
Revolut greift an: Was die Frankreich-Lizenz für deutsche Kunden bedeutet

Die britische Neobank Revolut hat eine Vollbanklizenz in Frankreich erhalten. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Damit besitzt der Fintech-Riese künftig gleich zwei Banklizenzen in der EU – und nimmt den deutschen Markt ins Visier.
Geprüft wurde der Antrag Medienberichten zufolge gemeinsam von der französischen Aufsicht ACPR und der Europäischen Zentralbank, der EZB-Rat habe die Entscheidung formell abgesegnet. Die neue Revolut Bank S.A. mit Sitz in Frankreich startet zunächst im Heimatmarkt Frankreich.
Zwei Lizenzen, ein Ziel: Europas größte Bank
Regulatorisch nötig wäre der Schritt nicht gewesen. Bislang arbeitet Revolut in der EU mit einer Lizenz aus Litauen – die Revolut Bank UAB bleibt Berichten zufolge auch weiter für den übrigen Europäischen Wirtschaftsraum zuständig. Beide Einheiten unterstehen der EZB-Aufsicht, das Unternehmen spricht von einem Dual-Hub-Modell.
Die Botschaft ist unmissverständlich: Man wolle „Europas größte und vertrauenswürdigste Bank“ werden. Ein Anspruch, der die etablierten Institute in Frankfurt, Paris und Mailand nervös machen dürfte.
Die Zahlen untermauern den Anspruch. Nach eigenen Angaben zählt das 2015 gegründete Unternehmen weltweit mehr als 75 Millionen Kunden, rund 30 Millionen davon in Westeuropa. Allein 2025 kamen in der Region netto knapp acht Millionen hinzu.
Über drei Millionen Deutsche betroffen – vorerst ändert sich nichts
In Deutschland nutzen laut Revolut mehr als drei Millionen Menschen die App. Sie sollen als einer der nächsten Märkte auf die französische Gesellschaft übergehen, gemeinsam mit Irland, Italien, Portugal und Spanien. Einen Zeitplan nennt das Unternehmen bislang nicht.
Kunden müssen also aktuell nichts tun. Konten, IBAN und Verträge bleiben zunächst bei der litauischen Einheit. Einlagen sind dort grundsätzlich über die litauische Einlagensicherung bis zur EU-weiten Grenze von 100.000 Euro je Kunde und Bank geschützt.
Genau hier lohnt aber ein wacher Blick: Wer sein Geld bei einer Bank parkt, deren Sicherungssystem in Vilnius statt in Berlin oder Paris sitzt, sollte wissen, worauf er sich verlässt. Bei einer späteren Übertragung nach Frankreich müsste Revolut seine Kunden informieren – welche Details sich dann ändern, ist offen.
Eine Milliarde für Westeuropa – und ein Seitenhieb auf Deutschland
Revolut kündigte an, mehr als eine Milliarde Euro in Westeuropa zu investieren, über 600 zusätzliche Stellen zu schaffen und 2027 eine Westeuropa-Zentrale in Paris zu eröffnen. Bemerkenswert: Nicht Frankfurt, sondern Paris.
Für Beobachter ist das ein weiteres Indiz dafür, wie sehr Deutschland als Finanzstandort an Strahlkraft verloren hat. Hohe Kosten, träge Verwaltung, ausufernde Bürokratie – wer schnell wachsen will, sucht sich offenbar andere Adressen.
Digitalisierung ja – aber nicht ohne Gegengewicht
Der Aufstieg der Neobanken zeigt, wie rasant sich Geld digitalisiert. Bequem, günstig, sekundenschnell. Doch jedes Guthaben auf einer App ist am Ende eine Forderung gegen ein Institut – abhängig von Technik, Aufsicht und Sicherungssystemen.
Aus Sicht unserer Redaktion gehört deshalb neben das Smartphone-Konto ein handfestes Gegengewicht. Physisches Gold und Silber sind kein Anspruch gegen Dritte, sondern Eigentum ohne Gegenpartei – seit Jahrhunderten eine bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst gründlich informieren.

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