
Putins Goldschatz schrumpft: Wer kauft Moskaus Milliarden-Barren?

Russlands Zentralbank räumt ihre Tresore aus. Seit Anfang 2026 sind fast 56 Tonnen Gold aus den offiziellen Reserven verschwunden, nach Marktpreisen mehr als acht Milliarden Dollar wert. Jetzt stellt sich die spannendste Frage: Wo landet das Metall, wenn London und New York für Moskau gesperrt sind?
Der größte Verkäufer der Welt
Die Zahlen sind beachtlich. Laut dem World Gold Council hat die Bank von Russland allein im zweiten Quartal 21,77 Tonnen abgestoßen. Keine andere Notenbank verkaufte so viel. Die Türkei landete mit 4,23 Tonnen weit abgeschlagen auf Platz zwei.
Medienberichten zufolge waren es von Januar bis Juli rund 49,7 Tonnen. Mehr hat Moskau seit der Rubelkrise von 1998 nicht verkauft. Damals hatte der bankrotte Staat binnen drei Monaten 118 Tonnen abgegeben. Anfang Juli lagen laut Zentralbank noch rund 2.282 Tonnen in den Tresoren, so wenig wie seit März 2022 nicht mehr.
Der Krieg frisst das Gold
Warum verkauft ein Land, das jahrelang wie besessen Gold gekauft hat? Die Antwort liegt an der Front. Die Rüstungsausgaben summierten sich 2025 Berichten zufolge auf rund 16 Billionen Rubel. Für 2026 wird ein Haushaltsdefizit von etwa 1,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet, und es könnte noch weiter wachsen.
Eine Ökonomin des US-Thinktanks Peterson Institute sieht darin ein deutliches Warnsignal. Wer Gold verkaufe, dem gingen offenbar die liquideren Mittel aus, sagte sie gegenüber der Deutschen Welle. Andere Analysten halten dagegen: Von Panikverkäufen könne keine Rede sein. Ein Großteil der Verkäufe laufe über den Nationalen Wohlstandsfonds, der für genau solche Notlagen gedacht sei.
Gesperrt in London, willkommen in Peking?
Das Problem heißt Sanktionen. Seit 2022 ist Russland von den großen westlichen Handelsplätzen abgeschnitten. Ein Analyst vermutet, dass ein Großteil des Metalls über die Börse und außerbörslich an russische Banken ging. Am Markt wächst aber ein anderer Verdacht: Moskau soll Gold mutmaßlich mit Preisabschlägen nach China verkaufen. Belegt ist das nicht, aber es passt ins Bild.
Laut World Gold Council zählte China im zweiten Quartal mit fast 33 Tonnen zu den größten Käufern unter den Zentralbanken. Nur Polen kaufte mit knapp 51 Tonnen noch mehr. Sollte der Verdacht stimmen, verkaufte Russland sein Gold also billig an einen strategischen Partner, der den Rabatt gerne mitnimmt.
Kurioser Nebeneffekt
Trotz der Verkäufe ist der Wert der russischen Goldreserven im August deutlich gestiegen. Bei sinkender Menge geht das rechnerisch nur über den Preis. Die Unze kostet derzeit rund 4.300 Dollar. Für Moskau heißt das: Je teurer das Gold wird, desto weniger Barren muss man für dieselbe Summe hergeben.
Die Lehre aus Moskau
Wie ernst ist die Lage? Nach Angaben aus der Branche sind bisher nur rund 2,1 Prozent der Bestände verkauft worden. Russland hat weiterhin die fünftgrößten Goldreserven der Welt. Als einer der größten Förderer kann das Land außerdem bei heimischen Minen nachkaufen.
Der eigentliche Punkt ist ein anderer. 2022 froren westliche Staaten rund die Hälfte der russischen Devisenreserven ein, es ging um etwa 300 Milliarden Dollar. Das Gold in den eigenen Tresoren blieb dagegen unangetastet. Es ist bis heute das Vermögen, über das Moskau selbst verfügen kann. Physisches Gold unter eigener Kontrolle ist in der Krise Geld, das niemand einfrieren kann.
Das sollte auch in Berlin zu denken geben. Deutschland besitzt nach den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Ein Teil davon liegt bis heute im Ausland. Und in Zeiten wachsender Staatsschulden kann auch jeder Sparer für sich überlegen, ob ein Anteil physischer Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll ist.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Wir geben keine Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Bitte recherchieren Sie selbst und treffen Sie Ihre Anlageentscheidungen eigenverantwortlich.
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