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Kettner Edelmetalle
10.02.2026
19:31 Uhr

Peking setzt weiter auf Berlin: Warum China Deutschland trotz aller Krisen nicht abschreibt

Während Deutschland unter wirtschaftlicher Stagnation, politischer Orientierungslosigkeit und den Nachwirkungen einer desaströsen Ampel-Ära ächzt, blickt man in Peking offenbar mit erstaunlicher Gelassenheit auf den einstigen Exportweltmeister. Der chinesische Politikexperte Zichen Wang, Gründer des einflussreichen China-Newsletters „Pekingnology" und stellvertretender Generalsekretär des Pekinger Thinktanks Center for China and Globalization, zeichnet im Gespräch mit der Berliner Zeitung ein Bild, das so manchen deutschen Pessimisten überraschen dürfte – und zugleich unbequeme Fragen aufwirft.

Europa als Krisengebiet – aber kein Auslaufmodell

Die Diagnose ist schonungslos ehrlich: Der Ukraine-Krieg dauert mittlerweile fast vier Jahre an und verschlingt astronomische Summen europäischer Steuergelder. Das transatlantische Bündnis wankt unter dem Druck eines unberechenbaren Donald Trump, der mit seinen 20-Prozent-Zöllen auf EU-Importe die wirtschaftlichen Beziehungen systematisch torpediert. Und Europas Wettbewerbsfähigkeit? Sie steht, wie Wang diplomatisch formuliert, „massiv unter Druck". Man könnte es auch deutlicher sagen: Die jahrelange Vernachlässigung industriepolitischer Grundlagen, die ideologiegetriebene Energiewende und ein regulatorischer Wahnsinn haben den Standort Europa – und insbesondere Deutschland – in eine prekäre Lage manövriert.

Dennoch, so Wang, sei Europa „kein Museum". Eine bemerkenswerte Aussage, die man als Kompliment verstehen kann – oder als sanfte Warnung, dass es durchaus eines werden könnte, wenn man nicht aufpasst. Das Pro-Kopf-BIP liege weiterhin deutlich über dem chinesischen Niveau, der Lebensstandard sei hoch, und Unternehmen wie Airbus bewiesen, dass europäische Ingenieurskunst nach wie vor Weltklasse sei. Für chinesische Investoren und Unternehmen bleibe der Kontinent daher attraktiv.

Macron als Pekings Liebling – und Deutschland?

Besonders aufschlussreich ist Wangs Einschätzung der europäischen Machtdynamik aus chinesischer Perspektive. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werde in China „wie ein Rockstar empfangen", habe erfolgreich eine persönliche Beziehung zur chinesischen Führung aufgebaut und strebe nun jährliche Gipfeltreffen an. Macron hat öffentlich erklärt, chinesische Investitionen in Europa seien willkommen – eine Haltung, die in Brüssel nicht überall auf Gegenliebe stößt, in Peking aber sehr wohl registriert wird.

Deutschland hingegen befindet sich in einer Phase des Übergangs. Unter Angela Merkel seien die Beziehungen zu China „sehr stabil" gewesen, so Wang. Seitdem habe sich vieles verändert. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, das Verhältnis zu Peking neu zu kalibrieren – zwischen wirtschaftlichem Pragmatismus und geopolitischer Positionierung. Der geplante China-Besuch des Bundeskanzlers Ende Februar 2026 wird dabei zum Lackmustest. Wang erwartet, dass es um Wirtschaftskooperation gehen werde, aber auch um die heikle Frage, ob China mehr Einfluss auf Russland ausüben könne, um den Ukraine-Krieg zu beenden.

Die unbequeme Wahrheit über Chinas Russland-Verbindung

Hier wird es heikel. China ist Russlands größter Handelspartner und beliefert Moskau weiterhin in erheblichem Umfang mit sogenannten Dual-Use-Gütern – darunter auch Bauteile für Drohnen, die im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Wang räumt dies ein, betont aber gleichzeitig, dass China diplomatisch aktiv sei und Sondergesandte nach Europa entsandt habe. Ob Peking Russlands Verhalten „grundlegend ändern" könne, sei offen. Eine diplomatische Formulierung, die man auch als klares „Nein" lesen kann.

