
Kopenhagen wagt den Tabubruch: Dänemark stellt historisches Atomkraftverbot auf den Prüfstand
Was vor wenigen Jahren noch als politisches Sakrileg gegolten hätte, wird nun zur ernsthaften Option: Dänemark, das Musterland der Windenergie, öffnet sich erstmals offiziell für die Kernkraft. Das seit 1985 bestehende Atomkraftverbot – einst ein Heiligtum der skandinavischen Energiepolitik – wackelt bedenklich. Die Regierung in Kopenhagen hat einen gesetzlichen Rahmen geschaffen, um sogenannte Small Modular Reactors (SMR) auf ihre Tauglichkeit zu prüfen.
Ein pragmatischer Kurswechsel aus der Not geboren
Energieminister Lars Aagaard ließ keinen Zweifel daran, dass kleine modulare Kernreaktoren künftig eine Option sein könnten. Der Minister betonte dabei, dass es sich keineswegs um einen Ersatz für erneuerbare Energien handle, sondern um eine notwendige Ergänzung. Seine Worte sprechen Bände: „Grüne Energie aus Sonne und Wind ist heute und auch in Zukunft die Säule der dänischen Energieversorgung, aber wir sehen, dass sie allein nicht ausreicht."
Diese Aussage dürfte manchem deutschen Grünen-Politiker die Schamesröte ins Gesicht treiben. Während hierzulande die letzten Kernkraftwerke unter ideologischem Jubel vom Netz genommen wurden, erkennt das kleine Nachbarland im Norden die unbequeme Wahrheit: Selbst ein Windkraft-Champion wie Dänemark – mit beeindruckenden 58 Prozent Windanteil am Energiemix – kann sich nicht allein auf die Launen des Wetters verlassen.
Die Fakten auf dem Tisch: Was SMR von Großkraftwerken unterscheidet
Die Mini-Reaktoren, um die es geht, sind keine verkleinerten Versionen der klassischen Atommeiler. Mit einer typischen Leistung von bis zu 300 Megawatt elektrisch folgen sie einer völlig anderen Projektlogik. Die Internationale Energieagentur bescheinigt ihnen erhebliche Vorteile: standardisierte Bauteile, kürzere Bauzeiten und eine flexiblere Einsetzbarkeit. Während konventionelle Großkraftwerke jahrzehntelange Planungs- und Bauphasen verschlingen, könnten SMR deutlich schneller realisiert werden.
Die dänische Regierung geht dabei wohlüberlegt vor. Bevor eine endgültige Entscheidung fällt, sollen folgende Aspekte gründlich untersucht werden:
- Sicherheitsfragen und internationale Standards
- Konkrete Regulierungsanforderungen
- Der Umgang mit radioaktiven Abfällen
- Belastbare Kostenschätzungen
Ein Lehrstück für Deutschland?
Der dänische Vorstoß entlarvt die deutsche Energiepolitik als das, was sie ist: ein ideologiegetriebenes Experiment auf Kosten der Versorgungssicherheit. Während Kopenhagen nüchtern analysiert und alle Optionen offenhält, hat Berlin seine Kernkraftwerke in einem Akt beispielloser energiepolitischer Selbstverstümmelung abgeschaltet – und das ausgerechnet inmitten einer Energiekrise.
Die Dänen zeigen, wie verantwortungsvolle Energiepolitik aussehen kann: pragmatisch, technologieoffen und frei von ideologischen Scheuklappen. Das Parlament hatte 1985 das Atomkraftverbot beschlossen, doch anders als in Deutschland ist man dort offenbar bereit, historische Entscheidungen im Licht neuer Erkenntnisse zu überdenken.
Versorgungssicherheit schlägt Ideologie
Der Blick auf den dänischen Energiemix verdeutlicht die Herausforderungen: Neben den dominierenden 58 Prozent Windenergie und elf Prozent Solar spielen Biokraftstoffe mit 18 Prozent sowie Kohle und Abfall mit jeweils fünf Prozent eine Rolle. Die Abhängigkeit von wetterabhängigen Energiequellen macht das System verwundbar – eine Erkenntnis, die sich auch in Deutschland früher oder später durchsetzen dürfte.
Ob Dänemark tatsächlich Mini-Atomkraftwerke bauen wird, steht noch in den Sternen. Doch allein die Tatsache, dass ein Land mit derart ausgeprägter Windkraft-Tradition diese Option ernsthaft prüft, sollte deutschen Politikern zu denken geben. Die Energiewende braucht keine Dogmen, sondern Lösungen.












