
Öl-Schach am Persischen Golf: Während Hormus brennt, sichert sich Abu Dhabi den asiatischen Markt

Es ist ein Lehrstück in geopolitischer Cleverness, das sich derzeit im Schatten des Iran-Krieges abspielt. Während die Welt gebannt auf die Straße von Hormus starrt – jene berühmt-berüchtigte Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels gepresst wird – zieht die staatliche Ölgesellschaft von Abu Dhabi, kurz Adnoc, ihre Geschäfte unbeirrt durch. Mindestens 14 Millionen Barrel Rohöl hat der Konzern an Abnehmer in Asien verkauft. Es seien, so berichten Händler unter Berufung auf Bloomberg, die ersten Angebote dieser Größenordnung seit Ausbruch des Konflikts.
Wenn andere zittern, liefert Abu Dhabi
Die Sorten Upper Zakum, Umm Lulu und Das wechselten den Besitzer – verschifft werden sie zwischen Juni und August. Und das Schauspiel ist noch lange nicht zu Ende: Eine weitere Ausschreibung mit ähnlichen Konditionen sei bereits in Vorbereitung und solle noch in dieser Woche abgeschlossen werden. Man könnte fast meinen, in den Vereinigten Arabischen Emiraten habe man begriffen, was hierzulande gerne vergessen wird: Wer in Krisenzeiten kühlen Kopf bewahrt und auf belastbare Infrastruktur setzt, gewinnt.
Während andere Produzenten zittern, wenn in der Straße von Hormus die Spannung steigt, hält Abu Dhabi seine Lieferungen schlicht aufrecht – über Terminals, die außerhalb des Golfs liegen.
Der strategische Joker: Fujairah und Sohar
Hier liegt der eigentliche Clou. Ein Teil der Lieferungen könne über die Häfen Fujairah und Sohar abgewickelt werden – beide jenseits des Persischen Golfs gelegen. Damit umschiffen die Tanker, im wahrsten Sinne des Wortes, die derzeit hochbrisante Straße von Hormus. Jene Engstelle, die zu den verwundbarsten Nervenpunkten des globalen Energiemarktes zählt. Was lehrt uns das? Wer mehrere Wege offen hält, macht sich nicht erpressbar. Eine Lektion, die man der deutschen Energiepolitik dringend ins Stammbuch schreiben möchte, nachdem man dort jahrelang mit ideologischer Begeisterung alle Optionen reihenweise abgeschaltet hat.
Asien greift zu – Europa schaut zu
Die Abnehmer? China, Japan, Südkorea und Indien. Die aufstrebenden Wirtschaftsmächte des Ostens sichern sich, was sie brauchen, und zwar zu erstaunlich moderaten Preisen – meist nur wenige Dollar über dem Dubai-Referenzpreis, eine Lieferung gar mit einem Abschlag. Während Deutschland sich in Debatten über Heizungsverbote und Klimaneutralität bis 2045 verliert, betreiben andere nüchterne Realpolitik. Die exportierten Mengen lägen zwar weiterhin unter dem Vorkriegsniveau, doch Abu Dhabi erhöhe schrittweise und bringe zusätzliches Öl auf einen ohnehin angespannten Markt.
Was das für Anleger bedeutet
Die Entwicklung im Nahen Osten bleibt ein hochexplosiver Risikofaktor für Preise und Handelsströme. Geopolitische Verwerfungen dieser Art zeigen einmal mehr, wie fragil die globalen Versorgungsketten geworden sind – und warum krisenfeste Sachwerte ihre Bedeutung behalten. Physisches Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Anker bewährt, gerade dann, wenn an den Energie- und Finanzmärkten die Nerven blank liegen. Als sinnvolle Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen können sie ein solider Baustein zur Absicherung sein.
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Er ersetzt keine individuelle Beratung. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Investition eigenständig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.
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