierte Personalkontingent nicht bis zum 1. Januar 2027 erreicht werden, müsse die Wehrpflicht ab dem 1. Juli 2027 wieder eingeführt werden. Darüber hinaus fordert der Antrag eine jährliche Überprüfung der Aufwuchszahlen – ein Mechanismus, der dauerhaften Druck auf die Verantwortlichen ausüben soll.
Stimmen aus der Fraktion: Verbindlichkeit statt vager Absichtserklärungen
Die CDU-Abgeordnete und ehemalige Bundeswehr-Offizierin Vivian Tauschwitz bezeichnete den Vorstoß als „dringend notwendig". Ihre Argumentation ist bestechend einfach: Wenn Freiwilligkeit nicht funktioniert, muss Verbindlichkeit her. Eine Logik, die in anderen Bereichen der Politik längst selbstverständlich ist – warum also nicht bei der Landesverteidigung?
Noch deutlicher wurde Fraktionsmitglied Johannes Volkmann. Er verwies auf die jüngsten Spannungen innerhalb der NATO, insbesondere den Konflikt um die Souveränität über Grönland, und mahnte: „Wir können uns vage Absichtserklärungen zur Wiedereinführung der Wehrpflicht nicht länger leisten." Die Botschaft ist unmissverständlich – Europa muss sich aus eigener Kraft schützen können, und Deutschland trägt dabei eine besondere Verantwortung.
Das aktuelle Modell: Erfassung ja, Pflicht nein
Was beinhaltet das seit Jahresbeginn geltende Wehrdienstgesetz eigentlich? Junge Männer des Jahrgangs 2008 werden zur Wehrerfassung verpflichtet. Sie müssen Angaben zu ihrer körperlichen Verfassung und ihren Qualifikationen machen. Auch eine Musterungspflicht wurde beschlossen – die allerdings aufgrund fehlender Kapazitäten noch nicht umgesetzt werden kann. Ein bezeichnendes Detail, das die Misere der Bundeswehr auf den Punkt bringt.
Eine tatsächliche Pflicht zum Wehrdienst ergibt sich aus diesen Maßnahmen nicht. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz strebt an, die Zahl der Soldaten bis 2035 auf 260.000 zu erhöhen. Ein ambitioniertes Ziel, das ohne grundlegende Änderungen kaum erreichbar sein dürfte.
Die unbequeme Wahrheit: Deutschland hat seine Verteidigung vernachlässigt
Jahrzehntelang hat die deutsche Politik die Bundeswehr systematisch kaputtgespart. Die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 unter der damaligen schwarz-gelben Koalition war der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung. Was damals als Modernisierung verkauft wurde, entpuppt sich heute als strategischer Fehler von historischem Ausmaß.
Die geopolitische Lage hat sich fundamental verändert. Der Ukraine-Krieg dauert an, die Spannungen mit Russland sind auf einem Höhepunkt, und selbst innerhalb der NATO knirscht es gewaltig. Die Zeiten, in denen sich Deutschland hinter dem amerikanischen Schutzschild verstecken konnte, neigen sich dem Ende zu. Präsident Trump hat unmissverständlich klargemacht, dass die europäischen Verbündeten mehr für ihre eigene Sicherheit tun müssen.
Ein Kulturwandel ist überfällig
Die Forderung der Jungen Union ist mehr als nur ein politisches Manöver. Sie spiegelt ein wachsendes Bewusstsein wider, dass Freiheit und Sicherheit nicht selbstverständlich sind. Generationen von Deutschen sind in dem Glauben aufgewachsen, dass Krieg in Europa undenkbar sei. Diese Illusion ist spätestens seit Februar 2022 zerplatzt.
Es ist an der Zeit, dass Deutschland seine Verantwortung als größte Volkswirtschaft Europas ernst nimmt. Eine funktionsfähige Landesverteidigung ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Ob dies durch Freiwilligkeit oder Pflicht erreicht wird, ist letztlich zweitrangig – entscheidend ist das Ergebnis.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die politische Klasse in Deutschland bereit ist, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Der Antrag der Jungen Union ist ein wichtiger Impuls – nun liegt es an der Parteiführung, diesem Impuls zu folgen.

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