
Standortpatriotismus auf Knopfdruck: Wie Berlins Eliten ein Wort wiederentdecken, das sie selbst vergiftet haben

Es entbehrt nicht einer gewissen tragischen Komik, wenn ausgerechnet jene politische Klasse, die über Jahrzehnte hinweg Begriffe wie „Vaterland", „Heimatliebe" und „Patriotismus" systematisch aus dem öffentlichen Diskurs verbannt hat, nun händeringend nach eben diesem Patriotismus ruft – weil die wirtschaftliche Realität sie dazu zwingt. Willkommen im Deutschland des Jahres 2025, wo ideologische Selbstverstümmelung auf ökonomischen Überlebensinstinkt trifft.
Die Kulturrevolution und ihre Folgen
Was in den späten 1960er Jahren als vermeintlich progressive Kulturrevolution begann, hat seine Mühlen mit erschreckender Gründlichkeit mahlen lassen. Ein Kartell aus radikalen Ideologen, opportunistischen Politikern, einem wuchernden akademischen Establishment und einem willfährigen Mediensektor hat es geschafft, dem Wurzelwerk von Tradition, Religion, Familie und bürgerlicher Ordnung eine ausreichende Dosis Gift zu injizieren. Der moderne Patriot – wer es wagt, sich so zu nennen – gilt als gesellschaftlicher Außenseiter, als intoleranter Antagonist humanistischer Werte. Wer die Segnungen des kulturellen Relativismus und den woken Nihilismus unserer Zeit ablehnt, macht sich zutiefst verdächtig.
Dabei sind es gerade die Konservativen, die als menschliche Wellenbrecher in den sozialen Stürmen unserer Zeit versuchen, das Schlimmste abzuwehren, was aus den trüben Quellen des Kulturmarxismus auf uns zuströmt. Es waren nicht zuletzt deutsche Politiker selbst, die diese zivilisatorische Wende vollzogen haben: weg von der Sozialen Marktwirtschaft und einer bürgerlich geprägten Gesellschaft, hin zu einem grünen Klimasozialismus, dessen Früchte nun bitter schmecken.
Wenn der Staat plötzlich Patriotismus verordnen will
Dass in dieser selbstverschuldeten Krise deutsche Politiker nun den einst vergifteten Begriff des „Standortpatriotismus" in ihrem Abwehrkampf gegen die ökonomische Wirklichkeit bemühen, wirkt grotesk. Für jene, die ihre Existenzgrundlage in den Brechern grüner Bürokratie verloren haben, ist es schlicht anmaßend und beleidigend.
Bundesumweltminister Carsten Schneider hat Nerven. Nach einer Serie öffentlicher Angriffe seines Lagers gegen Unternehmer scheint es nun an der Zeit, den Ton zu wechseln. Moralisches Moll steht auf Berlins Agenda. Automobilhersteller, so Schneider, sollten verstärkt Rohstoffe aus Deutschland beziehen. Rohstoffe – aus Deutschland? Man muss sich diese Forderung auf der Zunge zergehen lassen. Er fordert einen „Leitmarkt" für grünen Stahl – und dehnt damit die Realität bis an ihre Grenzen, denn grüner Stahl verschwindet derzeit aus den Produktlinien, weil er weder profitabel noch marktfähig ist. Trotz massiver Subventionen.
Ein wenig mehr Standortpatriotismus könne man von deutschen Vorstandschefs schon erwarten, argumentiert Schneider – und schlägt damit exakt den Ton seines Parteivorsitzenden und Vizekanzlers Lars Klingbeil an. Klingbeil hatte bereits im vergangenen Oktober auf einem Gewerkschaftskongress der IG BCE in Hannover ähnliche Saiten zum Klingen gebracht. Mehr Standortpatriotismus – mehr Mut für Deutschland? Nachdem der Staat doch Steuererleichterungen und Subventionen gewährt habe, um den Standort und seine Unternehmen zu stärken. Soll der Staat in diesem Drama etwa König Lear spielen? Der Kapitalvernichter, Steuereintreiber und Regulierer par excellence?
