
Steuergeld nach Shanghai: Berlin subventioniert Chinas E-Autos

Die deutsche Autoindustrie schrumpft auf den kleinsten Beschäftigtenstand seit zwei Jahrzehnten – und der Staat verteilt gleichzeitig Milliarden an Kaufprämien, von denen ausgerechnet chinesische Hersteller überproportional profitieren. Bis zu 6.000 Euro gibt es pro Elektroauto, unabhängig davon, ob es in Wolfsburg oder in Shanghai vom Band lief. Der Präsident des Autohändlerverbands VAD, Burkhard Weller, schlägt Alarm.
691.500 Beschäftigte – so wenige wie zuletzt 2005
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind ernüchternd: Ende Juni 2026 arbeiteten nur noch 691.500 Menschen in der deutschen Automobilindustrie, rund 42.300 weniger als ein Jahr zuvor – ein Minus von 5,8 Prozent und der tiefste Stand seit 2005.
Bei den Herstellern sank die Belegschaft auf 429.200 (minus 6,1 Prozent), bei den Zulieferern auf 219.500 (minus 7,6 Prozent). Es sind vor allem die klassischen Zulieferer, das industrielle Rückgrat ganzer Regionen, die bluten.
Der Markt boomt – aber für wen?
Paradox: Der Absatz läuft. Von Januar bis Juli wurden 1,75 Millionen Pkw neu zugelassen, 5,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Elektroautos legten um 50,2 Prozent auf 446.615 Einheiten zu, ihr Marktanteil liegt bei 25,5 Prozent.
Doch die deutschen Konzernmarken verlieren dort, wo die Musik spielt. Laut einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) fiel ihr Anteil am E-Auto-Markt im ersten Halbjahr von 63,5 auf 54,2 Prozent. Chinesische Anbieter kamen auf 6,2 Prozent. BYD hat mit 1,8 Prozent Gesamtmarktanteil bereits Tesla überholt.
Erst Zölle, dann Zuschüsse – die absurde Förderkette
Die 2023 aus Haushaltsnot gestrichene Kaufprämie hat die Merz-Regierung im Mai wieder eingeführt – sogar rückwirkend für alle seit Jahresbeginn zugelassenen Fahrzeuge. Je nach Einkommen, Kinderzahl und Modell zahlt der Steuerzahler bis zu 6.000 Euro, für Plug-in-Hybride bis zu 4.500 Euro. Bis 2029 sind drei Milliarden Euro eingeplant.
Weller sagte dem Handelsblatt, weil die Chinesen preiswerte Elektroautos anböten, profitierten BYD und MG überproportional. Sein Urteil fällt vernichtend aus:
„Die E-Auto-Prämie ist völliger Unsinn. Das Elektroauto setzt sich auch ohne Prämie durch.“
Besonders pikant: Brüssel hat Ausgleichszölle auf chinesische E-Autos verhängt, weil Peking seine Hersteller jahrelang mit Prämien, Krediten, Billiggrundstücken und Forschungsgeldern gepäppelt habe. Berlin gleicht diese Zusatzkosten dem Bericht zufolge mit Mitteln aus dem Klima- und Transformationsfonds wieder aus. Erst bremsen, dann Gas geben – mit demselben Geldbeutel.
Warum keine Bedingungen?
Im Ranking der Förderfälle liegt Leapmotor aus Hangzhou nahe hinter VW, BYD unter den ersten zehn, BMW auf Rang zehn, Mercedes erst auf Platz 21. An der Spitze steht Tesla. Auswertungen der Wirtschaftspresse zufolge stammt etwa jedes vierte geförderte E-Auto aus China; andere Branchendienste verweisen auf erste Bewilligungszahlen, wonach viele geförderte Modelle in europäischen Werken entstünden.
Bemerkenswert: Der VDA lehnt sowohl einen Ausschluss chinesischer Anbieter als auch einen automatischen Förderstopp ab. Man klagt über staatlich gestützte Konkurrenz – und will die eigene Staatshilfe trotzdem behalten. Eine Bindung der Prämie an europäische Montage, europäische Komponenten oder hier gefertigte Batteriezellen? Fehlanzeige.
CAM-Direktor Stefan Bratzel fordert, Förderrichtlinien und Regulierung so anzupassen, dass die Wertschöpfung vorwiegend in Europa stattfinde. Aus Sicht unserer Redaktion ist das das Mindeste. Standortpolitik, die der Konkurrenz beim Überholen den Sprit bezahlt, ist keine.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt weder eine Anlage- noch eine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Anlageentscheidungen treffen Leser eigenverantwortlich nach eigener Recherche. Physische Edelmetalle können als Beimischung zur langfristigen Vermögenssicherung dienen.

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