
Studie schockt Wien: Jeder Zweite will keine muslimischen Nachbarn

Eine offizielle Untersuchung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) legt offen, wie tief das Misstrauen in der Bevölkerung sitzt. Für den Bericht „Was denkt Österreich?“ wurden 1.016 Personen ab 16 Jahren befragt. Präsentiert wurde die Studie am Dienstag in Wien – und die Zahlen dürften in der Politik für Unruhe sorgen.
Die Zahlen, die niemand hören wollte
Knapp die Hälfte der Befragten gab an, muslimische Menschen als unmittelbare Nachbarn würden sie stören: 20 Prozent antworteten mit „sehr“, weitere 29 Prozent mit „eher“. Noch deutlicher fällt die Ablehnung gegenüber Asylbewerbern und Flüchtlingen aus – 63 Prozent hätten sie ungern nebenan.
Bei Roma und Sinti liegt der Wert bei 53 Prozent, bei Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund allgemein bei 45 Prozent. Es sind Momentaufnahmen von Stimmungen, keine Urteile über Menschen. Aber sie zeigen, wie sehr das Vertrauen erodiert ist.
Der öffentliche Raum als Konfliktzone
Besonders aufschlussreich: Die Skepsis wächst dort, wo Menschen einander täglich begegnen. In Bussen, Bahnen, Geschäften, Parks und auf Straßen berichten laut Studie nur 36 Prozent von positiven Erfahrungen mit Zuwanderern. 55 Prozent bewerten ihre Erlebnisse als negativ.
Parallel dazu wächst die Sorge um die eigene Kultur rasant. 75 Prozent halten die Angst um die kulturelle Identität Österreichs für berechtigt. Zum Vergleich: 2018 waren es 57 Prozent, 2024 bereits 70 Prozent. Ein Anstieg um 18 Punkte in acht Jahren – das ist kein Ausreißer, das ist ein Trend.
Parallelgesellschaften: 84 Prozent sehen das Problem
Der wohl härteste Befund: 84 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Zuwanderer in manchen Stadtvierteln unter sich lebten und dort kaum Integration stattfinde. Ebenso viele beobachten immer mehr Gruppen, die nichts miteinander zu tun haben wollen.
Nur 43 Prozent glauben, dass sich die meisten Flüchtlinge um Integration bemühen. 54 Prozent verneinen das. Als größte gesellschaftliche Bruchlinie nennen 56 Prozent das Verhältnis zwischen Einheimischen und Zugewanderten – vor dem Links-rechts-Gegensatz (50 Prozent) und der Kluft zwischen Arm und Reich (40 Prozent).
Was die Österreicher unter gelungener Integration verstehen, ist dabei erstaunlich unideologisch:
- Anerkennung der Gesetze und Regeln – 77 Prozent
- Respekt vor Werten und Umgangsformen – 75 Prozent
- Gute Deutschkenntnisse – 71 Prozent
- Arbeit oder Ausbildung – 70 Prozent
- Leben ohne dauerhafte Sozialleistungen – 69 Prozent
Ehrgewalt, Sozialhilfe, politischer Islam
Bei zwei Punkten herrscht nahezu Einigkeit: Jeweils 90 Prozent stufen Gewalt im Namen der „Ehre“ sowie mangelnden Respekt gegenüber Frauen als problematisch ein. 89 Prozent nennen Zuwanderer, die nicht arbeiten und von Sozialhilfe leben. Den politischen Islam sehen 52 Prozent als schädlichen Einfluss auf das Zusammenleben.
Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) liest die Ergebnisse als Rückenwind für das geplante Verbot des politischen Islam. Bei der Präsentation erklärte sie:
Integration ist kein Angebot, sondern eine Verpflichtung.
Wer in Österreich leben wolle, müsse Deutsch lernen, arbeiten und die Werte des Landes respektieren, so die Ministerin. Medienberichten zufolge arbeitet die Regierung unter Bundeskanzler Christian Stocker an einem verfassungsrechtlichen Verbot; Bauer strebt zudem ein Verbot der Muslimbruderschaft an.
Ein Weckruf – auch für Berlin
Aus Sicht unserer Redaktion ist diese Studie mehr als eine Meinungsumfrage. Sie ist die Quittung für Jahrzehnte einer Migrationspolitik, die Zuwanderung organisierte, Integration aber dem Zufall überließ. Wer den Bürgern jahrelang erklärt, ihre Beobachtungen seien Einbildung, darf sich über solche Zahlen nicht wundern.
Und die Frage drängt sich auf: Wie fielen die Antworten wohl aus, wenn man dieselben Fragen in Deutschland stellte?
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