Patriotismus als Medienmanöver
Es ist ein zynisches Medienspiel, das die politische Klasse mit einer ohnehin fragilen Bevölkerung treibt. Wenn die Lage sich verschlechtert und die Politik an die Wand fährt, verschmelzen die Strategien: Patriotische Appelle oszillieren nun mit Neid- und Ressentimentdebatten – emotionale Auslöser, die das Bild des gierigen, wurzellosen Unternehmers aktivieren sollen, damit Politiker aus der Schusslinie treten können. Empörung wird zur Mobilisierungsstrategie, moralischer Druck zum medialen Placebo.
Bundeskanzler Friedrich Merz selbst greift mittlerweile regelmäßig zu diesem stumpfen Instrument, getrieben von schlechten Umfragewerten und drohenden politischen Turbulenzen. „Ich bin stolz auf unser Land", erklärt Merz und versucht, ein kulturell erodiertes und wirtschaftlich ausgeblutendes Deutschland in ein Gemeinschaftserlebnis umzudeuten, durchdrungen von der Rhetorik der Erneuerung und Freiheit. Man kann nur spekulieren, welche Gefühle den Kanzler bewegen, wenn er durch die opulenten Hallen des Bundeskanzleramts schreitet – jenes monumentalen Baus, der in schärfstem Kontrast zum bescheidenen Kanzleramt der alten Bonner Republik Etatismus, Distanz und Erhabenheit symbolisiert.
Die Rechnung ohne den Wirt
Doch Berlins Spin-Doktoren könnten sich verrechnen. Friedrich Merz und seine Kollegen werden lernen müssen, dass sich Patriotismus nicht per Kanzleramtsdekret aktivieren lässt. Sie werden möglicherweise auch feststellen, dass nur wenige Deutsche ohne äußeren Druck einem Aufruf folgen werden, ein politisches System zu verteidigen, das – nach Jahren der Massenmigration, kulturellen Erosion und ideologischen Umstrukturierung – seine Bürger nun auffordert, weitere ideologisch aufgeladene Projekte zu unterstützen.
Was die Unternehmer betrifft, so scheinen nur noch wenige darauf zu vertrauen, dass die Politik eine ideologisch verzerrte Situation rational lösen wird. Der Patriotismus, einst der letzte überzeugende Anker, der Unternehmen an ihre Heimat band, wurde den Deutschen in einem jahrzehntelangen Fegefeuer progressiver Selbstgerechtigkeit ausgetrieben. Etwas Besseres als den deutschen Insolvenztod findet man mittlerweile fast überall auf der Welt.
Die eigentliche Tragödie
Die eigentliche Tragödie liegt nicht darin, dass der Begriff „Standortpatriotismus" nun instrumentalisiert wird. Sie liegt darin, dass eine ganze Generation von Politikern – von den Grünen über die SPD bis hin zu Teilen der CDU – systematisch jene kulturellen Fundamente untergraben hat, auf denen ein authentischer Patriotismus hätte gedeihen können. Man hat die Familie relativiert, die Tradition verspottet, die Religion marginalisiert und die bürgerliche Ordnung als reaktionär gebrandmarkt. Und nun, da die grüne Industriepolitik in sich zusammenfällt, da Unternehmen in Scharen abwandern und der Wirtschaftsstandort Deutschland international an Attraktivität verliert, soll ausgerechnet jener Patriotismus als Rettungsanker dienen, den man selbst über Bord geworfen hat.
Nirgendwo blüht der antibürgerliche Reflex üppiger als in Deutschlands NGO-Komplex und im schrillen akademischen Flankenkrieg rund um Cancel Culture, Wokeismus und Sprachbereinigung – gezielt gegen jene Begriffe gerichtet, die einer kulturbestätigenden, traditionsbekräftigenden Bildung die Tür öffnen würden. Wie schön klingen heute Worte wie „Vaterland", „Patriotismus" und „Heimatliebe" – und wie bitter ist es, dass sie erst wiederentdeckt werden, wenn die Bilanzen rot leuchten.
Deutschland braucht keinen verordneten Standortpatriotismus. Deutschland braucht eine Rückkehr zu den Grundlagen: eine starke Wirtschaft, die nicht durch ideologische Experimente erdrosselt wird, eine Gesellschaft, die ihre Traditionen pflegt statt sie zu verachten, und Politiker, die für ihr Land arbeiten – nicht gegen es. Ob die aktuelle Große Koalition dazu in der Lage ist, darf bezweifelt werden. Die Zeichen stehen eher auf Fortführung des Niedergangs mit patriotischer Begleitmusik.
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