
Sprit-Alarm in der Schweiz: Droht auf der Autobahn bald Tempo 80?

Die Schweiz geht der Diesel aus, und Bern bereitet deshalb eine Notbremse für die Autobahn vor. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) arbeitet an einer Vorlage für Tempo 80 statt der üblichen 120 km/h. Treffen würde das auch Tausende deutsche Skiurlauber und Italien-Reisende auf dem Weg über den Gotthard.
Zuerst hatte die Zeitung „Schweiz am Wochenende“ darüber berichtet. Die Behörde hat die Vorbereitungen inzwischen bestätigt. Beschlossen ist allerdings noch nichts.
Ein Land zapft seinen Notgroschen an
Die Lage ist ernst. In seinem Lagebericht vom 21. Oktober nennt das BWL die Dieselversorgung „sehr angespannt“. Beim Kerosin für Flugzeuge hält die Behörde die Versorgung sogar für gefährdet.
Die Eidgenossen haben deshalb ihre gesetzlichen Pflichtlager geöffnet. Wer in der Schweiz Treibstoff importiert, muss Vorräte anlegen, und das zahlt sich jetzt aus. Bis zum 22. November dürfen bis zu 45 Millionen Liter Diesel entnommen werden. Das sind knapp vier Prozent des Bestands. Auch Kerosin-Reserven wurden freigegeben. Billiger wird der Sprit dadurch aber nicht, denn auch die Reserven gehen zu Marktpreisen weg.
Wenn der Rhein austrocknet, stockt die Versorgung
Der wichtigste Grund liegt auf dem Wasser. Normalerweise bringen Tankschiffe den Treibstoff über den Rhein von Rotterdam nach Basel. Wegen des Niedrigwassers fahren sie zurzeit aber nur halb beladen oder gar nicht. Nach Angaben des BWL kommen Störungen im Bahnverkehr und geringere Lieferungen über europäische Pipelines dazu.
Im September fiel außerdem die einzige Schweizer Raffinerie in Cressier wegen eines Defekts aus. Der ADAC verweist zusätzlich auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der Öl in ganz Europa teurer macht. An der Schweiz zeigt sich, wie schnell eine Versorgungskette reißt, wenn mehrere Probleme gleichzeitig auftreten.
Tempo 80: Wann kommt die Bremse?
Einen Termin gibt es nicht. Anordnen müsste die Senkung der Bundesrat, also die Schweizer Regierung. Laut BWL käme Tempo 80 nur bei einer schweren Mangellage infrage. Nach Angaben des Schweizer Fernsehens SRF wäre das erst dann der Fall, wenn die Pflichtlager zu einem großen Teil leer sind und freiwilliges Sparen nicht mehr ausreicht.
Offen ist noch, ob das ganze Autobahnnetz betroffen wäre und ob die Regel auch für Elektroautos gälte. Als letztes Mittel liegt sogar eine Rationierung von Benzin und Diesel in der Schublade. Das BWL hält sie aber für unwahrscheinlich.
Spritersparnis gegen Zeitverlust
Der Touring Club Schweiz rechnet laut Medienberichten mit 1 bis 1,2 Litern weniger Verbrauch auf 100 Kilometern. Dafür dauert die Fahrt rechnerisch rund 50 Prozent länger. Von Basel bis Chiasso wäre man selbst ohne Stau gut eine Stunde länger unterwegs. Die Grünen fordern laut Nau.ch, das Tempo schnell zu senken. Der Automobil-Club der Schweiz wäre davon nicht begeistert, will sich in einer echten Notlage aber nicht dagegenstellen.
Was deutsche Autofahrer wissen müssen
- In Deutschland volltanken: Laut ADAC kostete ein Liter Diesel in der Schweiz am 27. Oktober 2,66 Euro. Das ist der höchste Preis in Europa. Super E10 lag bei 2,34 Euro.
- Vorsicht beim Tempo: Wer auf der Autobahn 6 bis 10 km/h zu schnell fährt, zahlt 60 Franken. Bei 16 bis 20 km/h sind es 180 Franken. Wer noch deutlich schneller ist, landet vor dem Strafrichter.
In Deutschland plant die Bundesregierung kein Krisen-Tempolimit. Sie setzt stattdessen auf den Tankrabatt, der Sprit seit dem 1. Oktober um bis zu rund 17 Cent pro Liter billiger macht. Am 31. Dezember läuft er aus. Ab Januar zahlen Autofahrer dann allein wegen der Steuer wieder bis zu 16,7 Cent mehr pro Liter. Kritiker halten das für ein typisches Pflaster: Es lindert kurz die Schmerzen und löst kein einziges Versorgungsproblem.
Ein Déjà-vu aus dem Jahr 1973
Ganz neu wäre so ein Eingriff nicht. In der Ölkrise der 1970er-Jahre senkte die Schweiz das Tempolimit und verbot an einigen Sonntagen das Autofahren. Auch Westdeutschland erlebte damals autofreie Sonntage und monatelang Tempo 100 auf der Autobahn.
Ein halbes Jahrhundert später zeigt sich wieder, wie sehr Wohlstand von funktionierenden Lieferketten abhängt. Wenn Energie knapp und teuer wird, verlieren Ersparnisse an Kaufkraft. In solchen Zeiten haben sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber über Generationen als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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