Die Realität ist nüchterner, als es die chinesische Diplomatie gerne darstellt: Peking profitiert massiv von der geopolitischen Schwächung des Westens durch den Ukraine-Krieg. Billige russische Energie fließt nach China, während Europa seine Industrie mit teuren Alternativen am Leben zu halten versucht. Dass China gleichzeitig als ehrlicher Friedensmakler auftreten möchte, gehört zu den großen Widersprüchen der aktuellen Weltpolitik.

Trumps Zollpolitik als Katalysator?

Interessant ist Wangs Einschätzung zur Frage, ob Trumps aggressive Handelspolitik Europa automatisch in Chinas Arme treibe. Seine Antwort fällt differenzierter aus, als man erwarten würde: Eine größere Distanz zwischen Europa und den USA führe nicht automatisch zu einer engeren Beziehung zwischen Europa und China. Gleichwohl erzeuge ein „unberechenbares Amerika" Risiken, die europäische Wirtschaftsvertreter dazu brächten, nach Alternativen zu suchen. Und China sei nun einmal ein riesiger Markt – und zunehmend auch ein Innovationszentrum.

Diese Einschätzung sollte in Berlin aufhorchen lassen. Denn sie offenbart ein fundamentales Dilemma der deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik: Einerseits predigt man in Sonntagsreden die „Diversifizierung" weg von China, andererseits braucht die deutsche Industrie den chinesischen Markt wie die Luft zum Atmen. Die Automobilbranche, der Maschinenbau, die Chemie – sie alle sind in einem Maße von China abhängig, das jede Entkopplungsrhetorik zur Farce macht.

Deutschlands Stärken – und seine blinden Flecken

Wang schließt mit einer Beobachtung, die gleichermaßen charmant wie entlarvend ist: Der öffentliche Nahverkehr in Berlin sei besser als in New York, es gebe weniger Obdachlosigkeit, eine universelle Gesundheitsversorgung und funktionierende Institutionen. „Darauf kann man stolz sein", sagt er. Deutschland habe in seiner Geschichte weitaus schlimmere Krisen überstanden.

Das stimmt. Doch die Frage ist, ob die aktuelle politische Klasse die Kraft und den Willen aufbringt, die notwendigen Reformen durchzusetzen. Ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur klingt beeindruckend, doch es bedeutet nichts anderes als neue Schulden in gigantischem Ausmaß – Schulden, die kommende Generationen durch Steuern und Abgaben werden finanzieren müssen. Und das, obwohl Friedrich Merz im Wahlkampf versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen. Ein Versprechen, das sich in Rekordgeschwindigkeit in Luft aufgelöst hat.

China beobachtet all dies mit der Geduld und dem strategischen Kalkül, das Peking seit Jahrzehnten auszeichnet. Für die chinesische Führung ist Deutschland kein sentimentales Projekt, sondern ein nüchternes Geschäft. Solange deutsche Ingenieurskunst, deutsche Kaufkraft und deutsche Institutionen funktionieren, wird Peking investieren. Sollte Deutschland jedoch den Weg des industriellen Niedergangs weitergehen – durch überbordende Bürokratie, ideologische Verbohrtheit in der Energiepolitik und eine Migrationskrise, die den sozialen Zusammenhalt gefährdet –, wird China seine Aufmerksamkeit stillschweigend anderswohin lenken. Nach Frankreich vielleicht. Oder gleich nach Südostasien.

„Europa ist kein Museum" – noch nicht. Aber ob es eines wird, liegt allein an den Europäern selbst.

Die Botschaft aus Peking ist unmissverständlich: China gibt Europa eine Chance. Die Frage ist, ob Europa – und insbesondere Deutschland – klug genug ist, sie zu nutzen. Dafür bräuchte es allerdings Politiker, die wirtschaftliche Realitäten über ideologische Wunschträume stellen. Ob die neue Große Koalition dazu in der Lage ist, darf bezweifelt werden.

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