
Kamikaze-Drohnen fürs Heer: Pistorius rüstet die Truppe um!

Die Bundeswehr bekommt ihr erstes eigenes Drohnenregiment. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gab den Aufbau am Donnerstag auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen bekannt. Ab 2027 sollen bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten unbemannte Systeme mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern führen.
Der Schritt kommt spät, aber er kommt. Und er zeigt, wie gründlich der Krieg in der Ukraine das Gefechtsfeld umgekrempelt hat.
Ein Verband, der bündeln soll, was verstreut war
Pistorius formulierte den Anspruch unmissverständlich:
„Wer sich zu Land durchsetzen will, der muss eben den Kampf mit unbemannten Systemen beherrschen.“
Bisher sind die entsprechenden Fähigkeiten in der Truppe auf verschiedene Einheiten verteilt. Das neue, selbstständige Regiment soll sie zusammenführen und die Einführung neuer Technik beschleunigen. Neben Fluggeräten sind auch unbemannte Landsysteme geplant. Hinzu kommt eine eigene Kompanie für den elektromagnetischen Kampf, also das Stören und Täuschen gegnerischer Funk- und Steuersignale.
Offen bleibt einiges. Einen Standort gibt es noch nicht. Medienberichten zufolge soll das Regiment der 10. Panzerdivision unterstellt werden, offiziell bestätigt ist das bislang aber nicht.
Kreisen, erkennen, zuschlagen: Was „Loitering Munition“ kann
Herzstück der Ausrüstung ist die sogenannte Loitering Munition, im Volksmund meist Kamikazedrohne genannt. Nach Definition der Bundeswehr handelt es sich allerdings nicht um Drohnen, sondern um Munition für den einmaligen Einsatz. Die Flugkörper steuern einen Einsatzraum an, kreisen dort und erfassen mit ihren Sensoren mögliche Ziele. Diese werden dem Bediener angezeigt. Ob tatsächlich angegriffen wird, entscheidet weiterhin ein Mensch.
Die Beschaffung ist bereits angelaufen. Im Februar unterzeichnete die Bundeswehr Verträge mit den deutschen Firmen Helsing und Stark, im April kam Rheinmetall hinzu. Derzeit werden unter anderem diese Systeme erprobt:
- HX-2 von Helsing
- Virtus von Stark
- FV-014 von Rheinmetall
Die ersten Waffen sollen 2027 an die Truppe gehen. Den Anfang macht die dauerhaft in Litauen stationierte Panzerbrigade 45, die mit einem Verbund aus Aufklärungsdrohnen und Loitering Munition ausgerüstet werden soll. Bis Ende 2027 soll sie voll einsatzbereit sein.
Die Lehre aus der Ukraine und ihre Grenzen
Seit 2022 führt die Ukraine vor, wie billige Drohnen teure Panzer ausschalten können. In Russlands Angriffskrieg sind sie längst Massenware, für Aufklärung wie für Angriffe. Kritiker fragen deshalb zu Recht, warum Deutschland mehr als vier Jahre brauchte, um daraus einen eigenen Verband zu formen. Andere Armeen waren schneller.
Pistorius und führende Militärs warnen allerdings vor einem Kurzschluss. Ein möglicher Konflikt zwischen Russland und der Nato würde nicht zwangsläufig so verlaufen wie in der Ukraine. Drohnen sollen Panzer, Artillerie und Kampfjets ergänzen, nicht ersetzen.
Wie das zusammenspielen kann, wurde im Juni bei der Übung Freedom Shield 2026 in Litauen getestet. Rund 2900 Soldaten aus acht Nationen trainierten mit Kampf- und Schützenpanzern, Drohnen, Artillerie und elektronischer Kampfführung. Heeresinspekteur Christian Freuding nannte das Zusammenwirken von Panzertruppe und unbemannten Systemen dabei eine Sache von hoher Bedeutung für die Landstreitkräfte.
Bergen als Testlabor und als Bewährungsprobe
Bekannt gemacht hat Pistorius seine Pläne bei der Experimentalserie Land des Heeres. In Bergen prüfen Soldaten, Forscher und Entwickler derzeit mehr als 40 Waffen, Komponenten und Rüstungsgüter unter taktischen Bedingungen. Dabei geht es um mehr als die Frage, ob ein Gerät funktioniert. Es geht auch darum, ob es sich an die bestehende IT der Bundeswehr anbinden lässt.
Und genau hier liegt der Knackpunkt. Die deutsche Beschaffung gilt seit Jahren als schwerfällig und von Bürokratie gelähmt. Ob das Drohnenregiment wirklich 2027 schlagkräftig ist, wird zeigen, ob Berlin aus alten Fehlern gelernt hat. Die Zeit dafür ist knapp, und bezahlen muss die Aufrüstung am Ende der Steuerzahler.












