
Singapur im Zeichen der Krise: Wenn die Welt um Taiwan, Hormus und Energiepreise zittert
Während Europa noch immer von Ukraine-Krieg und Inflationssorgen geplagt wird, richtet sich der Blick der globalen Sicherheitselite in diesen Tagen weit nach Osten. In Singapur hat am Freitag der Shangri-La-Dialog 2026 begonnen – das asiatische Pendant zur Münchner Sicherheitskonferenz und seit einem Vierteljahrhundert das bedeutendste geopolitische Forum im Indo-Pazifik. Doch die diesjährige Ausgabe steht unter besonders dunklen Vorzeichen.
Ein Forum im Schatten brennender Krisenherde
44 Länder, 54 Delegierte auf Ministerebene, mehr als 42 Generalstabschefs – die Zahlen, die der Sender Channel News Asia vermeldet, beeindrucken. Ausgerichtet wird das Treffen vom Londoner International Institute for Strategic Studies. Doch hinter der diplomatischen Fassade verbirgt sich eine Welt, die aus den Fugen geraten zu sein scheint. Kriege im Nahen Osten, ein nicht enden wollender Konflikt in der Ukraine und wachsende Zweifel an den amerikanischen Sicherheitsgarantien prägen die Atmosphäre.
Die Eröffnungsrede hielt Vietnams Staatschef To Lam. Mit Spannung wird jedoch vor allem der Auftritt von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erwartet, der am Samstag Washingtons Indo-Pazifik-Strategie darlegen soll. Wie die Straits Times berichtet, traf Hegseth bereits am Freitagmorgen ein und führte Gespräche mit Singapurs Premierminister Lawrence Wong sowie mit Amtskollegen aus Japan, Australien, den Philippinen und weiteren Staaten der Region.
Die Straße von Hormus – ein Nadelöhr der Weltwirtschaft
Im Mittelpunkt steht der Iran-Krieg und dessen verheerende wirtschaftliche Folgen. Die singapurische Business Times bezeichnet die diesjährige Konferenz gar als möglicherweise wichtigste in der Geschichte des Forums. Kein Wunder: Die dreimonatige Schließung der Straße von Hormus habe die Energiepreise explodieren lassen und die ohnehin geschwächte Weltwirtschaft schwer belastet.
Das drängendste Thema für Asien sei der Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran sowie dessen Auswirkungen auf die Energieversorgung, betonte die Politikwissenschaftlerin Chong Ja Ian von der National University of Singapore gegenüber Reuters.
Man stelle sich vor: Eine einzige Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels fließt, wird blockiert – und schon wankt das fein austarierte Gefüge der Weltwirtschaft. Wer in solchen Zeiten noch auf rein papierbasierte Werte vertraut, sollte sich fragen, wie krisenfest sein Vermögen wirklich ist.
Taiwan: Der gefährlichste Brennpunkt des Planeten
Pikant: Chinas Verteidigungsminister Dong Jun bleibt der Konferenz bereits zum zweiten Mal in Folge fern. Peking schickt stattdessen eine Delegation der Nationalen Verteidigungsuniversität der Volksbefreiungsarmee. Doch die Abwesenheit des Ministers ändert nichts daran, dass Taiwan das beherrschende Thema bleiben dürfte.
Hegseth werde voraussichtlich zu einem möglichen Rüstungsgeschäft mit Taiwan im Umfang von 14 Milliarden US-Dollar befragt, so die Straits Times. Beim jüngsten Treffen zwischen Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking hatte Xi unmissverständlich gewarnt, die Taiwan-Frage könne die Beziehungen in eine „sehr gefährliche Lage" bringen.
Wie gefährlich, das zeigt eine Analyse von Bloomberg Economics: Ein militärischer Konflikt um die Insel könnte die Weltwirtschaft im ersten Jahr bis zu 10,7 Billionen US-Dollar kosten – mehr als Corona-Pandemie und Finanzkrise von 2008 zusammen. Eine Summe, die das menschliche Vorstellungsvermögen schlicht übersteigt.
Japan rüstet auf – und Europa schaut weg
Weitere Schwerpunkte: Japans veränderte Sicherheitspolitik unter Premierministerin Sanae Takaichi sowie die maritime Sicherheit. Tokio hat im April seine Rüstungsexportregeln gelockert – ein bemerkenswerter Schritt für ein Land, das jahrzehntelang militärische Zurückhaltung pflegte. Diskutiert werden auch die Spannungen im Südchinesischen Meer, durch das jährlich Waren im Wert von rund vier Billionen US-Dollar transportiert werden.
Während asiatische Staaten ihre Verteidigung mit beachtlicher Entschlossenheit modernisieren und ihre Rüstungsbeschaffung breiter aufstellen, fragt man sich unweigerlich, wie es eigentlich um die deutsche Sicherheitspolitik bestellt ist. Bezeichnend, dass Japan laut Berichten Soldaten zu einem Nato-Kommando nach Deutschland entsendet, um „Lehren aus dem Ukraine-Krieg zu ziehen" – während hierzulande oftmals noch über Gendersternchen in Bundeswehr-Dokumenten gestritten wird.
Was bedeutet das fĂĽr Anleger?
Die Lehre aus Singapur ist so simpel wie unbequem: Die Welt ist ein Pulverfass, und die Zündschnüre werden kürzer. Steigende Energiepreise, geopolitische Verwerfungen, das Damoklesschwert eines Taiwan-Konflikts – all das sind Faktoren, die Währungen entwerten und Märkte erschüttern können. In Zeiten wie diesen besinnen sich kluge Köpfe seit jeher auf das, was über Jahrtausende seinen Wert bewahrt hat. Physisches Gold und Silber kennen keine Schließung der Straße von Hormus, keine drohende Blockade Taiwans und keine politischen Fehlentscheidungen, die ganze Volkswirtschaften ins Wanken bringen. Als krisenfeste Beimischung eines breit gestreuten Vermögens behalten Edelmetalle ihre Berechtigung – heute mehr denn je.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier wiedergegebenen Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion und den uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.

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