
Softbank auf Geldsuche am Golf: 100 Milliarden für die KI-Wette?

Softbank-Gründer Masayoshi Son will Medienberichten zufolge bis zu 100 Milliarden US-Dollar bei Investoren am Persischen Golf einsammeln. Wie die Financial Times am 9. Oktober berichtete, habe Son in den vergangenen Wochen mit hochrangigen Vertretern der Vereinigten Arabischen Emirate gesprochen. Damit klopft der größte Geldgeber von OpenAI ausgerechnet dort an, wo das Geld noch nicht verplant ist.
Ein zweiter Vision Fund, nur mit Robotern
Laut dem Bericht soll das Kapital in ein neues Vehikel fließen. Es soll Unternehmen kaufen und sie mit KI und Robotik effizienter machen. Im Zentrum stehe Roze, Softbanks Sparte für Robotik und „physische KI“. Son wolle sie offenbar zu einer hohen Bewertung an die Börse bringen. Softbank selbst gab keinen Kommentar ab. Insider warnten zudem, ein Erfolg der Gespräche sei keineswegs sicher.
Die Größenordnung entspricht dem ersten Vision Fund von 2017, den Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF und Mubadala aus Abu Dhabi damals maßgeblich finanzierten. Fast ein Jahrzehnt später steht dieser Fonds Berichten zufolge bei rund 29 Milliarden Dollar kumulierten Gewinnen. Das ist kein Totalausfall, aber für die versprochene „Informationsrevolution“ doch recht wenig.
Schulden, Schulden, Schulden
Warum braucht Son jetzt die Scheichs? Ein Blick auf das Jahr 2026 zeigt es. Softbank hat OpenAI rund 65 Milliarden Dollar zugesagt, und die Liste der Finanzierungen liest sich wie ein Lehrbuch über Kredite im späten Zyklus:
- ein Überbrückungskredit über 40 Milliarden Dollar im März
- ein Lombardkredit auf OpenAI-Aktien, der um 40 Prozent auf 6 Milliarden gekürzt wurde und danach ins Stocken geriet
- eine Anleihe über eine Billion Yen für japanische Kleinanleger, verzinst mit 4,75 Prozent
- ein auf 25 Milliarden Dollar aufgestockter Kredit, besichert mit Arm-Aktien
- zuletzt eine Ramschanleihe über 11,1 Milliarden Dollar mit Renditen bis 9,75 Prozent
Diese Anleihe gilt als der größte Verkauf einer Hochzinsanleihe, den es je gab. Die Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Softbank stiegen danach deutlich an. Der Markt hatte die Botschaft also verstanden.
Das 20-Milliarden-Loch bei OpenAI
Heikel wird es durch den Zeitpunkt. Laut Financial Times habe OpenAI Investoren mitgeteilt, der annualisierte Umsatz liege Ende September bei knapp 50 Milliarden Dollar. Am Markt hatten zuvor rund 70 Milliarden die Runde gemacht. Die Nasdaq fiel daraufhin um mehr als ein Prozent, und die Softbank-Aktie verlor in Tokio fünf Prozent. Seit dem Hoch im Juni liegt sie mehr als 30 Prozent im Minus.
Analysten führen die Lücke vor allem auf unterschiedliche Bilanzierung zurück. Am Freitag folgte prompt die Beruhigung: Bis Jahresende wolle OpenAI die 70 Milliarden erreichen. Die Zahl ist also nicht verschwunden, sie wurde nur drei Monate nach hinten verschoben. Gleichzeitig stehen bei OpenAI Rechenzentrums-Verpflichtungen von rund 1,5 Billionen Dollar im Raum.
Wenn die Sicherheit selbst wackelt
Für Softbank ist das brisant, denn OpenAI-Anteile dienen als Sicherheit für Kredite. Sie machen Analysten zufolge etwa ein Fünftel des Nettovermögens aus. Ein Analyst aus Asien warnte gegenüber der FT, ein Bewertungsrückgang könne einen Ansteckungseffekt auslösen, der „ziemlich schnell ziemlich schlimm“ werden könne.
Petrodollars als letzte Rettung?
Brisant ist auch, dass OpenAI in derselben Woche selbst 30 Milliarden Dollar bei Staatsfonds aus den Emiraten einwerben wollte. Größter KI-Konzern und größter Geldgeber stehen also gleichzeitig an derselben Tür in Abu Dhabi. Und das geschieht, während in der Nachbarschaft Krieg herrscht und Brent-Öl über 100 Dollar kostet.
Wenn eine Handvoll Ölstaaten zum letzten Käufer eines Booms wird, bestimmt die Geopolitik den Preis und nicht mehr der Cashflow. Für Anleger ist das ein Warnsignal. Wer sein Vermögen nicht allein auf Kredit-Pyramiden und Hoffnungswerte bauen will, sollte breit streuen. Physisches Gold und Silber können dabei eine sinnvolle Beimischung sein, weil sie kein Zahlungsversprechen eines Dritten sind.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Anlageprodukten dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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