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Kettner Edelmetalle
17.02.2026
18:05 Uhr

Magnetschwebebahn für Berlin: Zwischen Zukunftsvision und politischem Stillstand

Während Deutschlands Infrastruktur an allen Ecken und Enden bröckelt, entbrennt in der Hauptstadt ein bemerkenswerter Streit um ein Verkehrsprojekt, das eigentlich Hoffnung machen könnte. In Berlin-Spandau soll möglicherweise eine Magnetschwebebahn entstehen – doch wie so oft in diesem Land stehen sich Fortschrittsdenken und Bedenkenträgertum unversöhnlich gegenüber.

Eine Senatorin kämpft gegen die Bürokratie-Mühle

CDU-Verkehrssenatorin Ute Bonde hält an ihren Plänen fest. Gemeinsam mit Staatssekretär Arne Herz treibt sie das Vorhaben voran, den Berliner Westraum mit einer modernen Magnetschwebebahn zu erschließen. Konkret geht es um eine erste Ausbaustufe zwischen der Urban Tech Republic auf dem ehemaligen Flughafen Tegel und dem Bereich östlich des Havelufers. Damit liegt nach Jahren vager Diskussionen erstmals ein greifbarer Vorschlag auf dem Tisch.

Doch der Weg dorthin gleicht einem Hindernislauf. Zwar wurde das Projekt bei der jüngsten Sitzung der Senatskommission Wohnungsbau nicht explizit abgelehnt – es wurde allerdings auch nicht behandelt. Ein typisch berlinerisches Schicksal: Man redet seit 2016 über die Magnetschwebebahn, ohne dass auch nur ein Meter Strecke gebaut worden wäre. Bausenator Christian Gaebler von der SPD verwies darauf, dass die Verkehrsanbindung der neuen Wohnviertel in Gartenfeld anderweitig gesichert sei. Ab 2028 solle eine weitere Brücke auf die gleichnamige Insel führen, 2029 fahre die S-Bahn nach sage und schreibe 49 Jahren Pause wieder nach Gartenfeld. So verspreche es zumindest die Deutsche Bahn – wobei man bei Versprechen der Deutschen Bahn bekanntlich einen gewissen Sicherheitsabstand einhalten sollte.

Der BUND schießt scharf – und trifft daneben?

Erwartungsgemäß formiert sich Widerstand aus dem grün-ökologischen Lager. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht von „Illusionen" und wirft der Senatorin vor, jahrelange Planungsvorleistungen für eine Straßenbahn in die Mülltonne befördern zu wollen. Die Magnetschwebebahn sei ein „isoliertes System", das möglicherweise nie über einen Pendelbetrieb hinauskomme. Unnötige Umsteigezwänge seien „Gift für die Attraktivität des Nahverkehrs", so BUND-Verkehrsexpertin Katharina Wolf.

Man reibt sich verwundert die Augen. Ausgerechnet ein Umweltverband stellt sich gegen ein emissionsfreies, energieeffizientes Verkehrsmittel? Die Argumentation des BUND offenbart ein Grundproblem der deutschen Debattenkultur: Statt Innovationen eine Chance zu geben, wird reflexhaft gebremst. Die Einwände klingen auf den ersten Blick plausibel – eine aufgeständerte Trasse könne auf „erhebliche Widerstände" stoßen, Privatgrundstücke müssten überbrückt werden, und mit dem Bauunternehmen Max Bögl stehe in Europa derzeit nur ein Hersteller zur Verfügung. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich viele dieser Argumente als Scheingefechte.

Branchenkenner widersprechen vehement

In Fachkreisen stößt die Kritik des BUND auf deutlichen Widerspruch. Aufgeständerte Verkehrssysteme seien in Städten keineswegs ein Novum – man denke nur an die Hochbahnen in Berlin und Hamburg, die seit über einem Jahrhundert ihren Dienst verrichten. Eine Magnetbahnstrecke auf Stelzen vermeide sogar Gefahrensituationen und erhöhe die Verkehrssicherheit. Der Raum unterhalb der Trasse stehe weiterhin für Radverkehr, Fußgängerwege oder andere Nutzungen zur Verfügung – ein Argument, das die Straßenbahn-Befürworter nicht entkräften können.

Auch die Sorge vor einer Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller wird zurückgewiesen. Das Gesamtsystem bestehe aus standardisierten Bahnkomponenten, die unabhängig von Max Bögl auf dem Zuliefermarkt beschafft werden könnten. Machbarkeitsstudien für Strecken in Baden-Württemberg und Nürnberg hätten zudem gezeigt, dass die Betriebskosten einer Magnetschwebebahn aufgrund geringeren Verschleißes und niedrigeren Personalbedarfs deutlich unter denen einer Straßenbahn lägen.

Deutschland verlernt das Bauen – und das Denken

Was sich in Berlin abspielt, ist symptomatisch für den Zustand der gesamten Republik. Ein Land, das einst den Transrapid entwickelte und dann nicht den Mut hatte, ihn im eigenen Land einzusetzen, diskutiert nun seit fast einem Jahrzehnt über eine vergleichsweise bescheidene Magnetschwebebahnstrecke in einem Berliner Bezirk. Während China längst Hochgeschwindigkeits-Magnetschwebebahnen plant und andere Nationen technologische Quantensprünge vollziehen, verstrickt sich Deutschland in endlosen Genehmigungsverfahren und ideologischen Grabenkämpfen.

Der eigentliche Skandal liegt tiefer. Spandaus Baustadtrat Thorsten Schatz bringt den Kern des Problems auf den Punkt: Eine aufgeständerte Trasse wäre deshalb die bessere Lösung, weil für eine Straßenbahn Autostellplätze wegfallen müssten. Aus demselben Grund komme auch das bereits 2019 geplante Buskonzept für den Westraum nicht voran. Man lese das noch einmal langsam: Seit sechs Jahren scheitert selbst ein simples Buskonzept an der Stellplatzfrage. Das ist kein Planungsproblem – das ist ein Offenbarungseid.

Hamburg macht es vor

Immerhin: Berlin steht mit seinen Überlegungen nicht allein. Auch Hamburg erstellt derzeit eine Machbarkeitsstudie für eine Magnetschwebebahnstrecke. Das Transport System Bögl, das auf einer Teststrecke bei Neumarkt in der Oberpfalz bereits erfolgreich unterwegs ist, wird als „vollständig ausgereiftes und erprobtes Verkehrsmittel" beschrieben. Es sei baulich schnell umsetzbar, im Betrieb günstiger und sicherer als die Straßenbahn, energieeffizient und genehmigungsfähig.

Die entscheidende Frage lautet: Hat die neue Große Koalition unter Friedrich Merz den politischen Willen, solche Infrastrukturprojekte tatsächlich voranzutreiben? Das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur wäre theoretisch der richtige Rahmen. Doch wenn schon eine Magnetschwebebahn in einem einzigen Berliner Bezirk an Bedenkenträgern und Blockierern zu scheitern droht, wie soll dann der große Wurf gelingen?

Deutschland braucht nicht noch mehr Studien, Kommissionen und Prüfverfahren. Deutschland braucht den Mut, endlich wieder zu bauen. Die Magnetschwebebahn in Spandau könnte ein Signal sein – wenn man sie denn lässt.

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