
Teheran rüstet um: "Wir ziehen den Krieg in die Länge!"

Fast sechs Monate nach Beginn des US-Angriffs auf den Iran stellt Teheran seine Streitkräfte neu auf – offensiver, aggressiver, auf Dauerkonflikt getrimmt. Ein Spitzenberater der Revolutionsgarden kündigte diese Woche öffentlich an, man wolle den Krieg bis zur nächsten US-Präsidentschaft strecken. Für Europas Energieversorgung sind das keine guten Nachrichten.
Die neue Doktrin: Krieg im Feindesland
Mohammad Reza Naqdi, hochrangiger Berater des IRGC-Oberkommandos, formulierte in einem Interview mit dem US-Sender PBS erstaunlich offen, worum es Teheran gehe: Abschreckung durch Zermürbung.
"Eine Möglichkeit ist, diesen Krieg in die Länge zu ziehen, bis wir die nächste Präsidentschaft erreichen, und Zermürbung zu verursachen."
Mit Blick auf die jüngste Umstrukturierung des Militärapparats erklärte Naqdi, man müsse künftig in der Lage sein, Operationen auf feindliches Territorium zu tragen – ein Bruch mit der bisherigen Doktrin, die vor allem auf Verteidigung und Erhalt des Landes ausgerichtet gewesen sei.
Hardliner übernehmen den Sicherheitsapparat
Berichten zufolge hat der neue Oberste Führer Mojtaba Chamenei, Sohn des früheren Revolutionsführers, an einem einzigen Wochenende die Spitze des Sicherheitsapparats neu besetzt – durchweg mit erfahrenen Hardlinern. Mohsen Rezaei, eine der dienstältesten Figuren der Revolutionsgarden, wurde demnach zum Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats ernannt.
Pikant: Chamenei selbst sei seit Kriegsbeginn nicht öffentlich aufgetreten. US-Geheimdienste gehen laut Medienberichten davon aus, dass er lebt, aber schwer verletzt sei; iranische Regierungsvertreter sprechen von einer Verletzung bei gutem Gesundheitszustand. Mehrere Kabinettsmitglieder sollen ihm nie persönlich begegnet sein.
Ein Analyst der Organisation United Against Nuclear Iran wird mit der Einschätzung zitiert, die Führung bereite sich im Inneren wie nach außen auf eine konfrontativere Haltung vor.
Warum Washingtons Rechnung nicht aufgeht
Vor dem US-israelischen Angriff am 28. Februar galt vielen als ausgemacht, das Regime werde nach den Massenprotesten des Winters rasch kollabieren. Ein Senior Associate Fellow des britischen RUSI-Instituts sieht das inzwischen anders: Die existenzielle Bedrohung sei aus iranischer Sicht verschwunden, weil Teheran nicht mehr mit einer Bodeninvasion rechne. Man könne mit der Pattsituation leben – schmerzhaft, aber nicht tödlich.
Außenminister Abbas Araghchi legte am Donnerstag nach und warf Washington auf X vor, sich wegen Geheimdienstversagens seit Langem verkalkuliert zu haben. Schlimmer als Fake News seien Fake-Geheimdienstinformationen, spottete er. Ein weiterer General kündigte laut der Nachrichtenagentur Fars an, man werde in einem künftigen Krieg noch entschlossener und aggressiver auftreten.
Der Preis steht an der Zapfsäule
Für deutsche Verbraucher ist das keine ferne Weltpolitik. Die Straße von Hormus bleibt nach iranischer Darstellung blockiert, Teheran will für die Durchfahrt künftig sogar eine Gebühr verlangen – begründet mit Umweltschäden. Der Brent-Preis bewegt sich Medienberichten zufolge im Bereich von rund 96 Dollar je Barrel, nach zwischenzeitlichen Ausschlägen über 100 Dollar.
Ein Konflikt, der bewusst in die Länge gezogen wird, bedeutet dauerhaft teure Energie. Und damit importierte Inflation in einem Land, dessen Industrie ohnehin unter hohen Strompreisen, Bürokratie und einer Klimapolitik ächzt, die Versorgungssicherheit zur Nebensache erklärt hat. Aus Sicht unserer Redaktion rächt sich hier, dass Berlin und Brüssel geopolitische Risiken jahrelang als Randnotiz behandelt haben.
In solchen Phasen zeigt sich, warum physische Edelmetalle als Krisenanker geschätzt werden: Sie sind kein Versprechen auf Papier, sondern Substanz – als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
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