
Meinungsfreiheit vor Gericht: London zahlt 25.000 Pfund an Trans-Kritiker Graham Linehan
Es ist ein Sieg, der teuer erkauft wurde – aber es ist ein Sieg. Fast ein Jahr, nachdem fünf bewaffnete Polizisten den irischen Drehbuchautor Graham Linehan am Londoner Flughafen wie einen Schwerverbrecher in Gewahrsam nahmen, muss die Londoner Polizei zurückrudern. 25.000 Pfund Entschädigung soll der Comedian nun erhalten. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: An seinen Äußerungen war rein gar nichts auszusetzen.
Fünf bewaffnete Beamte für ein paar Tweets
Man stelle sich die Szenerie vor. Ein Mann, bekannt geworden als Autor gefeierter Sitcoms wie „Father Ted“ und „The IT Crowd“, wird von einem halben Dutzend bewaffneter Ordnungshüter empfangen. Der Vorwurf? „Anstiftung zur Gewalt“. Der eigentliche Grund? Ein paar zugespitzte Beiträge auf dem Kurznachrichtendienst X, in denen Linehan die Methoden der Trans-Bewegung kritisierte.
Die Behörde selbst räumte am Donnerstag ein, es habe „Mängel sowohl bei den Ermittlungen als auch bei der Festnahme“ gegeben. Für die entstandenen „Leiden und Unannehmlichkeiten“ bitte man um Entschuldigung. Wie großzügig. Ein Mann wird kriminalisiert, sein Ruf beschädigt, seine Meinungsfreiheit mit Füßen getreten – und am Ende reicht eine höfliche Entschuldigung samt Scheck?
Wenn Meinung zum Verbrechen erklärt wird
Besonders brisant: Als Bedingung für seine Freilassung gegen Kaution soll Linehan angewiesen worden sein, keine weiteren Beiträge auf X mehr zu verfassen. Ein staatlich verordnetes Schweigegebot also, ausgesprochen gegen einen Bürger, der lediglich seine Meinung kundtat. In welcher Zeit leben wir, wenn ein westlicher Rechtsstaat einem Menschen das Reden verbietet?
„Verwirrten Kindern, die sich vielleicht jede Sekunde in ihrer eigenen Haut unwohl fühlen, zu sagen, dass sie im falschen Körper gefangen sind – das ist obszön“, so Linehan bereits 2019.
Der Ire scheute sich nie, seine Skepsis gegenüber einer „frühen Bestärkung“ in der Transsexualität offen auszusprechen. Für ihn gliche das dem Wahnsinn, magersüchtigen Kindern zu einer Fettabsaugung zu raten. Dass solche Sätze eine Festnahme durch bewaffnete Einsatzkräfte nach sich ziehen, sagt weniger über Linehan aus – als über den bedenklichen Zustand der britischen Gesellschaft.
Freispruch auf ganzer Linie
Auch die weiteren gegen ihn erhobenen Vorwürfe – angebliche Nötigung eines selbsternannten Transaktivisten und Sachbeschädigung – lösten sich vor Gericht in Luft auf. Die britischen Gerichte sprachen ihn von sämtlichen Anschuldigungen frei. Bereits 2020 hatte der Sender Channel 4 eine Folge seiner Kultserie aus der Mediathek verbannt, weil sie als „transfeindlich“ gegeißelt wurde. Die Cancel-Culture kennt keine Gnade.
Ein Weckruf, der über die Insel hinausreicht
Der Fall Linehan ist mehr als eine britische Randnotiz. Er ist ein Menetekel für ganz Europa. Wenn eine sarkastische Bemerkung genügt, um bewaffnete Staatsgewalt auf einen unbescholtenen Bürger zu hetzen, dann ist die Meinungsfreiheit nicht bloß bedroht – sie liegt bereits auf der Intensivstation. Auch hierzulande sollten wir wachsam sein, wenn abweichende Meinungen zunehmend als „Hass“ oder „Hetze“ etikettiert werden. Die Grenze zwischen legitimer Kritik und angeblichem Straftatbestand verschwimmt gefährlich schnell.
Die 25.000 Pfund mögen ein später Triumph sein. Doch sie ändern nichts an der beklemmenden Erkenntnis, dass in westlichen Demokratien das freie Wort offenbar wieder erkämpft werden muss – Tweet für Tweet, Prozess für Prozess.

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