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Kettner Edelmetalle
20.03.2026
17:23 Uhr

Ölchaos im Nahen Osten: Washington will iranisches Öl entsanktionieren, um Preisexplosion einzudämmen

Was wie ein schlechter Witz klingt, ist bittere Realität der amerikanischen Energiepolitik im Frühjahr 2026: Die Trump-Administration erwägt allen Ernstes, Sanktionen auf iranisches Öl aufzuheben, das sich bereits auf hoher See befindet – und das ausgerechnet mitten in einem bewaffneten Konflikt mit dem Iran. Man reibt sich verwundert die Augen.

Bessent spricht von 140 Millionen Barrel auf dem Wasser

US-Finanzminister Scott Bessent erklärte am Donnerstag bei Fox Business, die Regierung könne in den kommenden Tagen rund 140 Millionen Barrel iranisches Öl freigeben, das sich derzeit auf sanktionierten Tankern befinde. Man wolle, so Bessent wörtlich, „die iranischen Barrel gegen die Iraner verwenden", um den Ölpreis für die nächsten zehn bis vierzehn Tage niedrig zu halten. Eine bemerkenswerte Logik: Man führt Krieg gegen ein Land und kauft gleichzeitig dessen Öl, um die eigenen Bürger vor den Konsequenzen eben dieses Krieges zu schützen.

Dieser Schritt reiht sich ein in eine Serie verzweifelter Maßnahmen. Erst vor wenigen Tagen hatte Washington Sanktionen auf russisches Öl „vorübergehend" gelockert, das auf sanktionierten Tankern lagerte. Die Ironie könnte kaum größer sein: Sowohl Russland als auch der Iran – beide offiziell mit harten Sanktionen belegt – werden durch diese Kehrtwenden faktisch legitimiert und gestärkt.

Die Straße von Hormus: Nadelöhr der Weltwirtschaft

Der Hintergrund dieser hektischen Betriebsamkeit ist dramatisch. Seit die USA und Israel im Februar ihre gemeinsame Militäroperation starteten, hat der Iran mit Angriffen die Straße von Hormus weitgehend lahmgelegt. Die Internationale Energieagentur berichtete vergangene Woche, dass die Öl- und Produktflüsse durch die Meerenge von rund 20 Millionen Barrel pro Tag auf ein „Rinnsal" zusammengeschrumpft seien – die größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte der globalen Energiemärkte.

Die Folgen sind verheerend. In den USA sind die Benzinpreise seit Kriegsbeginn um mehr als 85 Cent pro Gallone gestiegen. Noch dramatischer ist die Lage in Asien: Zwischen dem über Oman nach Asien gelieferten Öl zu 167 Dollar pro Barrel und dem amerikanischen WTI-Preis von 97 Dollar klafft eine fast 70 Dollar breite Schere. Brent notiert bei 113 Dollar und entkoppelt sich zunehmend vom WTI – befeuert durch Befürchtungen, Washington könnte Ölexporte verbieten und damit die 2015 unter Obama getroffene Entscheidung zur Exportfreigabe rückgängig machen.

Strategische Ölreserve: Wie weit darf man gehen?

Neben der Entsanktionierung iranischen Öls hat die Administration bereits 172 Millionen Barrel aus der Strategischen Petroleumreserve (SPR) freigegeben. Im Weißen Haus werde diskutiert, weitere 100 Millionen Barrel nachzulegen. Doch hier regt sich Widerstand aus den eigenen Reihen: Militärberater sollen besorgt sein, dass eine zu starke Entleerung der Reserve das Land verwundbar mache – insbesondere wenn weitere Energieinfrastruktur im Nahen Osten zerstört würde. Sie drängen auf maximal 50 Millionen zusätzliche Barrel. Das Energieministerium dementierte unterdessen, dass eine weitere Freigabe geplant sei.

Bemerkenswert ist auch, dass die iranischen Ölexporte am 17. März auf über vier Millionen Barrel pro Tag hochschnellten – mehr als das Doppelte des Vorkriegsdurchschnitts von knapp über zwei Millionen Barrel. Sollte der Iran dieses Niveau halten können, hätte der Krieg paradoxerweise dazu geführt, dass Teheran mehr Öl exportiert als zuvor.

China sitzt auf einem gewaltigen Ölpolster

Während der Westen fieberhaft nach Lösungen sucht, beobachtet Peking das Geschehen mit der Gelassenheit eines Schachspielers, der seine Figuren längst positioniert hat. China, traditionell der größte Abnehmer von Golf-Öl, hat in den vergangenen Jahren still und leise seine strategische Petroleumreserve auf geschätzte 1,5 Milliarden Barrel aufgefüllt – mehr als die gesamten 1,2 Milliarden Barrel aller IEA-Mitgliedsstaaten zusammen. Die entscheidende Frage lautet: Wird Peking diese Reserve jetzt anzapfen, während die asiatischen Preise astronomisch hoch sind? Oder wartet man auf einen „strategischeren Moment" – etwa eine mögliche Konfrontation um Taiwan?

Ein geopolitisches Lehrstück mit bitterem Beigeschmack

Was wir hier beobachten, ist ein geopolitisches Lehrstück erster Güte. Die Vereinigten Staaten, die sich als Ölexporteur in einer vermeintlich komfortablen Position wähnen – Bessent betonte, die USA seien schließlich Ölexporteur und die Verbündeten bräuchten das Öl –, verstricken sich in immer neue Widersprüche. Man sanktioniert und entsanktioniert im Wochentakt, leert strategische Reserven und lockert gleichzeitig mit dem Jones Act ein Schifffahrtsgesetz, um ausländischen Tankern den Transport zwischen US-Häfen zu ermöglichen.

Für Europa und insbesondere für Deutschland, das ohnehin unter einer fragilen Energieversorgung leidet, sind diese Entwicklungen alarmierend. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz wird sich fragen lassen müssen, wie sie Deutschland in dieser zunehmend instabilen Weltlage energiepolitisch absichern will. Das 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur wäre jedenfalls besser in eine resiliente Energieversorgung investiert als in ideologisch motivierte Klimaprojekte.

Eines zeigt diese Krise mit aller Deutlichkeit: Physische Werte – ob Energie, Rohstoffe oder Edelmetalle – sind in Zeiten geopolitischer Verwerfungen das Einzige, was wirklich zählt. Wer sein Vermögen in Zeiten explodierender Ölpreise, galoppierender Inflation und militärischer Eskalation schützen will, sollte über eine Beimischung physischer Edelmetalle wie Gold und Silber in seinem Portfolio ernsthaft nachdenken. Sie haben sich über Jahrtausende als Krisenwährung bewährt – und daran wird auch die nächste geopolitische Erschütterung nichts ändern.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfältiger Recherche getroffen werden. Für etwaige finanzielle Verluste, die aus Anlageentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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