
Merz telefoniert mit Pakistan: Diplomatisches Tauwetter mitten im Nahostinferno
Während im Nahen Osten die Waffen donnern und die Welt den Atem anhält, greift Bundeskanzler Friedrich Merz zum Telefonhörer. Am Donnerstag sprach der CDU-Politiker mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif – und dankte ihm ausdrücklich für dessen Vermittlungsbemühungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Ein bemerkenswerter Vorgang, der Fragen aufwirft: Findet Deutschland endlich zurück auf die diplomatische Bühne, oder handelt es sich lediglich um symbolische Gesten in einer Krise, die längst außer Kontrolle geraten ist?
Pakistan als Brückenbauer zwischen Washington und Teheran
Wie der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille mitteilte, hätten sich beide Regierungschefs zur Lage im Nahen Osten ausgetauscht. Man sei sich einig gewesen, dass ein dauerhaftes Ende des Krieges nur auf diplomatischem Wege erreicht werden könne. Darüber hinaus hätten Merz und Sharif vereinbart, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Pakistan weiter vertiefen zu wollen.
Dass ausgerechnet Pakistan – eine Atommacht mit eigenen geopolitischen Interessen und historisch engen Beziehungen sowohl zu Washington als auch zur islamischen Welt – als Vermittler zwischen den USA und dem Iran auftritt, ist bemerkenswert. Es zeigt, wie sehr sich die geopolitischen Koordinaten verschoben haben. Die traditionellen europäischen Vermittler, allen voran Deutschland und Frankreich, scheinen in dieser Krise an den Rand gedrängt worden zu sein. Umso bezeichnender, dass Merz nun den Kontakt nach Islamabad sucht, statt selbst die Initiative zu ergreifen.
Berlin nimmt Gespräche mit Teheran wieder auf
Bereits am Nachmittag desselben Tages hatte Merz eine weitere bemerkenswerte Ankündigung gemacht: Die Bundesregierung wolle den Gesprächsfaden mit der iranischen Regierung wieder aufnehmen. „Nach langem Schweigen, für das es auf unserer Seite schwerwiegende Gründe gab", so der Kanzler in einem Statement, nehme man nun die Gespräche mit Teheran wieder auf. Das Ziel sei es, einen eigenen Beitrag zum Erfolg der anstehenden Verhandlungen zu leisten.
Man darf sich durchaus fragen, warum diese Wiederaufnahme erst jetzt erfolgt. Die Eskalation im Nahen Osten – mit israelischen Großangriffen auf iranische Atomanlagen und iranischen Vergeltungsschlägen – war seit Monaten absehbar. Dass Deutschland sich diplomatisch derart lange zurückgezogen hat, dürfte weniger strategischem Kalkül als vielmehr der innenpolitischen Lähmung geschuldet sein, die das Land seit dem Zerfall der Ampelkoalition und den langwierigen Koalitionsverhandlungen geprägt hat.
Deutliche Worte Richtung Jerusalem
Beachtlich ist indes der Ton, den Merz gegenüber Israel anschlägt. Der Kanzler rief die israelische Regierung unmissverständlich dazu auf, ihre Angriffe auf den Libanon einzustellen. Die Härte, mit der Israel dort Krieg führe, könne den gesamten Friedensprozess zum Scheitern bringen – und das dürfe nicht geschehen. Merz erklärte, er habe gemeinsam mit weiteren Staats- und Regierungschefs die israelische Regierung gebeten, ihre „nochmals verschärften Angriffe" zu beenden.
Solche Worte wären unter der Vorgängerregierung kaum denkbar gewesen. Die Ampelkoalition hatte sich stets in diplomatischen Floskeln geübt, wenn es um Kritik an Israel ging. Dass Merz hier Klartext spricht, mag man als Zeichen einer neuen außenpolitischen Handschrift werten. Ob diese Worte in Jerusalem allerdings Gehör finden, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Diplomatie statt Eskalation – aber reicht das?
Die Frage, die sich der deutsche Bürger stellen muss, ist eine grundsätzliche: Verfügt Deutschland überhaupt noch über das diplomatische Gewicht, um in einem Konflikt dieser Dimension eine Rolle zu spielen? Jahre der außenpolitischen Selbstverzwergung, eine kaputtgesparte Bundeswehr und eine Wirtschaft, die unter Energiepreisen und Bürokratie ächzt, haben Deutschlands Stimme in der Welt leiser werden lassen. Ein Telefonat hier, ein Statement dort – das mag gut gemeint sein, doch ohne wirtschaftliche und militärische Substanz bleiben solche Gesten das, was sie sind: Worte.
Immerhin zeigt die Kontaktaufnahme mit Pakistan und die Wiederaufnahme der Gespräche mit dem Iran, dass die neue Bundesregierung zumindest den Willen hat, sich diplomatisch einzubringen. Ob daraus mehr wird als Symbolpolitik, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Uhr tickt – und im Nahen Osten zählt jede Stunde.
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