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03.10.2026
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Studie zur „Tagesschau“: Im Osten nur Rechte, im Westen die Wirtschaft?

Studie zur „Tagesschau“: Im Osten nur Rechte, im Westen die Wirtschaft?
Symbolbild: KI-generiert

Eine neue Studie wertet 1.000 aufeinanderfolgende Ausgaben der 20-Uhr-„Tagesschau“ aus, und das Ergebnis dürfte vielen Ostdeutschen bekannt vorkommen. Laut der Analyse taucht der Osten in der ARD-Nachrichtensendung gemessen an der Einwohnerzahl deutlich häufiger auf als der Westen. Dabei geht es auffallend oft um rechte Politik. Pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit stellt sich deshalb eine unbequeme Frage: Wie viel trägt Deutschlands wichtigste Nachrichtensendung eigentlich zur Einheit bei?

Zahlen, die aufhorchen lassen

Untersucht wurden die Sendungen vom 1. Januar 2023 bis zum 27. September 2025. Medienberichten zufolge haben Medienwissenschaftler der Universität Leipzig die Analyse durchgeführt. In Auftrag gegeben haben sie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Leipziger Produktionsfirma Hoferichter & Jacobs. Absender ist also keine Splittergruppe, sondern eine öffentlich finanzierte Stiftung des Bundes.

In absoluten Zahlen werden die zehn westdeutschen Länder zwar doppelt so oft genannt wie die fünf ostdeutschen. Pro Kopf dreht sich das Bild aber um:

  • 37 Nennungen je eine Million Ostdeutsche, dagegen nur 15 je eine Million Westdeutsche
  • 24 Prozent der Abschnitte mit Ost-Bezug drehen sich um rechte Ideologie, beim Westen sind es 5 Prozent
  • Wirtschaft, Infrastruktur und Arbeitsmarkt: 19 Prozent im Westen, nur 9 Prozent im Osten
  • Wahlen und Wahlkampf: rund ein Viertel der Ost-Berichte, im Westen 13 Prozent

Sachsen werde um ein Vielfaches häufiger namentlich erwähnt als das ähnlich große Rheinland-Pfalz, heißt es in der Studie. Wichtig ist eine Einschränkung: Die Kategorie „rechte Ideologie“ umfasst nicht nur rechtsextreme Straftaten, sondern auch rechte Parteien und Bewegungen.

Der Westen als Normalfall

Besonders aufschlussreich ist ein Wort. Das Adjektiv „ostdeutsch“ fiel den Forschern zufolge 152-mal, also häufiger als „westdeutsch“, „norddeutsch“ und „süddeutsch“ zusammen. Die Wissenschaftler sprechen deshalb vom Westen als Normalfall und vom Osten als „markierter Kategorie“.

Übersetzt bedeutet das: Wer in Stuttgart lebt, ist einfach Deutscher. Wer in Chemnitz lebt, ist Ostdeutscher. Und das auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Man könnte einwenden, dass im Untersuchungszeitraum die Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg stattfanden. Das stimmt. Allerdings wurde in derselben Zeit auch im Westen viermal gewählt, und trotzdem lag der Wahlanteil dort nur halb so hoch.

Jede Meldung kann stimmen, das Gesamtbild trotzdem nicht

Niemand behauptet, die „Tagesschau“ erfinde etwas. Das Problem liegt in der Auswahl. Wer immer wieder denselben kleinen Ausschnitt zeigt, prägt damit das Bild vom Ganzen. Den Mittelständler aus dem Erzgebirge, die Ingenieurin in Jena oder die Familie in der Lausitz, die trotz hoher Energiepreise ihren Handwerksbetrieb über Wasser hält, sehen die Zuschauer kaum. Kritiker sehen darin eine Schieflage, die das Land eher spaltet, als es zusammenzuführen.

Bemerkenswert ist das auch aus rechtlicher Sicht. Der Medienstaatsvertrag verpflichtet die öffentlich-rechtlichen Sender in § 26 nicht nur zu Objektivität, Unparteilichkeit und ausgewogener Themenvielfalt. Er verlangt ausdrücklich auch, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Ob ein Programm diesen Auftrag erfüllt, wenn es einen ganzen Landesteil vor allem als Problemzone zeigt, darf man bezweifeln.

Bezahlen müssen alle, auch die Ostdeutschen

Dazu kommt eine bittere Ironie: Auch die Menschen zwischen Rostock und Zwickau zahlen den Rundfunkbeitrag, ob sie wollen oder nicht. Sie finanzieren also ein Programm mit, das sie nach dieser Studie überdurchschnittlich oft im Zusammenhang mit rechter Politik zeigt.

Seit Jahren wird über eine Reform von ARD und ZDF gesprochen. Spürbar geändert hat sich wenig. Für viele Beitragszahler ist die neue Studie deshalb mehr als eine Medienanalyse. Sie bestätigt ein Gefühl, das sich lange aufgestaut hat. Ein Sender, der sich auf seinen Auftrag für alle beruft, muss sich daran messen lassen, ob er auch über alle gleich fair berichtet. Zumindest am 3. Oktober sollte das gelten.

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