
Lawrows Iran-Plan: Moskau umarmt die „islamische NATO“ – trotz Türkei

Russlands Außenminister Sergej Lawrow begrüßt das neue Verteidigungsbündnis von Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei. Bei einem Auftritt am 7. September in Moskau sagte er, das Bündnis könnte eines Tages auch den Iran aufnehmen. Nach außen klingt das nach Harmonie. Hinter den Kulissen dürfte der Kreml das Bündnis deutlich nüchterner betrachten.
Ein Pakt nach NATO-Vorbild
Am 7. August 2026 unterzeichneten die drei Staaten das sogenannte Mekka-Verteidigungsabkommen. Der Kern ist aus Brüssel bekannt: Ein Angriff auf ein Mitglied gilt als Angriff auf alle. Das Abkommen baut auf einem saudisch-pakistanischen Beistandspakt vom September 2025 auf. Zum Dreierbund wurde es erst durch den Beitritt der Türkei.
Der Pakt existiert nicht nur auf dem Papier. Anfang Oktober griff er Medienberichten zufolge zum ersten Mal: Nach Raketen- und Drohnenangriffen der jemenitischen Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien beschlossen die Partner, ihre Abschreckung zu aktivieren und schnell Truppen in das Königreich zu verlegen. Damit hat die Allianz einen Ernstfall hinter sich, nur zwei Monate nach ihrer Gründung.
Lawrows altes Lieblingsprojekt
Lawrow äußerte sich vor Studenten der Moskauer Diplomatenhochschule MGIMO. Er ordnete das Bündnis in Russlands Konzept für kollektive Sicherheit am Persischen Golf ein, das Moskau seit mehr als zwei Jahrzehnten vertritt. Der jüngste Golfkrieg im Frühjahr habe dieser Idee neue Dringlichkeit gegeben.
Die Gründerstaaten hätten betont, das Bündnis stehe auch anderen Ländern offen, sagte Lawrow. Würden eines Tages auch Bedingungen für eine Beteiligung des Iran vereinbart, könnte daraus nach seinen Worten der beste konkrete Schritt hin zum russischen Konzept werden. Russland unterstütze grundsätzlich, worauf sich die betroffenen Staaten selbst verständigten. Einen Tag später empfing Lawrow den saudischen Außenminister Faisal bin Farhan in Moskau.
Das Problem heißt Ankara
Ein Blick auf die Mitglieder zeigt, warum die Freude kaum ungetrübt sein kann. Alle drei Gründerstaaten sind eng an den Westen gebunden. Die Türkei ist NATO-Mitglied. Pakistan und Saudi-Arabien haben in Washington den Status „wichtiger Verbündeter außerhalb der NATO“.
In der russischen Expertendebatte wird darüber gestritten. Der Programmdirektor des Waldai-Klubs, Timofej Bordatschow, sieht in der Mekka-Allianz durchaus Vorteile für Russland. Kritiker halten dagegen. Die Türkei könnte über den im August 2025 vereinbarten „Trump-Korridor“ im Südkaukasus den westlichen Einfluss bis nach Zentralasien tragen. Pakistan werfen sie vor, Instabilität in Afghanistan zu befördern. Saudi-Arabien könnte all das finanzieren.
Sogar der russische Türkei-Kenner Farhad Ibragimow hat seine Sicht inzwischen geändert. Bislang hatte er bestritten, dass Ankara gegen Moskau die Interessen der USA vertrete. Dann wurde ein umfangreiches Rüstungsgeschäft der Türkei mit der Ukraine bekannt, dem Washington zugestimmt haben soll. Laut den Berichten überraschte das selbst Lawrows Sprecherin.
Diplomatisches Lächeln, strategisches Misstrauen
Moskau spielt also ein doppeltes Spiel, wie es in der Geopolitik üblich ist. Offiziell begrüßt der Kreml das Bündnis. Er kennt aber die Rivalität mit Erdogans Türkei, dem Mitglied, das geografisch am nächsten an Russland liegt. Öffentlich werden russische Diplomaten darüber wohl schweigen. Kritischere Töne sind eher von Experten und Medien zu erwarten.
Für Europa ist das Signal deutlich: Die Sicherheitsordnung im Nahen und Mittleren Osten verändert sich, ohne dass Brüssel oder Berlin daran beteiligt wären. Ein Bündnis mit einer Atommacht im Zentrum entsteht, während die EU vor allem über sich selbst diskutiert. Ob sich daraus Stabilität oder ein neuer Konfliktherd entwickelt, ist offen. In solchen Phasen der Unsicherheit setzen viele Sparer seit jeher auf Gold und Silber als Sicherheitsanker.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser ist angehalten, eigene Recherchen anzustellen, und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.
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